Limmud.de 2010 Berlin, Freitag, 2. Teil

In einem atemberaubenden Tempo nimmt uns David Solomon auf eine Zeitreise durch Jahrtausende jüdischer Philosophie mit. Die Simultanübersetzer hatten große Mühe, dem rasanten Tempo zu folgen, meisterten die Herausforderung jedoch bravourös.

Vom großen (jüdischen) Philosophen Philo, der das Konzept des „Logos“ erstmals beschrieb, welches weiterhin im Judentum keine herausragende Rolle spielen sollte, jedoch im Christentum zu einer zentralen Bedeutung wurde, über Saadia Gaon, der erstmals die religiösen Schriften auf rationale Inhalte untersuchte und feststellte, daß Offenbarung und Verstand in Einklang gebracht werden müssen und nicht getrennte Disziplinen sind, und daß die wörtliche Interpretation abgelehnt werden kann, wenn sie dem Sinn und Verstand widerspricht, zu Abraham ibn Daud, und weiter zu Moses ben Maimon (Moses Maimonides, Rambam), der die Philosophie des Aristoteles mit der Torah in Einklang brachte und dies in seinem Hauptwerk „Führer der Unschlüssigen“ (auch hier, Guide for the perplexed) niederlegte.

Hier kommt David Solomon zur zentralen Frage: Wenn Gott ALLES weiß, wo ist dann der freie Wille? Dieser Frage wurde später unter Anderem von Martin Buber in seinem Werk „Ich und Du“ auf den Grund gegangen.

Zurück im Mittelalter kommen wir nun zu Crescas, dem fast vergessenen Autor des Werkes „Or Adonai“ der wiederum die aristotelische Lehre und hiermit das Werk Maimonides‘ ablehnte, da es die Torah mit philosophischen Ideen verwässere (für Interessierte gibt es hier weitere Informationen, allerdings auf englisch), sowie einem seiner Schüler, Albo, der dieses Thema weiter verfolgte und noch grundlegendere, weiter gefaßte Thesen formulierte.

Nun kommt schließlich Moses Mendelssohn zu Wort, der als einer der großen Aufklärer im Judentum gilt und in seinem Spätwerk „Jerusalem oder über religiöse Macht im Judentum“ über das Verhältnis von Religion und Staat sowie die Folgen des eigenen Verhaltens und die Freiheit in der Religion schreibt.
Das Schlußwort des gegen Ende aus Zeitgründen etwas gerafften Vortrages erhält Franz Rosenzweig, womit der Bogen zurück geschlagen wird zu Maimonides und der Philosophie als Kontrast und Ergänzung von Religion.

Auch wenn in diesem Vortrag mehr Fragen als Antworten gegeben wurden, so war er doch sicherlich ein guter Impuls und Leitfaden, sich näher mit jüdischer Philosophie zu beschäftigen.

Naomi

Gastautorin im Blog. Sie berichtet aus der weiten Welt.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. @Chajm
    Beschäftigst du dich mit jüdischer Philosophie? Ich hab Martin Buber viel gelesen. Für einen Beitrag hab ich mich neulich auch mit Hermann Cohen beschäftigt. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, das viele Juden Martin Buber nicht mögen. Ist das eine Fehlwahrnehmung?

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  2. @Serdar: (Aufpass!) Die Limmud-Artikel stammen von Naomi… 😉
    Die Rezeption Bubers ist vielleicht von der Strömung abhängig, welcher die jeweiligen Rezipienten anhängen. Zudem sind einige seiner Werke nicht einfach zu erfassen. Bubers Sicht auf den Zionismus kann auch dazu beitragen, dass der Rest seiner Ideen nicht betrachtet werden will. Der Brit Schalom scheint mir nicht unumstritten zu sein, wenn ich das mal so euphemistisch ausdrücken darf…

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  3. Stimmt von Naomi 🙂
    Hab ich übersehen. Nun ja angesicht des Aufrufs einiger Juden neulich, kann der Brit Schalom gar nicht mal so falsch gewesen sein 😉

    Was die jüdische Philosophie betrifft, frag ich mich inwie weit die Philosophie in der jüdischen Theologie Einfluss hatte (es gibt übrigens in der Literatur auch die Meinung, es würde eine Theologie analog des Islam oder Christentum gar nicht geben).

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