Jan 28 2010
So ein Schlamassel
Am Freitag den 28. Januar steht den jüdischen Videorekordern (der Film läuft nach Schabatbeginn, am Freitag um 20:15 Uhr) vermutlich schlimmes bevor. Eine Produktion der Degeto für die ARD namens So ein Schlamassel kommt auf uns zu (Infos zum Film hier). Bisher konnte kaum eine allgemein gelobte Produktion über das Jüdische Leben in Deutschland auch nur ansatzweise das jüdische Publikum begeistern. Große Ausnahme bietet der nahezu (leider) unbekannte Film Zores (siehe auch hier). Die Geschichte von So ein Schlamassel ist im Prinzip schnell erzählt: Nichtjude trifft Jüdin. Liebe. Er gibt den Juden für die Familie. Familie trifft auf Familie. Alles wird gut.
Dazwischen wird natürlich jiddisch gesprochen (von Focus Herausgeber Helmut Markwort) und ein wenig ironielos geschaut, wie sich jüdische Familien in Deutschland wohl so verhalten.
Unvermeidbar also die Situation in der sich ein Nichtjude plötzlich im Mittelpunkt jüdischer Rituale sieht. Gut, dass es eine chassidische Lesbe gibt, die dem Mann die wichtigsten Eckpunkte erklärt. Damit ist er gegenüber Victor Buntspecht im Vorteil. Das ist der Mann, der in Die Abenteuer des Rabbi Jakob von Louis de Funès, ebenfalls in einer ähnlichen Lage ist.
Oder es kommt alles ganz anders und der Film zeigt auf amüsante Art und Weise, wie Juden in Deutschland leben (?)
Spannend ist, dass Drehbuchautor Daniel Wolf auch das Drehbuch für oben genannten, sehr famosen Film Zores geschrieben hat und auch mal das vorauseilend affirmative Verhalten gegenüber Juden aufs Korn genommen hat.
107 Kommentare






Tja, da der allgemein durchschnittliche Fernsehzuschauer ja nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheidet und vom Singulärem auf das Allgemeine schließt, wissen wir ja jetzt alle über “die Juden” in der BRD Bescheid: sie leben in einem gutbürgerlichen Buddenbrockschen Ambiente, sind entweder Anwalt, Anlageberater oder mindestens Steuerberater, Arzt geht auch noch, Familie geht über alles, Klatsch und Tratsch wird großgeschrieben, und für die Juden in der BRD sind die “Deutschen” immer noch potientielle Mörder.
Herzlichen Grlückwunsch ARD, oder um den Film zu zitieren “Maseltow”!
Und dabei war der Schmonzes hochkarätig besetzt, da wundert man sich doch, das die “Kollegen” bei so was mitmachen. Man kann aber davon auch darauf schließen, was sich die öffentlich rechtlichen so einen Quatsch kosten lassen! Nicht wenig. Übrigens, aufgefallen? 90 % der Juden in der BRD stammen aus der ehemaligen Sovjetunion. Ist Euch der russische Akzent aufgefallen? Crown High in Berlin Mitte für geistig Arme!
Falls jemand den Videorekorder vergessen hat, hier der Link zum Film in der ARDMediathek:
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=3728042
Gute Woche
@Shlomi: Na super, dann kann man sich ja die besten Szenen runterladen und neusynchronisiert bei Youtube wieder in´s Netz stellen!
@Shlomi: Vielen Dank!
@alle
Man fragt sich, was die Arbeitsanweisung war?
»Schreibt plakative, unnatürliche Dialoge«? Alles vollkommen aufgestelzt präsentiert. Natürlich wird die Mesusah im Hauseingang groß gezeigt, wenn die Darstellerin sie küsst. Natürlich werden Sätze gesagt wie »Diese Bar Mitzwah Feier – Ein Graus – Ich wusste gar nicht, dass es soviel Arbeit ist« – dabei lautet doch eine Grundregel »Show – don’t tell«. Dann wirkt auch nicht alles so aufgesetzt.
Zu vielen anderen Dingen hat Shabbes-Goi auch schon etwas geschrieben…
Eine Szene habe ich aus dem wahren Leben wiedererkannt: Das Essen bei der Familie des Mannes mit den seltsamen Witzen über Juden und die Frage nach der Behandlung der Palästinenser. Das hat Wiedererkennungswert.
In dem Film zeigte eine Angehörige einer marginalen Gruppe, wie es im Soziologiedeutsch heißt, eine Lesbe als Einzige unter den auf das Judentum bedachten Protagonisten Herz und brachte das Liebespaar zusammen. Schließlich kam das unvermeidliche Happy End. Nicht-Juden können nicht nachvollziehen, warum die Priorität so sehr auf eine Heirat innerhalb des jüdischen Umfelds gelegt wird, warum die jüdisch präferierte Endogamie einen solchen Stellenwert hat, dass sie tendenziell zum Unglücklichsein führen würde. Es ist für Nicht-Juden auch nicht nachvollziehbar, warum an dem historischen Ereignissen des jüdischen Volkes unbeteiligten Personen diesen eine Beteiligung unterstellt wurde. Ebenso waren die klischeehaften Äußerungen der nicht-jüdischen Darsteller voller Vorurteile und diskriminierend. In dem Film stellte der Autor heraus, dass das deutsch-jüdische Verhältnis noch ausgesprochen negativ ist und das trotz des hoffnungsvollen Filmschlusses.
Ein gaaaanz schlechter Film.
Bei der Bar Mitwa tanzt die Hälfte ohne Kippot 
Erst einmal nervt die ständige Benutzung “jüdischer” Wörter – siehe: die Bar-Mizwa Feier, MAZEL TOW(wie oft kam das eigentlich in dem Film vor?) und gelegentliche jiddische Einschläge.
Besonders skuril fand ich die Szene beim Entzünden der Chanukkia. Mir ist es neu, dass man am letzten Tag nochmal die Geschichte(sogar mit Fehlern) erklärt, so als ob es die Anwesenden ja gar nicht wüssten. Der Bezug zu Weihnachten war in dieser Szene auch überflüssig. Mal ganz zu schweigen von dem XXL-Davidstern im Auto von Jil.
Ansonsten hat Shabbes-Goi ja schon alles zum Familienbild gesagt.
Interessant ist aber auch die Beschreibung der ARD:
“Strenggläubige Familie”
Und darüber, was chassidisch sein soll, müssen wir auch nicht diskutieren
@Ron: Die Szene beim Entzünden der Chanukkia war die einzige, bei der ich richtig gelacht habe, Marianne Sägebrecht zitiert wie ein Fünftklässlerin aus dem Brockhaus für Arme. Super !!! Aber wohl kaum als Komik von den Machern beabsichtigt! Und das mit dem einzigen Tropfen Öl war doch wohl auch klasse.
Leider wurden hier alle möglichen Klischees auf einen Haufen gezeigt.
Dass die darüberhinaus noch die Mamserproblematik latent angesprochen haben, ist denen sicher nicht aufgefallen.
Also, ich fand den Film gar nicht so schlecht, mein nicht-jüdischer Nachbar fand ihn sogar super!
Jetzt nervt er wieder mit allen möglichen Detailfragen zum Judentum, von denen ich ihm mindestens 50% nicht beantworten kann!
Egal, ich lade ihn im Laufe der Woche zu einem glatt-unkosheren Dinner ein und nach der dritten Flasche Bier wirds garantiert lustig!
Shalom,
Miles
Extrem peinlicher Film, sehr gezwungen und aufgesetzt.
Allerdings zeigt es wie sehr Vorurteile uns gegenüber in der nichtjüdischen Umwelt verwurzelt sind, was uns ohnehin immer klar war.
Immer dran denken, solche Filme werden von GEZ-Gebüren produziert, 7,6 MILLIARDEN IM JAHR!!! Soviel Geld haben andere Länder nicht als Staatshaushalt.
Kol Tuv
Der Film ist noch schlimmer wenn man ihn ganz sieht.
Die fette Frau (Marianne Sägebrecht) sagt da “Sie hat ein Recht glücklich zu sein!”.
Komplett antireligiös und fast antisemitisch, wenn man die Klischees bedenkt.
Die Fehler liegen im Detail das unangenehm auffällt, angefangen von Kippot, Netilat Yadaim, Channuka, Shomer Negia, Bar Mitzwa-Feier, fehlende Zizith, Tzniut, einfach alles.
Sind die Produzenten zu dumm sich jüdische Berater herbeizuholen oder haben sie selbst Angst vor Juden und unterlassen es deshalb?
Ein Film der eben alles vermischen und gleichschalten will.
Sollen sie doch mal einen Film über eine christlich – moslemische Beziehung drehen … spannend wie ein Tatort.
Deutsche können keine Filme über Juden drehen. Einfach die Finger davon lassen, damit ist allen mehr geholten.
Derweil beglückwünschen sich jetzt die Produzenten und Darsteller was sie doch für einen tollen Film sie gemacht haben und meinen das sie etwas ganz Grossartiges für die deutsch-jüdische Beziehung geleistet haben.
Hier mal ein “Kritik” : http://www.kino.de/kinofilm/so-ein-schlamassel/117594.html
Da heisst es dann : “Die Stärke der Beziehungskomödie liegt in dem lebendig gezeichneten jüdischen Milieu …”
Und dann kommt Rolf Eden um die Ecke (übrigens wirklich Jude).
“in dem die Ausübung der Traditionen mit alltäglichen Problemen und Beziehungskonflikten verknüpft werden. ”
Sollen sie doch mal zeigen wie schwer jüdisch-orthodoxes Leben in Deutschland ist, das man “um die halbe Welt” fahren muss um koscheres Essen zu bekommen und das man mit Mitte 40 mit Baseballcap rumläuft. Sollen sie mal zeigen wie schwer Arbeitssuche ist wenn man religiös lebt.
Für solche Filme wird Geld rausgeworfen, traurig.
@ Joshua: “Deutsche können keine Filme über Juden drehen. Einfach die Finger davon lassen, damit ist allen mehr geholten.”
Da muß ich Dir widersprechen, man könnte sehr wohl eine bundesrepublikanisch-jüdische Komödie produzieren, nämlich genau darüber, wie eine Produktion wie “So ein Schlamasel” bei den öffentlich rechtlichen produziert wird. Wie oft das Drehbuch umgeschrieben wird, um den öffentlich rechtlichen Ansprüchen zu genügen, über die Auswahl der Locations, die Besetzungscastings und die Statistencasting. Allein bei der Vorstellung der Szene, wie ein öffentlich rechtlich verbeamteter Senderat mit dem Drehbuch zu Knobloch und Kramer dackelt, um es sich absegnen zu lassen, könnte ich mich kringeln. Über einen solchen Film könnten sowohl goische wie jüdische Bundesbürger lachen, und er hätte darüber hinaus einen gewissen Erkenntniswert!
@Shabbes-Goi
Besonders bei Kramer .. der Mann ist ein Thema für sich. Frau Knobloch traue ich es noch zu sich zu jüdischem Leben zu äussern.
Das Problem ist das der Alltag meist vollkommen unspektakulär ist, sowas interessiert keinen. Dann doch lieber was gezwungen authentisches.
Das “Problem” ist das es in Deutschland kein wirkliches jüdisches Leben gibt und auch vor der Nazi-Zeit nicht gegeben hat. Deutsche Juden waren nie in der Masse religiös sondern angepasst und assimiliert. Da gibt es nichts was man filmisch nachzeichnen könnte.
Jüdisches Leben ist so vielschichtig das man garnicht weiss wo man anfangen soll zu erzählen, ausserdem geht es bei Vielem eben um die Datails.
“Sind die Produzenten zu dumm sich jüdische Berater herbeizuholen oder haben sie selbst Angst vor Juden und unterlassen es deshalb?”
Ist Alice Brauner nichtjüdisch?
“Ist Alice Brauner nichtjüdisch?”
Das spielt keine Rolle. Auch Juden haben nicht immer Wissen vom Judentum dafür haben einige Ahnung, dh. sie ahnen etwas.
Die Frau ist Politikwissenschaftlerin und nicht religiös, was soll man da erwarten?
Brutal und provokant gesagt, deutsche Juden haben kein Wissen vom Judentum, sie wissen nur Oberflächlichkeiten. Da gibt es leider wenige Ausnahmen. Ohnehin, es gibt kaum noch deutsche Juden.
Oh, ich bin auch Politologin, aber religiös.
@Yael
“Oh, ich bin auch Politologin, aber religiös.”
Sehr gut, aber auch im religiösen Bereich gibt es Abstufungen. Ich kann und will das hier nicht beurteilen.
Die Familie im Film ist NICHT strengreligiös sondern maximal “reform-jüdisch”, wie man es heute nennt.
Viele Deutsche messen und Juden an solchen Filmen weil sie meinen dass das was sie dort sehen ECHT ist. Guck Dir mal an wie Shabbat feiern, peinlicher gehts kaum. Der eine guckt TV, der andere telefoniert, die Mutter besprüht Blumen und es wird an der Haustür geklingelt. Welche wirklich strengreligiöse Famile macht das?
Bei solchen Filmen kommt es auf Details an und wenn die nicht stimmten stimmt der ganze Film nicht.
Am Ende wird, wie könnte es anders sein, die Mischehe propagiert. Vermutlich weil die Produzentin selbst damit ein Problem hat.
Wie die auf die Idee kamen, zu schreiben, es handle sich um eine strengreligiöse Familie, ist mir auch völlig schleierhaft. Keine Ahnung, wem dieser Patzer unterlaufen ist. Der Film Zores vom gleichen Autor ist wesentlich besser, hier kann man Vergleiche ziehen.
Erst geärgert den Film verpasst zu haben — und dann über den Film geärgert beim schauen als Stream.
Laut Abspann gab es eine jüdische Fachberatung: Uri Faber, Historiker und ehemaliger Bildungsreferent als auch ehemaliger Leiter des Jugendzentrums der Jüdischen Gemeinde Berlin.
Aber, ohne die miserable Qualität des Films entschuldigen zu wollen, bei den meisten Filmen dieser Größenordnung kann sowohl die Vorlage, das Drehbuch, als auch die Fachberatung gut sein, ohne das das einen wirklichen Einfluss auf den Film haben muss. Die Verantwortung liegt eher bei der Produktion (Alice Brauner) und der Regie (Dirk Regel).
Alice Brauners Vater ist der bekannte Film-Veteran Artur “Atze” Brauner. Alice ist mit dem Zigarren-Erben Michael Zechbauer, Katholik, verheiratet. Die Zwillinge Ben und David – aus ihrer ersten Ehe – heute 11 Jahre alt, „bekommen eine jüdische Orientierung. Entscheiden sollen sie später aber selbst.“ (Abendzeitung). Ich habe mal einen mutmasslichen Enkel von Artur B. an meinem Tisch gehabt. Der trotz Besuchs des jüdischen Gymnasiums in Berlin nicht gerade mit jüdischem Wissen geglänzt hat.
Summa summarum: Ich bin vor diesem Hintergrund nicht wirklich überrascht, wenn Menschen mit jüdischem Wissen diesen Film verreissen…
Wenn Uri Faber, Historiker und ehemaliger Bildungsreferent a da als Berater mitgewirkt hat, dann sagt das eigentlich schon alles aus über die Person und den Posten den er innehatte. Hat vermutlich ne Menge Kohle bekommen für seine “Beratung”.
Einfache Sache, Outsider können Insider nicht erklären. Einige Leute sehen beim Daven nur Leute die den Oberkörper hin und her bewegen, was will man da vermitteln?
Fakt ist, es gibt in Deutschland kein lebendiges Judentum, gab es auch vor der NS-Zeit nicht wirklich. Was will man da vorspielen?
Der Film ist unangenehm und klischeebehaftet, ganz so wie viele Deutsche es sich wünschen.
1. Brutal und provokant gesagt, deutsche Juden haben kein Wissen vom Judentum, sie wissen nur Oberflächlichkeiten. Da gibt es leider wenige Ausnahmen. 2. Ohnehin, es gibt kaum noch deutsche Juden.
ad 1)
Na und, sie sind aber trotzdem Juden, oder? Das gilt übrigens für eine Menge von (z.B.) kanadischen Juden auch!
ad 2)
stimmt doch gar nicht! Ich bin z.B ein ‘waschechter deutscher Jude’ und habe auch massenhaft deutsch-jüdische Freunde, allerdings im Ausland (weil unsere Vorfahren damals von Deutschland weg sind)! Ok, wir haben jetzt keinen deutschen, sondern einen Schweizer Pass in unserem Schreibtisch —- aber Jecke bleibt nunmal Jecke und das ist auch gut so!
Shalom
Miles
@Joshua: Gut, wahrscheinlich habe ich als Goi-ben-Goi zu diesem Thema die Klappe zu halten, aber könnte es sein, dass Du jüdisch mit jüdisch-orthodox verwechselst?
“aber könnte es sein, dass Du jüdisch mit jüdisch-orthodox verwechselst?”
Nein, Jüdischsein ist etwas anderes jüdisch-”orthodox” (eigentlich orthoprax) zu leben.
Zumal es in der Beschreibung des Films heisst : ” Marc ist kein Jude, und Jils strenggläubige jüdische Familie würde es niemals akzeptieren, dass sie einen ‘Goi’, einen Nichtjuden, heiratet.”
Das stimmt faktisch nicht mit dem überein was da gezeigt wird. Die Macher und Berater waren demnach überfordert und unfähig.
Das Werk ist unangenehm und verletzt sogar Gefühle von orthodoxen Juden weil diese eben klischeehaft und falsch dargestellt werden.
Was solls, das Werk verschwindet in den Archiven der ARD.
Liebe Jüdinnen und Juden und alle die es gerne wären, wird Zeit, dass ich mich als Autor auch mal zu Wort melde. Finde es schön, dass ihr euch hier wahre Wortgefechte liefert. Ihr dürft den Film auch inhaltlich schlecht, langweilig und uninspiriert werten, der neben einem völlig langweiligen Drehbuch auch noch von einem unfähigen Regisseur mit ebensolchen Schauspielern in Szene gesetzt wurde. Das ist euer gutes Recht. Aber bitte, vermengt nicht Äpfel mit Birnen. Wir – also Alice Brauner und ich – die beiden Keimzellen dieses Projektes sind beides Juden und haben unsere Familien und unsere Freunde als Vorbild genommen, sowohl für den Plot als auch für die Figuren. Lebende Juden in diesem Land, die allesamt so sind wie sie sind. Anwälte, Steurberater und eine Menge Ärzte, die wir gar nicht drin hatten.. Das ist die Welt in der wir uns auskennen. Wir sind nicht dazu da, eine empirische Studie über die Juden in diesem Land zu liefern. Wir sind darüber hinaus beide nicht sehr religiös, aber sehr traditionell im jüdischen verhaftet. Etwas plakativ formuliert: Die “Schinken-auf-Mazze” Fraktion. Da gibt es kein falsch oder richtig, sondern nur ein “so ist es bei uns”, Punkt! Wenns bei euch anders läuft, dann ist das völlig ok. Wir sind nicht dazu da, den Leuten zu zeigen, wie Shabbat halachisch auszusehen hat. Wir zeigen das Leben, wie wir es kennen und das mag halachisch völlig daneben sein, aber weil es uns gbt und weil wir so leben ist es ECHT!
Hey Daniel! Sei doch nicht gleich angepisst! Sei doch lieber froh, dass sich Leute mit Deiner Arbeit auseinandersetzen und dass Du auf diesem Wege eine direkte Publikumsrückmeldung bekommst, was ja sonst bei Film und Fernsehen eher selten ist. Wenn das für Dich ein”Schinken-auf-Matze” Film und für Dich “Echt” ist, O.K., steht für sich, kann man respektieren. Nur, wenn es die ARD zwei Tage nach dem 27.01. als Film über eine”traditionsbewusste ( jüdische) Familie” und mit dem Ettikett”Nicht zuletzt handelt “So ein Schlamassel” von jüdischem Leben in Deutschland und den kulturellen Vorbehalten zwischen deutschen Juden und deutschen Nichtjuden.” anpreist und verkauft, muss man sich nicht wundern, wenn das Ganze sehr zwiespältig aufgenommen wird und , meine ganz persönliche Meinung, die nichts mit Deinem Buch, sondern mit der Umsetzung und Vermarktung durch die ARD zu tun hat, eigentlich auch eine verpasste Gelegenheit ist, wenn man bedenkt, wie komplex und vielschichtig das jüdische Leben heute in der BRD ist.
P.S.:
Übrigens, falls Du mich mit dem “Möchtegern-Juden” meinen solltest,
ich habe nie irgendwo einen Hehl daraus gemacht, dass ich Goi bin und auch bleiben werden.
“die beiden Keimzellen dieses Projektes sind beides Juden und haben unsere Familien und unsere Freunde als Vorbild genommen, sowohl für den Plot als auch für die Figuren. ”
Was das ganze NOCH schlimmer macht. Dann haben sie vermutlich gedacht ihre Familie sei streng religiös, traurig.
“Das ist die Welt in der wir uns auskennen. ”
Traumwelt. Wissen sie, es gibt in Deutschland tatsächlich Juden die normal 8 Stunden arbeiten müssen und nicht im Buddenbrock-Stil leben. Juden die religiös leben und damit Probleme haben am Freitag schnell von der Arbeit nachhause zu kommen bevor Shabbeseingang ist, Juden die durch halb Europa fahren um koscheres Essen zu bekommen. Es sind wenige, das stimmt, die Mehrheit ist komplett sekulär, aber sowas macht sich im Film nicht, ist zu unspektakulär.
Und, Juden reden nicht stängig Jiddisch oder redenvon sichselbst als jüdisch. Man sagt nicht “Der Mann soll jüdisch sein” sondern “Der Mann soll Jude sein”. Allein das Wort JUDE trauen sich die Darsteller kaum über die Lippen zu bekommen.
“Wir sind nicht dazu da, eine empirische Studie über die Juden in diesem Land zu liefern. ”
Stimmt, man muss ja auch sehen wo man bleibt
“Da gibt es kein falsch oder richtig, sondern nur ein “so ist es bei uns”, Punkt! ”
Grandios! Nur sollte man vielleicht vorsichtiger mit Themen umgehen von denen man wenig Ahnung bzw. Wissen hat ODER man halt sich gute Leute die Wissen haben. Problem ist nur, die wollen auch Geld
Und es gibt schon ein Falsch und ein Richtig.
“Wir sind nicht dazu da, den Leuten zu zeigen, wie Shabbat halachisch auszusehen hat. ”
Das wissen wir auch nachdem wir gesehen haben wie es im Film ablief. Tja, wir sind es ja die unseren nichtjüdischen Nachbarn eventuell diesbezüglich Rede und Antwort stehen müssen. Dann heisst es : “Aber in dem Film war das so und so.”
“Wir zeigen das Leben, wie wir es kennen und das mag halachisch völlig daneben sein, aber weil es uns gbt und weil wir so leben ist es ECHT!”
Kol Hakavod für soviel Ehrlichkeit. Es ist an der Zeit für sie sich mal mit richtigem, authentischem Judentum zubefassen und NICHT um das in derartigen Filmen zu verwursten sondern für sie ganz persönlich. Damit tun sie sich und dem ganzen Judentum einen unschätzbaren Gefallen.
Nichts für ungut, trotzdem alles Gute und bleiben sie gesund.
Ich habe den Film nicht gesehen und werde es auch nicht tun, es gab schon mal deutsche produktionen über Juden anfang 2000, einmal einen Krimi auf Sat1 und einen Schimanski in Antwerpen, ich wusste nicht ob ich heulen oder lachen soll, beide Filme waren sowas von daneben (Tschulent am Freitag Abend, Hora Tanz im koscheren Lokal in Antwerpen und ein krorrupter Polizeikommisar König, der die ganze Zeit mit dem Codenamen Melech agiert). Sovielzum deutsche-jüdischen Film, ausser Zucker und Ein ganz gewöhnlicher Jude ist alles mit dem Angriff der Killertomaten zu vergleichen: Fazit ab in eine gute Videothek, Tango der Raschevskis ausleihen und einen wirklich guten jüdischen Film genießen.
@daniel wolf
ich hätte dann trotzdem noch die Frage, warum man von strengreligiös redet, wenn es nicht der Wahrheit entspricht? Was bedeutet in dem Film denn “strengreligiös”? Natürlich muss man dem Publikum nicht den halachisch korrekten Ablauf des Schabbes zeigen, aber wenn Nichtwissende das “strengreligiös” für bare Münze nehmen, obwohl es mitnichten so ist, hätte man sich den Terminus schenken müssen.
@Joschua Vieles von den Behauptungen ist vollkommen haltlos und ich denke, wir wissen das alle – ich spreche von der Zustandsbeschreibung vom Judentum in deutschsprachigen Raum vor der Schoah.
Würdest Du selber für Dich in Anspruch nehmen, observant zu sein? Dann würde ich erwarten, dass die Person die das von sich behauptet, keine Person als fette Frauzu bezeichnen. Immerhin wird die Figur im Film ja auch von jemandem gespielt. Der Mensch wurde immer beTzelem Elokim erschaffen. Ich denke, da sind despektierliche Äußerungen bzgl. des Aussehens fehl am Platze.
@Daniel Das große Problem das die meisten jüdischen Zuschauer mit dem Film hatten (ich extrahiere das mal aus den Reaktionen die ich so las und auch dem Artikel in der Jüdischen Allgemeinen von letzter Woche), ist unterm Strich, wie plakativ hier mit dem Judentum umgegangen wird. Shabbes-Goi hat es bereits angerissen und ich weiter oben auch: Wenn etwas jüdisches getan wird, wird das auch kommentiert und besonders hervorgehoben. Natürlich ist das ein Werkzeug des Fernsehens, dass man ständig erklärt bekommt, was man ohnehin schon sieht. Aber das war ein wenig zu viel. Bei Zores wurde eine schöne Geschichte erzählt und die Personen waren nicht so plakativ jüdisch (um das einmal so zu formulieren) und dennoch wurde die Spannung zwischen nichtjüdischer Umwelt und den jüdischen Protagonisten klar (selten so gut dargestellt, wie in diesem Film).
Wir wissen alle, wie verschieden stark ausgeprägt die Menschen jüdisch leben. Der eine so, der andere so. Für die meisten ist das kein Problem und niemand verurteilt das (Joschua scheint in diese Richtung zu marschieren, oder ich habe das falsch verstanden). Wenn der Zuschauer aber zuvor von der ARD darüber informiert wird, dass wir nun eine religiöse Familie zu sehen bekommen, dann sollte es schon auch eine sein, die in irgendeiner Art und Weise observant ist – oder stringent orthodox, liberal, rekonstruktionistisch oder oder oder…
Danke für die Wortmeldung übrigens.
@Daniel:
Dann wüsste nämlich auch ich als max. 20% observanter Jude endlich, “wie man das alles richtig macht”!
für den Directors Cut hätte ich einen Vorschlag für Dich! Schreibe doch das Ende dahin gehend um, dass der Goi schlussendlich ins Judentum konvertiert! Orthodox natürlich!
Shalom
Miles
Anscheinend liest die ARD hier mit und ist schon zurückgerudert.
In der oben verlinkten Beschreibung heisst es jedenfalls (mittlerweile?):
“Traditionsbewusst” ist nicht das gleiche wie “streng religiös”… Das klingt schon eher nach “Schinken auf Matzes”.
“Würdest Du selber für Dich in Anspruch nehmen, observant zu sein? Dann würde ich erwarten, dass die Person die das von sich behauptet, keine Person als fette Frauzu bezeichnen.”
Stimmt, war nicht fein gesagt. Eigentlich sollte man als observanter Jude das Internet generell und reformjüdische blogs und Internetseiten ohnehin meiden.
“Der Mensch wurde immer beTzelem Elokim erschaffen. Ich denke, da sind despektierliche Äußerungen bzgl. des Aussehens fehl am Platze.”
Darüber könnten wir jetzt noch lange diskutieren was genau damit gemeint ist. Das Aussehen macht einen Menschen übrigens nicht zum Tzelem Elokim.
Ansonsten wünsche Ihnen noch eine schöne Zeit und ich werde mich, ganz in Ihrem Sinne sicherlich , hier nicht mehr zu Wort melden und durch unangenehme Wortmeldungen auffallen.
Sehr geehrte Blogger, zunächst einmal finde ich es klasse, dass Ihr Euch mit dem Thema so intensiv und offensichtlich auch emotional auseinandersetzt. Kritik ist gut und wertvoll und muss auch voll umfänglich zum Tragen kommen!
Aber an vielen Stellen finde ich Eure Kommentar sehr bedenklich und auch gefährlich, weil sie viel mehr von einem Schubladendenken zeugen, nach der Maxime wie etwas zu sein hat, als es unser Film jemals tun würde. Danny und ich sind nicht angetreten, um in wissenschaftlich exakter Empirie jüdisches Leben in Deutschland abzubilden. Wir haben keinen Dokumentarfilm gedreht! Mein Vater hat 21 herausragende Filme produziert, die den Opfern des Hololcaust gewidmet sind und dieses Geschehen oftmals genauso geschildert hat, wie er es erlebt, gesehen und empfunden hat.
Es war Danny und mir ein Anliegen, die heutige Zeit aus humoristischer und in erster Linie aus unserer persönlichen und subjektiven Sicht zu zeigen. Im Übrigen finde ich es weit ab von jeder erträglichen Kritik und eine ausgesprochene überhebliche Anmaßung, mir "Nichtreligiösität" unterstellen zu wollen. Ich bin ein durch und durch gläubiger, traditionell lebender, wenn auch nicht der Orthodoxie verhafteter Mensch. Gilt eigentlich nur Euer Grad an Frommheit, Glaube und Religionsausübung? Gilt nur Euer Leben als das einzig wahre jüdische Leben in Deutschland? Mit diesem Anspruch sind wir nie angetreten! Das ist das große Problem: Ihr verlangt Toleranz gegenüber Euch, und gewährt sie niemanden, der die Dinge vielleicht ein bisschen anders sieht und lebt als Ihr! Und wenn die ARD schreibt, das sei ein Abbild jüdischen Lebens des heutigen Deutschlands, dann trifft das für uns und auf uns zu. Es zeigt eine Facette. Niemand von uns (den Machern dieses abstrusen Katastrophenwerks) hat Anspruch auf universelle Allgemeingültigkeit erhoben. Wir wollten die Dinge auf eine humorvolle Weise anpacken, und natürlich gab es hier und da Szenen und Figuren, die der filmischen Dramaturgie einer Tragikomödie geschuldet sind. So funktionieren nun mal die Ingredenzien für einen Unterhaltungsfilm.
Ich mache Euch einen Vorschlag: Schreibt Ihr doch mal ein Exposé, ein Script, ein Drehbuch, wie Ihr meint, dass jüdisches Leben in Deutschland aussieht. Schickt es dem BR, dem HR, dem WDR, dem SWR, dem ZDF, mir oder wem auch immer. Dann könnt Ihr doch zeigen, wie jüdisches Leben in Deutschland WIRKLICH ist und funktioniert. Bin gespannt, ob ich mich damit werde identifizieren können. In jedem Fall hätte ich Respekt vor Eurem Werk und vor allem vor Eurer subjektiven Sichtweise. Alice Brauner
@Alice Brauner
Bitte meine Entgegnung unter Nummer 30 an Daniel Wolf zur Kenntnis nehmen. Darin fasse ich noch einmal zusammen, was ich meiner Meinung nach, als Hauptkritikpunkt sehe.
Ich denke »wem auch immer« trifft es ganz gut. Selbst wenn unter uns jemand wäre, der das Können und das Talent hätte, so ein Exposé und ein entsprechendes Drehbuch zu verfassen, dann wäre es vollkommen gleichgültig, wem er das überreicht. Die wenigsten von uns haben einen entsprechenden Namen als Entre Billet zu den entsprechenden Redaktionen bei den Sendern und da reicht ein jüdisches Thema allein vielleicht nicht mehr aus, um nicht sofort sein Werk in der Rundablage wiederzufinden. Selbst wenn jemand von uns DEN Fernsehfilm schlechthin schreiben würde, denke ich nicht, dass er eine realistische Chance hätte, wahrgenommen zu werden.
@Joschua@ Na, das ist doch ein wenig seltsam, dass jemand der hier mit großen Kellen fleißig austeilt (die Verteilung der Personen in verschiedene, fragwürdige, Schubladen wäre auch ein interessantes Thema), sich bei moderater Kritik an seinem Stil sofort ausgeladen fühlt.
Nö, als charejdischer Jude sollte man das nicht tun. Wenn das f+r Dich das Maß der Dinge sein sollte, dann passt hier einiges nicht unbedingt zusammen.
“Wenn das f+r Dich das Maß der Dinge sein sollte, dann passt hier einiges nicht unbedingt zusammen.”
Da scheinen Sie aber noch stärker in Stereotypen zu denken als ich dachte.
Schubladen? Im Gegenteil, jeder Jude ist anders. Es gibt vieles was bei Juden, egal welcher Ausrichtung, nicht zusammenpasst.
Da könnte man jetzt auch seitenlang drüber reden, wäre aber an der Stelle sinnlos.
Ich teile hier nicht mit “grosser Kelle” aus, das sieht bei mir noch ganz anders aus. Ich schreibe nur was mit aufgefallen ist und was mich an diesem Film gestört hat.
Derech Eretz wäre aber wohl gewesen den Film und den blog hier geflissentlich zu übersehen, wäre mit Sicherheit für alle Beteiligten besser gewesen. Was hat das denn bisher gebracht? Nichts, weder für mich noch für irgendjemanden der das hier liest.
Es war eher kontraproduktiv und ich wäre jetzt froh hier niemals etwas gepostet zu haben.
Es wäre nett wenn sie alle meine postings bzw. Kommentare löschen würden.
Wenn ich jemanden beleidigt haben sollte tut es mir leid.
Alles Gute
@Joschua
Entschuldigung, der Autor von »Die Familie im Film ist NICHT strengreligiös sondern maximal “reform-jüdisch”, wie man es heute nennt.« bezichtigt mich des Schubladendenkens?
Vielleicht sollte man ein wenig Empathie mitbringen, wenn man Nachrichten an andere Menschen richtet? Das wäre doch gut und niemand müsste anschließend behaupten, was man geschrieben hätte, sei kontraproduktiv.
Was Du nicht als große Kelle wahrnimmst, nehme ich schon so wahr. Da ist es doch gut, wenn das in einem Blog passiert, in dem die Leute höflich und respektvoll miteinander umgehen, oder?
Gerne können wir dann wieder zum Film zurückkehren und sehen, was sich an Kommentaren getan hat und das ist doch so einiges.
Für MICH persönlich wäre es im Nachhinein besser gewesen ist hätte diesen blog nie gefunden und den Film nie gesehen, darin lag meine Schwäche.
Geht es nicht meine Kommentare zu löschen? Bitte!
Ich finde es ok, wenn man sagt, dass es nicht die Intension des Filmes war, ein Porträt über observantes Judentum in Deutschland darzustellen – zumal es ein solches kaum gibt.
Von daher gibt man tatsächlich ein realistisches Bild wider.
Das Problem liegt – bei aller künstlerischen Freiheit – in der klischeehaften und lächerlichen Verzerrung und der inhaltlich falschen Vermarktung des Films.
Ich gratuliere Menschen zum Geburtstag mit “herzlichen Glückwunsch” und schreie nicht MAZEL TOW in die Welt, ich sage nicht aus dem Nichts heraus einfach ununterbrochen “oj,oj,oj” und mit der Behauptung Gojim seien einfach “anders als wir” kann ich erst recht nichts anfangen. Die Familie im Film passt einfach wunderbar in Stereotypen und hat nichts zu einer realistischen Wahrnehmung der Juden in Deutschland durch Deutsche beigetragen. Der Grundgedanke mag zwar stimmen, und so finde ich die Schabbes-Szene übrigens doch recht passend(der Sohn will lieber TV gucken), aber es wird an allen Stellen einfach maßlos übertrieben.
Und die Schauspieler…die waren, tut mir leid, einfach schlecht und nicht überzeugend.
Zunächst einmal danke für diesen spannenden Blog!
Zum Film aus meiner -nichtjüdischen- Sicht: Ich fand ihn insgesamt gut gelungen, nette Geschichte, gut gespielt. Und wenn Judentum in Deutschland (vielleicht auch Österreich?) zum Teil so gelebt wird, wie es gezeigt wurde, finde ich das sehr sympathisch. Ich bin in religiösen Dingen nicht unbedingt “überbewandert” (aufgewachsen im katholisch geprägten Österreich, mit einer radikalen Atheistin als Mutter und einem gläubigen Moslem als Vater, habe ich mich bis vor kurzem eher ferngehalten von diesen Themen – zur Sicherheit). Daher bitte nicht zu streng mit mir sein, ich will nur meine Eindruck schildern.
Was ist mir aufgefallen: Die Toleranz und Selbstverständlichkeit gegenüber Zippi, die Art, wie Frauen und Männer miteinander umgehen – das kenne ich von meinem religiösen, ägyptischen Teil der Familie leider nicht so . Der Onkel des Buben, der zwar vielleicht beruflich nicht so super toll weiterkommt, aber Qualitäten hat, die der Familie auf andere Weise sehr helfen. Und ja, natürlich war der Film wohl eher für nichtjüdisches Publikum gedacht, und da war es schön zu sehen, wie so ein Shabbat etc. ablaufen kann. (Ist mir klar, ist nur eine Variante, aber den Pluralismus, den das Judentum aufweist, halte ich für eine Stärke).
Die Kritik, der ich mich anschließen würde: Manches hat steif gewirkt, weil Dinge erklärt wurden, die Leute nicht erklären würden, die in den Handlungen mittendrinstecken und sich schließlich auskennen.
Ich glaube schon, dass Filme dieser Art – v.a. Richtung Komödie gehende, weil sich Menschen über den Humor leichter öffnen, glaube ich – einen kleinen Beitrag leisten, den Bruch, der in Österreich und Deutschland zwischen Juden und Nichtjuden immer noch stark vorhanden ist, ein wenig kleiner zu machen.
Dazu noch ein Gedanke zum Schulunterricht/Geschichte der NS-Zeit:
Das erste und oft einzige, was Menschen nichtjüdischer Herkunft von Jüdinnen/Juden erfahren, ist die Geschichte ihrer Verfolgung. Das halte ich für problematisch. Wissen über jüdische Kultur/Religion in ihren verschieden Ausprägungen sollte im Vorfeld viel stärker forciert werden – etwaigem vorhandenen Antisemitismus könnte man damit schnell den Boden entziehen, wenn der kulturelle Schatz des Judentums – der u.a. ja auch die Basis für Christentum und Islam bildet- klarer herausgestellt werden würde.
Ich fände auch Filme gut, die sich mit den vielen Dingen, die gut laufen in Israel auseinandersetzen – Nahostkonflikt mal ausgespart, denn es gibt ja auch abseits davon typisch israelische Kultur und Leben, davon hört man aber selten etwas.
@Ron Yitzchak
So siehts aus.
Der Film trägt eher zum NICHT-Verständnis als zum Verständnis bei, so sehe ich das.
@Alive Brauner
“Gilt eigentlich nur Euer Grad an Frommheit, Glaube und Religionsausübung? Gilt nur Euer Leben als das einzig wahre jüdische Leben in Deutschland? Mit diesem Anspruch sind wir nie angetreten! Das ist das große Problem: Ihr verlangt Toleranz gegenüber Euch, und gewährt sie niemanden, der die Dinge vielleicht ein bisschen anders sieht und lebt als Ihr!”
Ich kann hier nur für mich schreiben und das ganz klar verneinen.
Das Problem ist, wie es oft angesprochen wurde, dass es sich um eine angeblich strengreligiöse Familie handelt, die sie aber nicht war. Und das passt nicht zusammen.
@Yankel Moishe
“Er ist kein Jude. Und Jil weiß genau, dass ihre traditionsbewusste Familie niemals einen “Goi”, einen Nichtjuden, akzeptieren würde. ”
Das jetzt zu korrigieren, ist doch im Grunde völlig sinnlos.
@Alice Brauner:
Die (nichtjüdischen) Menschen, die sich diesen Film anschauen, wissen nicht, dass sich nur um subjektive Erfahrungen und Gefühle der Macher handelt, sondern nicht zuletzt die Werbung der ARD erweckt, wie nun schon so oft erwähnt, den Eindruck, eine “typisch deutsch-jüdische” Familie darzustellen, was allein schon wegen des Mangels an deutschen Juden schwierig ist.
Man sollte verstehen, dass sich viele von uns auf den Schlips getreten fühlen.
@Yael:
“Das Problem ist, wie es oft angesprochen wurde, dass es sich um eine angeblich strengreligiöse Familie handelt, die sie aber nicht war.”
Das größte Problem ist der bewusste Einsatz von Klischees – allerdings nicht wie bei “Zores”, um die Philosemiten zu entwaffnen, sondern um es als jüdische Realität zu verkaufen.
Ich finde es jedenfalls bemerkenswert, dass Daniel und Alice einen Film gemacht haben, der gerade den Nicht-Juden einen klitzekleinen Einblick ins Judentum ermöglicht. Ob nun alles ‘technisch richtig’ war oder nicht, ist doch egal – und sich am wort ‘streng-religiös’ hochzuziehen ist ziemlich albern! Dann war’s eben meinetwegen ‘nicht-streng-religiös’ oder ‘locker-religiös’.
Jedenfalls haben jetzt viele Nicht-Juden eine Idee davon, wie es in einer Synagoge aussieht und ein bisschen Hebräisch haben sie auch gehört! Das ist das grosse Verdienst des Films! Ist doch eigentlich super, oder!?
Shalom
Miles
“Alles auf Zucker” hat in dieser Hinsicht mehr geleistet.
@miles
es gibt andere deutsche Filme (Alles auf Zucker, Zores), die besser sind als dieser und ebenso einen und vor allem besseren Einblick ins jüdische Leben geben. Tun wir daher doch nicht so, als wäre es der erste oder kennst du tatsächlich keinen anderen?
“ein bisschen Hebräisch haben sie auch gehört!”
Hm, außer Massel tov, was nun jeder kennt, sicher nicht.
Ich ziehe mich außerdem nicht an strengreligiös hoch, sondern empfinde diesen Terminus in diesem Film als völlig falsch. Wir wissen es, aber Nichtjuden eben nicht. Und darauf kam es mir an.
Liebe Yael:
die Streifen, die Du da erwähnst, kenne ich in der Tat auch alle! Und jede Menge Israel-Schnulzen noch dazu!
Übrigens meine ich im Film folgendes gehört zu haben (Synagogenszene):
Baruch atah adonai eloheinu melech ha’olam shecheyanu v’kiy’manu v’higyanu lazman hazeh. Amen.
… und das ist sicherlich ein wenig mehr als nur Mazel Tov, stimmts? Dieses Gebet in Hebräisch kennt wahrscheinlich kaum ein Nicht-Jude – meine ich jedenfalls! Oder liege ich da falsch?
Shalom
Miles
Und jetzt kennt er es?
Eine Übersetzung gab es nicht
“Dieses Gebet in Hebräisch kennt wahrscheinlich kaum ein Nicht-Jude – meine ich jedenfalls! Oder liege ich da falsch? ”
@ Miles: Da liegen Sie – aus meiner Sicht und Erfahrung- völlig richtig.
Macht das den Film denn wertvoll?
Da werden ein paar hebräische Worte gesprochen, und nun?!
In was für ein Judentum bekommen Nichtjuden denn Einblick?
In ein Judentum das faktisch nicht stattfindet.
Einblick bekommen Nichtjuden nur wenn sie direkten Kontakt zu Juden haben und das über einen längeren Zeitraum.
Das “technisch-richtig” macht aber den Unterschied aus, sonst kann man es seinlassen und sich Aufwand und Mühe sparen.
Es hätte EIN guter Berater gereicht und der Film wäre gerettet.
So sieht eine Synagoge aus? Welche denn? Sollen sie mal die Sicherheitsvorkehrungen und die Polizeipräsenz zeigen und das 90% russische Juden sind, das ist nämlich die Problematik.
Besonders hervorzuheben ist dass das Wort JUDE im Film kaum vorkommt, in der Bettszene sagt sie ja auch nicht “Ich bin Jüdin!” sondern “Ich bin jüdisch!”. Jude weiterhin als Wort mit einem negativen Nachhall.
Aber gut, irgendwie muss man ja sein Geld verdienen.
@Joshua:
Du übertreibst maßlos.
Ein solches Judentum, improvisativ und mehr traditionell als wirklich religiös, existiert, und ich meine, dass es in Deutschland innerhalb der praktizierenden jüdischen Welt die Mehrheit bildet.
Ob etwas, gemessen an orthodoxen Maßstäben, technisch richtig oder falsch dargestellt wurde, spielt keine Rolle, denn die meisten Familien machen wohl aus Sicht anderer Familien “technische Fehler”. Schließlich lebt jeder sein Judentum so, wie es ihm möglich ist und wie er sich mit ihm identifizieren kann. Wenn ich zu Hause den Schabbat empfange, wird es also in bestimmten Punkten vermutlich anders aussehen als bei dir, so wie es auch in den Synagogen verschiedene Minhagim gibt.
Du scheinst wohl ein orthodoxes Leben zu führen bzw. gibst vor, besonders fromm zu sein. Das ist schön und gut, aber bedenke bitte, dass es auch andere Formen jüdischen Lebens gibt, so wie es auch andere Synagogen gibt als die deine:
Bei uns gibt es bspw. null Polizeipräsenz.
Du verallgemeinerst zu sehr aus deiner eigenen Perspektive und Erfahrung, so wie es offensichtlich auch Alice Brauner und Daniel Wolf getan haben.
Das Problem liegt nicht in der dargestellten Form jüdischen Lebens, denn diese Form existiert nun mal, sondern in der Darstellung der Darstellung: Klischees und noch mehr Klischees.
“… und das ist sicherlich ein wenig mehr als nur Mazel Tov, stimmts? Dieses Gebet in Hebräisch kennt wahrscheinlich kaum ein Nicht-Jude – meine ich jedenfalls! Oder liege ich da falsch?”
Hebräisch kann man auch in Dokumentationen über Juden genug hören, wenn man will, darauf kommt es doch in einem Film nun wirklich nicht an.
Das sind doch Pimperlitzchen und das ist nicht entscheidende bei diesem Film. Was hat denn ein Nichtjude davon, wenn er gar nicht weiß, was das bedeuten soll? Aber wenn du sonst keine Probleme hast, ist das ja hervorragend.
Brachot spricht man übrigens nicht umsonst aus.
“Da werden ein paar hebräische Worte gesprochen, und nun?!”
Eben Ron, das frage ich mich auch.
@Dina Elsayed-Ali
wissen Sie denn jetzt was diese Brachot alle bedeuten, sind Sie jetzt schlauer geworden?
@Ron Yitzchak
Spielt doch ohnehin keine Rolle was ich schreibe.
Mir hat der Film nicht gefallen weil das was gezeigt wurde klischeehaft, teilweise dumm und falsch war.
Wenn ihr ihn gut fandet, so ist das euer gutes Recht.
Ich sehe Judentum in Deutschland als faktisch nicht existent, manch einer macht sich da gerne was vor, besonders wenn neue Synagogen gebaut werden.
Auch das seht ihr sicher vollkommen anders, auch euer gutes Recht.
Wir werden wohl auf keinen gemeinsamen Nenner kommen.
Trotzdem, war nett das alles hier gelesen zu haben.
@Joshua:
Ich schrieb nicht, dass du Unsinn von dir gibst, sondern lediglich, dass das Problem, wie du nun ja selbst sagst, in den Klischees liegt und nicht in der gewählten Form jüdischen Lebens.
Hätte man ein “technisch richtig” orthodoxes Judentum dargestellt, wäre der Film immer noch schlecht, denn man hätte sich wohl weiterhin zahlreicher Klischees bedient.
TV-Spielfilm schrieb passend zu dem Film:
“Anders als Dani Levys respektloser Mischpoke-Spaß “Alles auf Zucker” langweilt diese brave, weichgespülte Degeta-Produktion mit Klischees und banalen Dialogen.”
Besser und knapper kann man es nicht auf den Punkt bringen.
Bei mir ist er ebenfalls absolut durchgefallen. Klischees, Klischees und noch mal Klischees.
Interessante Diskussion. Ich habe den Film sogar zweimal gesehen – freiwillig. Und ich fand ihn insgesamt gar nicht so schlecht. Natürlich war manches aufgesetzt, wie zB die Szene, in der die Oma ihrer Familie erklärt, was Chanukka ist und das dann noch unsinnigerweise in Bezug zu Weihnachten setzt. Außerdem sind so viele Informationen in die Handlung reingepackt worden, dass ich es streckenweise etwas zu kompakt fand. Aber der Film trifft an vielen Stellen auf den Punkt, man merkt sehr wohl, dass er von Juden gemacht ist. Dass der Sohn lieber TV guckt als am Kiddusch teilzunehmen, dass es am Sederabend chaotisch durcheinander geht, dass auch am Schabbat ständig das Handy klingelt – all das kennt man doch, und wenn nicht aus eigener Praxis, dann von Freunden, Familie, etc. Schließlich kann man die wirklich observanten Familien in D an einer Hand abzählen. Deshalb würde es auch überhaupt keinen Sinn machen, einen solchen Film (der ja keine Doku sein sollte!) am Beispiel einer einer observanten Familie zu drehen. Das würde dann erst recht ein schiefes Bild vom jüdischen Alltag in Deutschland geben.
Das ist richtig, Anna, und das wurde nun auch schon oft angesprochen, wenn man davon absieht, daß die Ankündigung strengreligiös nicht der Tatsache entsprach.
Es geht aber um diese unzähligen Klischees, die der Film transportiert und hier liegt sein große Manko.
Nach der ganzen Diskussion verstehe ich gar nichts mehr, mchte aber doch was versuchen.
vielleicht wird das nächste mal ein film gemacht, in der eine komplett a-religiöse familie aus der ehemaligen udssr im mittelpunkt steht, mit brötchen zu pessach und sonstigen treifen naches. das wäre viel näher an der realiät, als eine deutsc-jüdische familie, die so heute vielleicht noch in buenos-aires oder in naharija exestriert aber nicht mehr in deutschland. das ganze hätte nur ein problem, diese realtität wie sie wirklich exestriert will keiner wahr haben, weder die jüdischen funktionäre noch die geldgeber aus den ministerien und so lange die quote von neueröffnunungen von synagogen gehalten wird, scheint die welt in ordnung zu sein.
und jetzt zur gemeinderalität, in einer hausordnung in einer gemeinde in deutschland mit 98% einwanderer steht welche regel an nummer 1 in der hausordnung???
@Konstantin Pal
medujak.
@joshua
ich denke, du hast Ron hier wirklich missverstanden.
@ Constantin Pal: “regel an nummer 1 in der hausordnung”
Ich würde mal tippen:
“Im Zweifelsfalle entscheidet der Geschäftsführer!”
“Hätte man ein “technisch richtig” orthodoxes Judentum dargestellt, wäre der Film immer noch schlecht, denn man hätte sich wohl weiterhin zahlreicher Klischees bedient.”
Ja natürlich, aber er wäre etwas weniger peinlich gewesen.
Das nicht unbedingt, aber manches hätte wohl wirklich echter gewirkt: Die Mischehen-Problematik.
So ein Schlamassel lautete der Filmtitel und daran ist auch sein witziger Inhalt zu messen, nicht an den religiösen Erörterungen des unterschiedlichen Grads der jüdischen halachischen Praxis. Im Mittelpunkt stand ein Liebespaar, das nicht durch seine es gut meinenden Verwandten zueinander fand, sondern durch eine in dem religiösen Konzept grundsätzlich nicht hoch geachtete Person, die es schließlich durch ihre Courage schaffte, eine verfahrene Situation zu meistern. Die Hauptaussage des Films bestand in dem Schlamassel, dass ausgerechnet ein Nicht-Jude in einen jüdischen Haushalt eingeführt wurde und er sich dessen Normen gutwillig unterwarf, eben aus Liebe zu seiner jüdischen Freundin. Er war in ein Schlamassel geraten genauso wie seine Freundin, die zunächst von der nicht-jüdischen Umgebung mit Vorbehalten konfrontiert wurde.
Ob nun die Details nicht so dargestellt wurden, wie dies observante orthodoxe Juden wünschen, war in dem Film Nebensache. Die Unterhaltung und das Happy End waren ausschlaggebend. Der Film war witzig, gerade wegen des manchmal chaotischen Zusammenspiels bei religiösen Zeremonien und deren Dialogen. Hat das denn keiner hier bemerkt?
Der Film war eben zum größten Teil nicht witzig.
Wir haben nun ja schon festgestellt, dass das Problem nicht in der Nicht-Observanz der Familie liegt(was in Deutschland ja schließlich Norm ist). Ich selbst fand die Schabbes-Szene auch äußerst passend, gerade wenn ich daran denke, dass bei uns beim Schacharit l’Schabat regelmäßig ein Handy klingelt. In dem Moment finde ich das zwar alles andere als lustig, aber wenn man es dann mal aus der Entfernung reflektiert, kann man schon schmunzeln.
Die Oj-Mentalität des Films verkünstelt das Jüdische zu sehr und lässt die Darstellung trotz aller persönlicher Erfahrung der Macher irreal wirken. Die Zuschauer werden sicherlich an vielen Stellen gedacht haben “Ach, die sind ja auch nur wie wir”, aber Juden sind von diesem Film scheinbar peinlich berührt, weil alle möglichen Facetten und Aspekte der Jüdischkeit in einen Topf geworfen und als fertiges Gemisch dann als Film über “deutsch-jüdische Beziehungen” präsentiert wurden.
@Klaus: wie gesagt, die einzige Stelle, bei der ich lachen mußte, war Marianne Sägebrechts Chanukka-Sermon, und das war ganz klar ein Fall von unfreiwilligem Humor. Aber schön, wenn Du Dich amüsiert hast!
@ All:
Ab jetzt dreht sich die Diskussion hier ziemlich im Kreis.
Daher würde ich vorschlagen, wir nehmen die Anregung von Daniel Wolf
“Ich mache Euch einen Vorschlag: Schreibt Ihr doch mal ein Exposé, ein Script, ein Drehbuch, wie Ihr meint, dass jüdisches Leben in Deutschland aussieht.” mal ernst und jeder postet zwar kein komplette Drehbuch sondern mal ein kurzes Treatment oder ein kurzes Plot seines jüdisch-bundesrepublikanischen Wunschfilms.
Also, haut in die Tasten …
“Schließlich kann man die wirklich observanten Familien in D an einer Hand abzählen. Deshalb würde es auch überhaupt keinen Sinn machen, einen solchen Film (der ja keine Doku sein sollte!) am Beispiel einer einer observanten Familie zu drehen.”
Genau so siehts aus, aber in Filmen mit Juden müssen offensichtlich immer Klischees rein damit Nichtjuden Juden als Juden auch erkennen.
Meine Güte, ich könnte darüber Bücher schreiben …
@Konstantin Pal
“vielleicht wird das nächste mal ein film gemacht, in der eine komplett a-religiöse familie aus der ehemaligen udssr im mittelpunkt steht, mit brötchen zu pessach und sonstigen treifen naches. ”
DAS wäre authentisch für deutsche Verhaltnisse aber langweilig für die Zuschauer.
@Shabbes-Goi:
Da würde ich mal glatt Konstantins Anregung als Ausgangspunkt nehmen und mit der Grundidee einer Liebesgeschichte verbinden:
Eine Beziehung zwischen einem deutschen Juden und einer jüdischen Zuwanderin.
Er ist traditionell mit der Synagoge verbunden und bei ihr kommen Pelmeni auf den Tisch. Für beide beginnt ein Spagat zwischen jüdischer Tradition und alter Heimatliebe.
Ihre Familie nimmt ihn liebevoll auf, kann mit seiner Religiösität aber nicht sonderlich viel anfangen und er fühlt sich nebenbei auch noch in der jüdischen Gesellschaft in Deutschland als einer der wenigen Jekkes zunehmend ausgegrenzt und überträgt das Ganze auf seine Beziehung.
Upps….das ist ja fast haargenau mein Leben
@ SG
Nein Hausordnung 1.Punkt: In das Gemeindezentrum darf keine Schweinefleisch mitgebracht werdend!!! und bitte meine namen immer mit einem K schreiben!!!
@ Joshua
langweilig für die nichtjüdischen Zuschauer, aber sicherlich mit vielen lachern für die jüdischen – naja wir sind zu wenige um nur für uns filme zu drehen – bleibt nur eins, tango der raschevskis gucken. man kann auch eine drama drehen mit protagonisten aus jüdischen landes und bundesverbänden
@ RY
willst du gleich die hauptrolle spielen? ich glaube der film wird nicht der renner werden, es sei denn die “oy per minute” rate ist größer 20
Man könnte ja eine Schiur-Szene einbauen, in der ein Rabbiner den Zuwanderern das 1mal1 des Judentums beibringt und die erste Lektion befasst sich mit dem Jiddeln:
“Bei jeder Gelegenheit ‘Oj’ sagen! Gleich nach dem Unterricht: Oj war das interessant! Oj, oj, oj, Mazel Tow für uns, so einen tollen Rabbiner zu haben. Oj!”
PS: Der Rabbiner müsste dann aber vermutlich von der ORD sein
ORD ? Nicht Oj-RD ?
@ Ronny
schon vergessen was ich dir beigebracht habe
chabd muss es sein schön schwarz mit rauschebart und schwarzem hut
-Warum denn immer dieses Oj, Herr Rabbiner?
- The Rebbe said….
Naja, einen Rauschebart und einen Hut bekommt man mit der ORD auch noch hin.
Oj,oj (muss ich aber noch für den Alltag lernen).
@ ronny
so kenne ich dich mein junge
@yael
ja ja aber keinen rebbeknick
In “streng religiösen” Haushalten kommt es übrigens eher selten vor, dass der Sohn am Freitag abend TV schauen möchte. Einfach deshalb, weil es in “streng religiösen” Haushalten in der Regel keinen Fernsehapparat gibt. Vielleicht aus guten Grund…
Mal abgesehen davon wird in “streng religiösen” Familien per Schidduch geheiratet. Unter anderem um eben solche Situationen wie im Film a priori zu vermeiden…
Eine solche Darstellung wäre aber weit ab jeglicher Realität in Deutschland.
Meinst du den Schidduch? Ich kenne eine ganze Menge, die einen Schidduch hatten.
@RY: Im Umfeld von Lauder gibt es durchaus eine fromme Kehille. Klein, aber oho.
Jetzt habe ich den Film auch (online) gesehen. Ohne das alberne Attribut “strenggläubig” kommt er mir gar nicht sooo abwegig vor.
TV-Spielfilm schrieb passend zu dem Film:
“Anders als Dani Levys respektloser Mischpoke-Spaß “Alles auf Zucker” langweilt diese brave, weichgespülte Degeta-Produktion mit Klischees und banalen Dialogen.”
Exakt. “Alles auf Zucker” fand ich allerdings auch eher langweilig.
Ansonsten: Ich wünschte mir, Vladimir Kaminer würde mal ein Drehbuch zu einer deutsch-russisch-jüdischen Komödie schreiben. Das wär mit Sicherheit überhaupt nicht als Lehrfilm für an jüdischen Bräuchen interessierte Zuschauer geeignet, aber zur Abwechslung vielleicht mal tatsächlich… komisch.
Und wer gern religöses Leben erklären und trotzdem lachen will: Wofür gibt’s wohl Konvertierte?
http://www.youtube.com/watch?v=7-g2skOVkL0
Achso, und noch was: Ich kenn da so nen durchgeknallten Typen, der war früher christlicher Fundamentalist, aber jetzt hält er sich für einen Juden und terrorisiert seine arme Familie mit Haredi-Gehabe. Als vor kurzem seine Schwester bestattet wurde, ging er der gesamten christlichen Verwandtschaft permanent mit Gejammer auf den Sack, dass die ganze Beerdigung total falsch und unjüdisch wäre, bis er irgendwann beleidigt abgereist ist.
Nur mal drei Vorschläge für das von Alice Brauner angeforderte Script
Felix
Bei mir als Nichtjude hat der Film immerhin bewirkt, dass ich neugierig geworden bin. Ich will mein Viertelwissen über Juden und Ihren Glauben vergrößern und habe damit auch bereits begonnen.
Der Film hat mich berührt. Ich erlebte die jüdische Filmfamilie, gerade auch durch die Verschrobenheiten und Probleme Ihrer Mitglieder als sehr menschlich und mir sehr symphatisch.
Shalom
Carl Matthias
@Yankel Moishe:
Ja, Lauder. Aber wie repräsentativ ist das schon für das Judentum in Deutschland insgesamt.
Ich fand die Darstellung, wie ich bereits schrieb, ja auch nicht vollkommen falsch. Nur die Klischees stoßen mir bitter auf.
Wenn ich es mir recht überlege, illustriert der Film doch recht anschaulich, wie es die “Schinken-auf-Matzes-Fraktion” (Dank an Daniel Wolf für diesen wunderbaren Terminus!) schafft, sich durch Hingeben an romantische Illusionen aus der 3000+ jährigen Kontinuität des jüdischen Volkes zu verabschieden. Dass es nicht so viele “Schinken-auf-Matzes”-Juden in der vierten Generation gibt, liegt wohl daran, dass die Mehrheit ihrer Enkel bereits “Gojim” sind, mit zunehmender Tendenz.
@Yael, Kommentar 54
“wissen Sie denn jetzt was diese Brachot alle bedeuten, sind Sie jetzt schlauer geworden?”
Zugegebenermaßen wären Untertitel unter hebräisch gesprochene/gesungene Texte hilfreich… und auch dann lernt man natürlich durch so einen Film nur beschränkt. Um alles genau zu verstehen, müßte man sich schon intensiver mit den religiösen Texten beschäftigen. Solche Filme können maximal eine Anregung dazu sein.
Carl Matthias Scheelam 5. Februar 2010 um 01:17 85Bei mir als Nichtjude hat der Film immerhin bewirkt, dass ich neugierig geworden bin. Ich will mein Viertelwissen über Juden und Ihren Glauben vergrößern und habe damit auch bereits begonnen.
Der Film hat mich berührt. Ich erlebte die jüdische Filmfamilie, gerade auch durch die Verschrobenheiten und Probleme Ihrer Mitglieder als sehr menschlich und mir sehr symphatisch.
@All:
… und das ist doch genau das, was ich die ganze Zeit zu sagen versuchte! Also, damit hat der Film – ob gut oder schlecht, langweilig oder spannend – schon etwas Positives bewirkt!
@YM:
In “streng religiösen” Haushalten kommt es übrigens eher selten vor, dass der Sohn am Freitag abend TV schauen möchte. Einfach deshalb, weil es in “streng religiösen” Haushalten in der Regel keinen Fernsehapparat gibt. Vielleicht aus guten Grund…
Stimmt!
Aber auch hier gab es für mich immer eine praktikable Lösung. Ich bin dann öfters zu meinem römisch-katholischen Freund gepilgert. Und da gab’s dann auch immer glatt-unkosheres Essen! “Der Kommissar” mit Erik Ode und Currywurst mit Pommes – hmm, ich empfand einen solchen Schabbes immer als grosse Wohltat!
Shalom
Miles
… menschlich und mir sehr sympathisch .
@CM:
Höchste Vorsicht, Mann!!!
Bitte mag uns Juden nicht all zu sehr, denn sonst wird dich gleich jemand als ‘Philosemiten’ verdächtigen! Und diese gelten landläufig als ‘Antisemiten’!
Shalom
Miles
“Höchste Vorsicht, Mann!!!
Bitte mag uns Juden nicht all zu sehr, denn sonst wird dich gleich jemand als ‘Philosemiten’ verdächtigen! Und diese gelten landläufig als ‘Antisemiten’!
”
Und was soll der Quatsch? Manche nehmen so was nämlich für bare Münze.
@Carl Matthias Scheel
keine Sorge, Sie dürfen mögen, wen Sie möchten.
Ihr Kommentar gefällt mir sehr gut.
@Dina,
eine Anregung kann es sein, richtig, das fände ich auch gut, dass dann vielleicht jemand wissen möchte, was dahinter steckt. Mir ging es nur darum, warum es in dem Film wichtig sein soll Hebräisch zu hören, denn einem Nichtkenner sagen die schnell gesprochenen oder gesungenen Brachot oder Lieder erst mal nichts.
Und was soll der Quatsch? Manche nehmen so was nämlich für bare Münze.
@Schula:
kein Quatsch, ich nehms auch für bare Münze, schon deshalb weils von einer Eurer Autoritäten gerne wiederholt zitiert wird, dem deutschen Oberrabbiner Michel Friedman nämlich! Und der muss es ja schliesslich wissen, oder!?
Gut Schabbes Euch allen (für mich fällt er wegen Notdienst im Klinikum aus) !
Miles
“weils von einer Eurer Autoritäten gerne wiederholt zitiert wird, dem deutschen Oberrabbiner Michel Friedman nämlich! Und der muss es ja schliesslich wissen, oder!?”
Was heißt “euer”? Sind Sie plötzlich Nichtjude oder wie? Wieso bzw. seit wann ist Friedman eine Autorität? Wofür überhaupt? Sie haben eine sehr fragwürdige Einstellung.
kopfschüttel!!!
@Schula: Friedman ist kein Schweizer, oder ?
Aha, woher soll ich wissen, dass Miles Schweizer ist?
Friedman ist jedenfalls keine Autorität für sonst wen, er ist eine Privatperson, nicht mehr. Mit solchen Klischees!! sollte man sehr vorsichtig sein.
Gut, das ganze hier hat ja schon längst nichts mehr mit dem Topic “Schlamasel” zu tun, aber egal.
Michel Friedman ist ein in den Medien immer noch präsenter Fernsehmoderator, aber er war vor allem von 2000 bis 2003 Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und wenn ihm seine Koksaffäre nicht dazwischen gekommen wäre, würde er nächstes Jahr Nachfolger von Charlotte Knobloch. Insofern ist er zwar keine Autorität, aber ein in der Öffentlichkeit sehr präsenter und eindeutig positionierter “Repräsentant”.
Aber wenn irgendein Jude etwas von sich gibt, spricht er für sich und nicht für alle Juden. Wenn z.B. Kramer für den Zentralrat spricht, nehmen schon zu viele an, er spreche für alle Juden und das kann nicht einmal der Papst für alle Katholiken. Friedman sieht auch, bei aller berechtigten Kritik, nicht in jedem einen Philo- oder Antisemiten. Das ist auch wieder ein Klischee.
Nein, das ist kein Klischee, sondern ein Problem. Die meistens Goien sind Repräsentanten- oder Obrigkeits- geprägt. Ich selbst finde es ja sehr erfreulich und eine echte Qualität, das es das jüdischerseits nicht gibt und hoffe, dass es so bleibt. Aber aus dem “Mangel” eines jüdischen Papstes müssen prominente Jüdinnen und Juden in der BRD sich eben bewußt sein, dass sie die Goien gerne als “Papstersatz” mißbrauchen.
Klischees sind immer ein Problem, leider auch besonders in Deutschland beliebt, die gern Minderheiten mit Klischees wahrnehmen.
Das ist in anderen Ländern nicht anders.
Michel Friedman ist ein in den Medien immer noch präsenter Fernsehmoderator, aber er war vor allem von 2000 bis 2003 Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland …
Also, ich finde die o.g. Einstellungen von Shabbes-Goi decken sich zu 100% mit den meinen!
Ich habe übrigens mit einigen Freunden aus unserer Gemeinde über den Film gesprochen. Alle, mit denen ich sprach, fanden den Film entweder ‘nicht schlecht’ oder sogar ‘witzig’! Die ‘technischen Fehler’ hat wohl kaum jemand registriert!? Interessant, oder?
Im übrigen und am Rande: viele von ‘uns’ in Zürich bedauern sehr, dass ‘wir’ keinen Michel Friedman vorweisen können – und ich bedauere das ganz besonders!
@Schula: Nur am Rande: ich bin natürlich auch deutsch; schon
immer und auch sehr gerne! Jedenfalls von der Empfindung/
Gefühl her! Rein pass-technisch bin ich allerdings in der Tat Schweizer / Kanadier! Aber: nobody is perfect, isn’t it?!
Shalom
Miles
Friedman sieht auch, bei aller berechtigten Kritik, nicht in jedem einen Philo- oder Antisemiten.
@Schula:
Aber nichts gegen Klischees (wieso prangerst Du diese eigentlich an?)! Schubladendenken macht das Leben doch so schön komfortabel, oder!? Egal ob Jude oder Nicht-Jude!
sage ich doch gar nicht! Ich habe mir lediglich erlaubt, auf ein Zitat hinzuweisen, das Michel in diversen Talkshows immer wieder gerne hervorkramt! Vielleicht ist es aber auch nur ein Klischee, dem sich Juden gerne bedienen – wer weiss?
Shalom
Miles
In der Jüdischen Allgemeinen erschien auch eine Besprechung des Films (28.01.10). Der letzte Absatz fasst gut zusammen, was mich letztendlich daran wirklich gestört hat:
“Ganz abgesehen von den hanebüchenen Drechbuchideen und allerlei handwerklichen Mängeln ([...]): Jüdische Deutsche werden in diesem Film so gezeigt, wie es die Mehrheit der Bundesbürger wohl am liebsten hat – als Fremde. Deutsche Juden erscheinen als Exoten, die gojimfeindlich, also ein bisschen rassistisch, sind, aber durchaus auch lernfähig (schließlich braucht der Film ein Happy End) und letztendlich auch liebenswert schrullig. In einem Kinofilm wie Alles auf Zucker [...] kommen deutsche Juden als normale Bürger vor. In einer öffentlich-rechtlichen Fernsehproduktion scheint das aber immer noch nicht möglich. “
In einem Kinofilm wie Alles auf Zucker [...] kommen deutsche Juden als normale Bürger vor. In einer öffentlich-rechtlichen Fernsehproduktion scheint das aber immer noch nicht möglich. “
@Yael:
ok, aber wie der junge Typ (Name vergessen! Ich meine den, der seine Cousine flachgelegt und geschwängert hatte) bei “alles auf Zucker” in der Mitte des Films im Wohnzimmer vor einer ‘Schrankwand Eiche rustikal’ wie ein Flummi hüpfend – ich glaube es war – das שחרית runterleiert, tja, das war wohl auch nicht so ganz korrekt, oder?
Shalom
Miles
“@Yael:
ok, aber wie der junge Typ (Name vergessen! Ich meine den, der seine Cousine flachgelegt und geschwängert hatte) bei “alles auf Zucker” in der Mitte des Films im Wohnzimmer vor einer ‘Schrankwand Eiche rustikal’ wie ein Flummi hüpfend – ich glaube es war – das שחרית runterleiert, tja, das war wohl auch nicht so ganz korrekt, oder? ”
Ja, das kommt bei Nichtjuden auch vor, wie hier: Der Sohn Nichtjude, die Cousine Jüdin. Wie eben im richtigen Leben.