Nov 12 2009

Jüdische Arbeit

von Chajm 20:51 unter Deutschland, Jüdisches

Im August machte ein interessanter Fall Furore. Eine Kassiererin hatte einen Pfandbon beiseite gelegt und ihn selber eingetauscht. Die Empörung war angesichts des winzigen Betrages groß und laut wurde Ungerechtigkeit angeprangert. Doch interessant ist, was die Halachah dazu sagt. Gibt es einen Mindestbetrag, den man abzweigen darf und welche Rechte hätten Arbeitgeber und Nehmer im jüdischen Recht – eine weitere Frage ist: Wenn es weltliche Gesetze gibt, welche die Arbeitswelt regeln, benötigt man da noch zusätzliche halachische Regularien? All das kratze ich in einem aktuellen Artikel in der Jüdischen Allgemeinen an, der Artikel ist hier zu finden.

17 Kommentare

17 Kommentare to “Jüdische Arbeit”

  1. Shabbes-Goiam 13. November 2009 um 12:01 1

    Ja gut, laut Thora und Talmud wären der Kassenbon und das Brötchen Diebstahl! Aber ist deshalb die Kündigung zedek?

  2. Chajmam 13. November 2009 um 13:24 2

    @Shabbes-Goi Das wird wohl davon abhängen, was Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertraglich vereinbart haben. Was passiert im Falle eines Diebstahls? Abmahnung? Entlassung? Falls das nicht greift, gibt es noch das Arbeitsrecht… – oder?

  3. Shabbes-Goiam 14. November 2009 um 11:06 3

    @Chajm: Aha! Das heißt dann also, offensichtliche Ungerechtigkeit oder Unangemessenheit wird durch Verträge, bzw. Gesetze legitimiert?

  4. Yankel Moisheam 15. November 2009 um 00:33 4

    Interessant im Zusammenhang auch die Diskussion in Brachot 16a, wo Angestellten Beschränkungen bei der Verrichtung von Gebeten(!) während der Arbeitszeit auferlegt werden, um nicht die Zeit ihres Arbeitsgebers zu stehlen.
    Auch ausserhalb von ökonomischen Beziehungen gibt es das Konzept von Zeitdiebstahl (“tircha dezibbura”), zum Beispiel extrem schleppendes Vorbeten.
    Und der Begriff für Täuschung ist “Genevas Daas”, was wörtlich etwa mit Diebstahl von Wissen übersetzt werden kann…

    Gut Woch.

    YM

  5. Chajmam 15. November 2009 um 13:24 5

    @Shabbes-Goi Dann ist es ja nun nicht mehr ungerecht – oder? Wenn die Person die Konsequenzen für ihr Handeln kennt und dennoch dieses oder jenes stiehlt, dann ist die Reaktion darauf ja nicht überraschend. Was anderes wäre es ja, wenn besagte Person ohne Vorsatz handelt, etwa ein Gurkenglas zerbricht oder etwas umwirft…. – nicht?

  6. Shabbes-Goiam 15. November 2009 um 18:54 6

    Chawer, da hast Du Dich ja ganz schön in die Ecke parliert. Ungerechtigkeit wird als durch Gesetze legitimiert, da dann die Konsequenzen vorher offen liegen? Nürnberg, 15.09.1935? Gesetz, legitim, gerecht ?

  7. Chajmam 15. November 2009 um 19:48 7

    @Shabbes-Goi Auch wenn Du Dich schon seit der Frage auf das Ausspielen dieses Jokers gefreut hast, muss ich sagen, dass das nicht einmal ein Argument in unserem Fall ist. Genau genommen ist überhaupt kein Argument. Was hat der konkrete Fall – und wir reden über einen konkreten Fall – mit den Nürnberger Gesetzen zu tun? Nichts. Wenn Du allgemein reden willst, solltest Du das auch anmerken. Alles andere ist unredlich und dann sollte man auch schreiben, was man genau meint.

    Zum Mitschreiben: In dem Artikel geht es darum, dass gesetzliche Handlungsvorgaben nicht ausreichen, um ethisches Handeln in der Arbeits- und Geschäftswelt verankern zu können -weil man immer Kniffe finden kann, ein bestimmtes Verhalten straffrei an den Tag legen zu können.

    Du hast gefragt, ob die Kündigung gerecht gewesen sei und ich sagte Dir, dass wahrscheinlich die Konsequenz von Diebstahl im Arbeitsvertrag festgehalten ist. Dann mit den Nürnberger Gesetzen zu argumentieren ist schon sehr ööööäääähh…

  8. Shabbes-Goiam 15. November 2009 um 20:08 8

    @Chajm: Joker? Bin ich Zocker? Spielen wir hier Schach oder pflegen wir einen Meinungsaustausch?
    Es ging mir, stimmt, im allgemeinen, um folgendes: Als Teil eines Gemeinwesens sind die Gesetze dieses Gemeinwesens verbindlich. Das nimmt einen trotzdem nicht aus der Pflicht, immer wieder zu überprüfen, ob diese Gesetze gerecht und menschlich sind und sich dafür einzusetzen, sie in diesem Fall zu ändern. Wenn jemand wegen eines Brötchendiebstahls seinen Job verliert, auch wenn das so im Arbeitsvertrag rechtlich verankert sein sollte, ist das für mich eben nicht mehr gerecht und menschlich.
    Gute Woche noch,
    Dein Shabbes-Goi

  9. Chajmam 15. November 2009 um 23:06 9

    Wenn jemand wegen eines Brötchendiebstahls seinen Job verliert, auch wenn das so im Arbeitsvertrag rechtlich verankert sein sollte, ist das für mich eben nicht mehr gerecht und menschlich.

    Na, dann schreib dies doch einfach….!

  10. Chajmam 16. November 2009 um 15:18 10

    @Shabbes-Goi
    Die meisten europäischen Länder sehen vor, dass Gesetze geändert werden können, wenn sie nicht mehr zeitgemäß oder gerecht sind. Da können wir also von Glück reden.
    Zu ethischem Handeln führen sie dennoch nicht automatisch… wenn man nur aus Furcht vor Bestrafung handelt…

  11. Shabbes-Goiam 16. November 2009 um 17:17 11

    @Chajm: Sholem Baleblog! Slicha, es liegt mit fern, Dir die “Nürnberg-Keule” zu geben! ( Schöne Grüße an dieser Stelle auch an Yael!)
    Bei meinen ersten beiden Kommentaren habe ich nicht mal im Entferntesten an Nürnberg gedacht. Es geht mit aber auch nicht nur um die Aussage “Wenn jemand wegen eines Brötchendiebstahls seinen Job verliert, auch wenn das so im Arbeitsvertrag rechtlich verankert sein sollte, ist das für mich eben nicht mehr gerecht und menschlich.”
    Beim Lesen Deines Artikels und auch bei Deinen beiden Antworten auf meine Fragen hier, ist mir nur immer klarer geworden, dass Gesetze unsere Realität bestimmen und dann durch Gewöhnung zu Realität werden. Dieser Prozess kann aber sehr unmenschliche Konsequenzen zur Folge haben, wenn wir die Gesetze nicht immer wieder auf ihre Menschlichlkeit bzw. Moraltität hin überprüfen und dafür einsetzen, sie bei Bedarf zu ändern. Das ist ja sogar bei der Halacha so, denn glücklicherweise wird ja heute keiner mehr dafür gesteinigt, wenn er am Shabbes mit dem Auto zur Schul fährt.
    Lass es Dir gutgehen, Gute Woche
    Dein
    Shabbes-Goi

  12. Shabbes-Goiam 16. November 2009 um 17:20 12

    @Yankel: “Brachot 16a”-
    Hallo Yankel! Mir war bisher gar nicht bewußt, dass das Judentum derart
    “unternehmerfreundlich” ist! Da bin ich doch froh, selbständig freischaffend zu sein.
    Dein
    Shabbes-Goi

  13. Yankel Moisheam 16. November 2009 um 22:36 13

    @SG:
    “Unternehmerfreundlich” würde ich nicht sagen. Jeder hat so seine Pflichten. So muss der Arbeitgeber dem Tagelöhner unbedingt noch am selben Abend seinen Lohn ausbezahlen. Der Erntehelfer darf von den Trauben essen, aber keine einstecken…

    Gut Chodesch allerseits!

    YM

  14. Yaelam 17. November 2009 um 22:24 14

    “( Schöne Grüße an dieser Stelle auch an Yael!)”

    Ich verstehe den Sinn nicht.

  15. Shabbes-Goiam 17. November 2009 um 22:51 15

    @Yael: “Ich verstehe den Sinn nicht!”
    Macht nichts, fühle Dich trotzdem ganz herzlich gegrüßt,
    gitt chodesh,
    Dein
    Shabbes-Goi

  16. Shabbes-Goiam 18. November 2009 um 19:08 16

    @Chajm: Nicht zur Entschuldigung, sondern als Ergänzung, das Symptom tritt anscheinend nicht nur bei mir auf:
    http://jewschool.com/2009/11/18/18970/godwins-law-bnai-brith-canada/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+jewschool%2Fburner+%28Jew+School%29

    Gitt Restwoch, Dein Shabbes-Goi

  17. Chajmam 18. November 2009 um 23:47 17

    Naja – das scheint ohnehin um sich zu greifen… ich habe viele Bilder gesehen, auf denen Demonstranten gegen die Krankenversicherung in den USA, Obama einen kleinen Schnurrbart gemalt hatten… da fällt einem dann gar nichts mehr zu ein.

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