Chajms Sicht

Eine jüdische Sicht auf die Dinge

Edinburgh und Ken Loach

| 2 Kommentare

Niemand oder nur ein kleiner Kreis von Menschen hätte jemals erfahren, dass da in Edinburgh ein Filmfestival stattfindet. Tut es aber wohl irgendwie. Die israelische Regisseurin Tali Schalom Ezer (hier ein Film von ihr) war auch eingeladen. Sie konnte sich die Reise aber nicht leisten und so sprang die israelische Botschaft ein und stellte das Geld bereit. Daraufhin meldete sich der britische Regisseur Ken Loach zu Wort. Der Jewish Chronicle schreibt:

He had claimed the massacres and state terrorism in Gaza make this money unacceptable and that film-lovers should stay away from the festival in support for the Palestinian nation. von hier

Dann wäre ja eigentlich alles in Ordnung gewesen. Die Freunde Palästinas, die manisch nach Juden und Israelis hier und da suchen, bleiben zuhause und lassen die Erwachsenen Filme schauen. Aber die Leitung des Festivals hat eingelenkt. Israelisches Geld scheint schmutziges Geld zu sein und so gab man das Geld an die Botschaft zurück. Man würde nun das Geld für die Reise von Tali Schalom Ezer selber bezahlen. Dumm, wenn sie nun dorthin führe.
Noch interessanter, dass die Botschaft des Staates Israel ein extremes Kurzzeitgedächtnis hat und das Festival überhaupt noch in irgendeiner Art und Weise unterstützt oder überhaupt zur Kenntnis nimmt. Die Ereignisse um Tali Schalom Ezer sind nämlich nahezu die gleichen wie 2006. Damals war es der Libanonkrieg, der den Vorwand lieferte, um israelisches Geld nicht anzunehmen, bzw. es später öffentlichkeitswirksam zurück zu geben. Die Geschichte ist sogar auf den Internetseiten des Festivals dokumentiert:

The funding is, in this sense, no different from the travel bursaries provided by Unifrance, for French filmmakers, or the Goethe Institute, for German ones. It is not in the strict sense “sponsorship” (we are no more “sponsored” by the government of Israel, than we are “sponsored” by the French, the Germans, et al), though I understand that it may appear as such to outsiders. Technically, the term “sponsorship” connotes a commercial exchange, whereas “programme supporter” denotes a cultural subsidy. A small, but important distinction. von hier

Auch Ken Loach überrascht nicht mit Neuheiten, denn er möchte alle israelischen Filme überall am liebsten verbieten. So machte er 2007 in San Francisco genau das gleiche (siehe hier) und hat sich auch mit gleichgesinnten organisiert um gegen den israelischen Staat vorzugehen. So unterstützt er eine Organisation mit dem Namen Queers Undermining Israeli Terrorism (Website), diese ruft häufig irgendwo zum Boykott israelischer Filme auf und versucht Sponsoring durch israelische Einrichtungen zu unterbinden. Es versteht sich von selbst, dass die Queers fordern, alle israelischen Produkte zu boykottieren. Irgendwie lustig, dass sie den israelischen Staat boykottieren, den einzigen Staat im Nahen Osten in dem Homosexualität nicht strafbar ist und ein Regime in Gaza unterstützt, welches Homosexualität für illegal erklärt hat (siehe auch hier).
Zurück zu Edinburgh: Man muss nicht mehrmals in die gleiche Pfütze treten. Traurig genug ist es, dass in Großbritannien der Israelboykott kein seltenes Phänomen mehr ist.

Autor: Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontakt-Seite kann man Chajm eine Nachricht senden.

2 Kommentare

  1. @All, nicht zu diesem Artikel, sondern allgemein:
    Was ist los hier ? Großes Schweigen im Walde. Alle blogmüde oder schon im Urlaub?
    Schöne Woche, Euer
    Shabbes-Goi

  2. Nicht um zurückzupfeffern, sondern nur der Ausgewogenheit halber:
    http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5hFuDQ4_k8ACllc2pHeSwYSDddCoA
    Übrigens, wenn man sich auf dieser Seite das Foto von Liebermann betrachtet, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren,
    dass es sich dabei um Henryk M. Broder mit einem Hauch von falschem Bart und einem Minimal-Toupe handelt. Sind die beiden etwa verwandt ?
    Sheyne
    euer
    Shabbes-Goi

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