Noch im Juni diesen Jahres verwies ich hier auf einen Text von Rabbiner Baruch Rabinowitz, der die Situation der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ziemlich brutal beschreibt, später wandte er sich den Rabbinern zu (hier) und wieder kam er zu keinem charmanten Ergebnis. Schon zu seinem ersten Beitrag, der Zustandsbeschreibung, wurde viel diskutiert, im Internet aber auch offline. Die Beobachtungen wurden häufig als treffend bezeichnet, seine Schlussfolgerungen waren aber, sagen wir, „umstritten”. Nun aber ergänzte Leserin Yael den Beitrag „Judentum in Deutschland – ein Golem?” um einen Kommentar, der viele aufschreckte:
Dieser besagte Rabbiner gibt aber unter anderem das folgende auf seiner Homepage von sich:
“”Das Volk Israel hat seine Auserwählung zum Teil erfüllt – aus diesem Volk ist der Messias gekommen und durch ihn, Jeshua aus Nazareth, wurde das Wissen über den Gott Israels, die Thora und die Gabe der Erlösung und Versöhnung mit Gott in alle Welt verbreitet. Ich glaube jedoch, dass die Aufgabe des jüdischen Volkes damit noch nicht erfüllt war. Als Hüter der Thora sollten wir ihre Lehre weiter verbreiten – an alle Nationen und dem Beispiel, das Jeschua uns gezeigt hat, zu folgen. Ich glaube, dass das Judentum eine völlig falsche Wende angenommen hat. Das rabbinische Judentum ist eine sehr schöne und reiche Tradition, hat aber heute mit der Thora genau so wenig zu tun wie das Christentum mit der hebräischen Bibel.
Ich glaube an den jüdischen Messias, Jeschua aus Nazareth, der den meisten als Jesus bekannt ist. hier
Da traf uns ein Haken den wir nicht haben kommen sehen. Auf seiner Homepage wurde das bestätigt. Um sicher zu gehen, wies ich Baruch auf die Diskussion hin und er meldete sich zu Wort:
Schalom zusammen. Wow, dachte mir echt nicht dass meine Webseite für ein derartig großes Interesse sorgt. Um schnell auf die Frage zu antworten: Nein, ich habe mich nicht „konvertiert“, was nicht heißt, dass ich mich gleichzeitig vom Judentum nicht distanziert habe. Ja, ich suche einen neuen Weg – und wenn ich ihn im Christentum finde, werde ich ihn nicht ablehnen, nur weil er „christlich“ ist. Ich habe meine Glauben – und für diesen Glauben werde ich auch stehen – egal ob meine Überzeugungen einer Institution passen oder nicht. Wenn Ihr meine Texte aufmerksam liest, werdet ihr sehen, dass mein Glaube passt eigentlich weder ins traditionellen Christentum noch ins traditionellen Judentum. Mit anderen Worten, ich bin auf dem Weg. …
Aber ich habe keine Lust das deutsche Judentum oder das Judentum überhaupt zu retten.
siehe hier ganzen Kommentar
Es ist immer ein kleiner Schlag, wenn Juden die man kennt, sich für einen anderen Weg entscheiden, aber immerhin handelt es sich hier um einen jungen Rabbiner dem wir zu Beginn seiner Karriere in Deutschland alles zugetraut hätten. Junge Rabbiner die Russisch, Deutsch und einige andere Sprachen fließend sprechen, gab und gibt es nicht wie Sand am Meer und so freute ich mich, dass der Landesverband von Westfalen-Lippe damals ihn wählte. Dann begann aber eine geistige Reise die ihn bis zu diesem Punkt führte an dem er mich sprachlos gemacht hat. Gestartet in der Orthodoxie, einen Abstecher in den Rekonstruktionismus, die Beginne einer eigenen Philosophie und nun dieser Schritt. Aber die Reise scheint noch nicht zu Ende zu sein. In einem neuen Kommentar veröffentlicht er einen, provokanten und nun offenen Brief an Rabbiner Walter Rotschild:
Dear Walter, thank you. No, I do not expect you to be on my side or to work with me – we do not work together any way. I just wonder how Judaism has changed. I always learned that Judaism primarily is not what you believe in, but what you do. Emphasize on belief was actually the “Christian” thing. “Na’ase WeNischma”, says the Torah. So actually a Jew is “kosher” as long as his conduct is ok and he lives according to Halacha – doesn’t matter what he/she believes in. What do Reform Jews believe in any way – or better – the ARK – which is of course not reform and whose rabbis are the true guardians of the proper Judaism?? So if I am informed correctly, your ARK conference consists of woman-rabbi, homosexual-rabbi, reform-converted-rabbi, rabbi who got his call to his ministry on the golf-field, rabbi without “smicha”, etc. Well, very diverse. And it’s a not a problem. ‘Cause: as rabbi, you can be actually atheist, humanist, communist, Israeli-right-wing-Zionist, you may practice all kind of religions – like the renewal-movement does – an in fact – you have a renewal rabbi in the ARK as well, right? – And the renewal movement indeed combines all religions together. What not a problem for me, don’t get me wrong. But I see all this as absurd – in fact our rabbis and communities in Germany are far more Christian in their way of existing than most of the Christians. All of us just believe how many of us really LIVE what we believe or better – what Judaism really teaches – we’ve got Torah and Halacha, didn’t we?? I knew that all this is going to be quite a provocation. Even though I do not believe that Jesus is God (what actually is required by most Christian Churches) and merely share the view of many rabbis that Jesus was kind of a great prophet, may be the greatest one – and I can send you a number of quotations, if you wish. I really did some kind research. So revered Rabbi Jonah Sievers would probably lable Rambam, Ramban, Arizal etc. as “Mashumadim” as well. I am happy to be in their company
and that’s fine with me. I don’t want to be a part of the group, that mistreats other people, what is actually forbidden by the Jewish law, I don’t want to have to do with “Jewish” (in their belief) but absolutely secular (in their attitude) Communities and their leaders. I want to be among people who profess and act intact with their faith, doesn’t matter what their faith is, they deserve my respect. I still hope that there’s something going to change in this country. Otherwise I don’t want to become an evil prophet (and if it’s not enough, also a “Christian” one!!
) who would foretell that Judaism in Germany is going to cease to exist in 20 years. You don’t have to be afraid – in 20 years you are going to get your rent. Me not – so I better look for a job somewhere else! Blessings, baruch Kommentar ist hier
Letztendlich fordert er Aufrichtigkeit und ein radikales Umdenken mit radikalen Konsequenzen für sich selbst. Auch hier sind die Beobachtungen teilweise sehr scharf und richtig und er ist ehrlich, ja aufrichtig zu uns. Wer weiß, wohin ihn die Reise noch führt? Möglicherweise zurück dahin, wo er begonnen hatte? Weiter weg? Mordecai Kaplan, der Begründer des Rekonstruktionismus sah das Judentum als „sich weiterentwickelnde religiöse Zivilisation” und vielleicht gibt es ja auch in diesem Fall eine Weiterentwicklung?
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:38 Uhr
Matronit
20th November 2008 at 21:28:
@ Stephanie
Postulate ohne fundierte Begründungen bringen nicht weiter.
@ Juebe
Danke für Deinen Beitrag.
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:39 Uhr
Stephanie
20th November 2008 at 21:54:
@Matronit/Juebe
Nein, ein Postulat ist es nicht, es ist ein Appell an Toleranz und Weltoffenheit, vor allem an Zuversicht. Warum von Verirrung und Verlust sprechen?- „Es schmerzt dann, wenn so jemand sich anders entwickelt. Er fehlt uns.“ – Er fehlt euch nicht und er wird euch nicht verloren gehen durch seinen Weg, er könnte eine Bereicherung ein Zugewinn darstellen!
„Für mich ist es schwer nachvollziehbar, daß jemand, der fundierte Kenntnisse des Judentums hat und das Knowhow mit Texten umzugehen, nun in diese Richtung zu driften scheint.“ – vielleicht liegt es an deiner Perspektive, an der Hemmung die nötige Offenheit walten zu lassen? „Wir brauchen Leute wie Baruch hier für die Entwicklung des jüdischen Lebens ganz dringend.“ – Du bringst es auf den Punkt! – Genau das ist es. Er entwickelt das jüdische Leben weiter!
Liebe Grüße
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:39 Uhr
Juebe
20th November 2008 at 22:57:
@Stephanie
Ich bin schon etwas perplex über Ihre Chuzpe (Dreistigkeit), denn ich finde, es steht Ihnen nicht zu, Leuten, die Sie von einigen Kommentaren her kennen zu unterstellen, daß es ihnen an “Toleranz und Weltoffenheit” mangelt. Und das tun Sie, denn sonst erübrigt sich Ihr Appell.
Ob Baruch “uns fehlt”, darüber können Sie gar nicht befinden, denn das ist ein Statement aus jüdischer Perspektive, die Sie offensichtlich nicht haben. Das ist eine Feststellung – nicht mehr und nicht weniger.
Wer hier welches Maß an Offenheit hat oder nicht hat, auch das können Sie nicht beurteilen. Es wäre schön, wenn Sie bei zukünftigen Beiträgen Ihre Bewertungen unterlassen könnten. Das bringt den Klärungsprozess hier nicht weiter.
Dass messianisches Judentum von Juden, die dieser Richtung nicht angehören, nicht als Bereicherung angesehen wird, ist innerjüdischer Konsens. Wenn Sie darüber nicht bescheid wissen, finden Sie reichlich Material auf der Seite:
http://www.judentum.org/judenmission/
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:40 Uhr
Yael1
21st November 2008 at 00:33:
Ich kann mich Juebe bezüglich dieser Stephanie nur anschließen. Jemand der die jüdische Perspektive nicht kennt, nicht kennen kann, sollte sich mit derartigen Unterstellungen zurückhalten. Toleranz ist ein Wort, dass mir in Deutschland sowieso zu oft in völlig falschen Zusammenhängen rausposaunt wird. Schon allein da werde ich hellhörig. Jeder Jude, der einen anderen Weg einschlägt fehlt uns. Soviele sind wir ja nicht.
Baruch, keine Sorge, Sie haben mich nicht beleidigt.
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:40 Uhr
Baruch
21st November 2008 at 00:43:
@Yael1
Yeal, ich denke dass Stephi recht hat- ich muss Ihnen (oder besser) dem Judentum) nicht fehlen – das entscheiden jedoch Sie und nicht ich. Ich bin jüdisch und mein Glaube gründet sich hauptsächlich auf der Thora, dem Talmud, der Kabbala. Mein Weg ist jüdisch. Ob Sie glauben oder nicht. Ja, ich gehe einen anderen Weg als Sie. Aber ich glaube dass die beiden Wege führen zum selben ultimativen Ziel. Ich hoffe dass wir alle am Ende einander treffen. Und ich hoffe dass Stephi kann selbst sagen, in wie fern sie die jüdische Perspektive kennt. Laila Tow. brch
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:40 Uhr
Baruch
21st November 2008 at 00:52:
Ich bin ab Morgen früh bis Sonntag Abend unterwegs. Also falls die Diskussion weiter gehen soll und falls Sie/ihr noch fragen haben/habt, werde ich sie Sonntag abend oder am Montag beantworten. Sonst schreibt mir einfach: Rabbinerbaruch@aol.com, Schabbat Schalom und Kol Tuw. baruch
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:41 Uhr
Yael1
21st November 2008 at 01:26:
“die wirklichkeit hat mir etwas anderes gezeigt. es gibt in den gemeinden einen hunger nach jüdischer ausbildung, einen wunsch, jüdisches leben aktiv mitzugestalten – ein bedürfnis, teil von dem werden, was man ein neues jüdisches leben in deutschland nennen könnte.”
@adi
diese Erfahrungen mache ich in letzter Zeit auch vermehrt. Vor allem fällt mir auf, dass Frauen ein dringendes Bedüfnis nach einer jüdischen Ausbildung, nach Schiurim etc. haben. Früher war dies nicht in dem Maße vorhanden. Aber leider fehlt es an gut ausgebildeten Rabbinern. Für Berlin mit sehr vielen Gemeindemitgliedern sind drei Rabbiner viel zu wenig. Woran es leider noch sehr mangelt, ist der Wille der Gemeindevorstände jüdisch-religiöses Leben fördern zu wollen. Leider sind die in der Mehrzahl nun nicht religiös und haben daran weniger Interesse. Auch hat das unendliche Hickhack in der Berliner Jüdischen Gemeinde hat das bisher sehr verhindert. Statt sich über religiöse Angebote und anderes zu kümmern, waren sie nur mit sich selber beschäftigt. Ich hoffe, dass diese Zeiten endlich vorbei sind. Aber auch die Angebote von Lauder lassen da sehr hoffen.
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:41 Uhr
Matronit
21st November 2008 at 09:00:
@ Baruch
Dein Weg ist nicht “jüdisch”.
Man kann nicht alles und jedes als “jüdisch” vereinnahmen – auch dann nicht, wenn man halachisch jüdisch ist.
Du zimmerst Dir gerade eine recht wirre Mischung aus allen möglichen Elementen verschiedener Religionen und Glaubensvorstellungen, gespickt mit einem ordentlichen Schup starken Ich-Bezugs, zurecht. Wer glaubt “Gott hat ihn (Jesus, meine Anm.) auserwählt, jüdischer Messias zu sein, Hohepriester Gottes, der das endgültige Opfer für die Welt bringen” und dessen “Tod () dann jedoch von Gott als Versöhnungsopfer für alle Menschen angenommen (wurde)” hat ziemlich an “jüdischer” Bodenhaftung verloren. Es ist ja nicht Dein Glaube, daß Jesus der Messias sei allein, es sind viele Punkte in den Postings, die stark vermuten lassen, daß Du bereits recht viel Kontakte in die messianische Szene hast (Deine Unterstützung von “Stephi” ist auch ein Hinweis in diese Richtung).
Deine Behauptung also, das alles sei schlichtweg “jüdisch” kann von Juden so nicht akzeptiert werden, bei allem Wissen um und Verständnis für verschiedene jüdische Auffassungen.
Was mich auf jeden Fall wundert, ist, daß Du so gar nicht bereit bist, auf Fragen einzugehen, die ich Dir gestellt habe. Du beklagst Dich doch an anderer Stelle, daß in Deinem Blog keiner die Kommentarfunktion genutzt hätte. Hier gibt es Kommentare zuhauf, auf die Du aber wenig oder gar nicht eingehst. Woran liegt’s?
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:42 Uhr
Baruch
21st November 2008 at 09:10:
@adi
Die jüdische Gemeinde zur Berlin hat mich drei Mal eingeladen und drei Mal hat es sich gescheitert – zum ersten Mal mit Herrn Meyer, zum zweiten und dritten Mal weil die aus der Synagoge A&B wollten mich nich als Rabbiner für den Synagogen C&D haben. Sie haben 7 Monate lang darüber diskutiert, ob mich für ZWEI Jahre (mit 6 Monaten Probezeit) einzustellen oder nicht . Obwohl Rykerstrt. und Fraenkelufer für mich abgestimmt hatten und ich wurde immer wieder in die zwei Synagogen eingeladen zu amtieren. Die Gemeinde in Belin will einfach keinen Rabbiner haben – ok, nicht dass es vielen Kandidaten gibt. Aber wenn einer kommt, geben sie ihn keine Chance.
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:42 Uhr
Baruch
21st November 2008 at 09:19:
@Matronit
Hmm, ich habe von Dir noch keine Frage gesehen.
Stephi ist nicht “messianisch”. Kennst Du sie überhaupt?
“daß Du bereits recht viel Kontakte in die messianische Szene hast” – was bringt Dich auf dieser Idee?
Wenn Du herausfindest wer “jüdisch” und “Judentum” definiert, sag mir bescheid. Ich dachte wir haben immer noch keinen Papst. Aber Du vielleicht schon?
Aber ok, wenn es Dich glücklich macht – ich habe das Judentum verlassen und habe für mich einen neuen Weg gefunden. Und ein Grund dafür ist, dass es viel zu viele Menschen wie Dich im Judentum gibt. B’Schalom, baruch
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:43 Uhr
Matronit
21st November 2008 at 09:49:
@ Baruch
Concerning “Stephi”: manche Leute muß man nicht persönlich kennen, um ziemlich schnell anhand ihres Geschreibes herauszufinden, wo der Dampfer langfährt…
Was meine VERMUTUNG angeht (ich schrieb “vermuten”, nicht wahr), daß Du Kontakte in die messianische Szene hast, erschließt sich mir aus Deinen Postings. Möge ich unrecht haben!
Ich habe in jedem meiner Postings eine Frage an Dich gestellt, sowohl hier als auch in dem anderen Strang (”Das Judentum hinter sich gelassen”). Du kannst ja noch einmal nachlesen.
Deine letzten Antworten nun sind leider recht unsachlich und polemisch. Ich würde gerne weiter mit Dir diskutieren, aber laß’ uns versuchen, auf einer guten Ebene zu bleiben, ohne Polemik und ohne Schmollen – selbst wenn manchmal Dinge angesprochen werden, die unangenehm sind.
Ich bin wirklich nicht der Papst, aber Du als in unseren Schriften gebildeter Jude weißt sicher recht genau, daß z.b. der Gedanke, daß Jesus “als Versöhnungsopfer für alle Menschen von Gott angenommen” wurde, kein jüdischer Gedanke ist und warum.
Dazu könnten wir z.B. diskutieren.
Ich ziehe mich vorerst in die Küche zurück und wünsche allen Schabbat Schalom.
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:43 Uhr
Chajm
21st November 2008 at 10:17:
@Baruch
Natürlich habe ich verstanden, dass Du Grenzen abbauen möchtest und ein „neues” positives Judentum schaffen möchtest, jenseits der bestehenden Bezeichnungen und ich denke, das ist für Dich machbar, da Mitstreiter zu finden und eine Gruppe aufzubauen welche Dich unterstützt. Immerhin wohnst Du in keiner kleinen Stadt.
Im Augenblick sehe ich aber, dass Du da einer Geschichte nachläufst, die nicht das gewünschte Ergebnis bringen wird.
Ich denke nicht, dass jede Gruppe die einen freundlich aufnimmt, automatisch „inclusive” ist. Sich einer missionarischen Ideologie zu nähern, die nicht eben nur inclusive ist, um jemanden in die Gruppe zu ziehen. Wie kann bitte eine Ideologie „inclusive” sein, die annimmt, man müsse sich ihrer annehmen, weil man sonst unrettbar verloren ist?
Die schwierige Frage „Wer ist Jude?” bedeutet nicht als Umkehrschluss „Alles ist jüdisch, wo ein Jude drinsteckt.” und nicht totale „Narrenfreiheit”. Ich meine, Du weißt das und es gibt durchaus auch einen jüdischen Weg der „inclusive” ist. Die Verzweiflung über die eingefahrene Situation kann nicht alleine dafür verantwortlich gemacht werden, dass man sich eine Gruppierung anschließt (oder ihre Nähe sucht) die vollkommen falsche Schlüsse zieht und glaubt, dass niemand Zugang zu HaSchem hat, außer ihre Mitglieder („Keiner kommt zum Vater außer durch mich”). War es nicht so, dass wir das eben nicht glauben? Mann muss nicht mal Jude sein, um als Gerechter zu gelten.
Ein Jude, der einer anderen Religion folgt oder sie annimmt, ist nur in dem Maße jüdisch, als dass er eine spirituelle Verpflichtung behält, zu bereuen und zum Judentum zurückzukehren.
Noch ein wenig Polemik: Warum war nicht Jacob Frank der Maschiach? Oder der Lubawitscher Rebbe?
Zudem denke ich, dass wir die Gesprächskultur heben, wenn wir nicht das tun, was wir anderen Leuten vorwerfen „Und ein Grund dafür ist, dass es viel zu viele Menschen wie Dich im Judentum gibt.” ist kein Satz, der besonders zu einem Dialog einlädt.
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:44 Uhr
Yankel Moishe
21st November 2008 at 12:02:
Zum mehrfach erwähnten Begriff Grenze:
1. Es sei daran erinnert, dass dert Wortstamm für “heilig”(קדש)
im Hebräischen auch die Bedeutung absondern hat.
2. Und wie sagen wir so schön am Mozei Schabbes:
“hamavdil … bein Israel leAmim…”
(der unterscheidet zwischen … Israel und den Völkern…)
3. In der vierten Bracha beten wir u. a. für בינה (Binah)
was gemeinhin mit “Verständnis, Einsicht, Verstand, Klugheit”
übersetzt wird. Die Wurzel davon ist allerdings die
Präposition נין, (bein) “zwischen, innerhalb”.
Präziser wäre demnach Unterscheidungsfähigkeit.
Dies wiederum ist ähnlich zu בנה (boneh), “bauen, errichten”.
4. Die Halacha legt Maße für alles mögliche fest,
zum Beispiel ab welchen konsumierten Mengen
man welche Brochos zu sprechen hat.
Man macht sich folglich was vor, wenn man so tut,
als wäre das Judentum ein Freund von Wischiwaschi.
YM
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:44 Uhr
Yankel Moishe
21st November 2008 at 12:30:
> Und wenn wir den Namen „Jesus“ hören,
> kriegen wir sofort einen tiefen Choke.
Das hängt wohl mehr mit der Art und Weise zusammen,
wie seine Anhänger in den letzten 2000 Jahren
mit unserem Volk umgegangen sind.
Ich bringe mal nur ein paar Buzzwords:
Kreuzzüge, Ghetto, Inquisition, …
> Warum haben wir so viel gegen einen Menschen,…
> der eigentlich nur über Liebe und Ehrlichkeit gesprochen hatte???
Man sollte vielleicht noch Sprüche der Kategorie
“niemand kommt zum Vater denn durch mich” (Joh 14,6)
Das ist aus jüdischer Sicht natürlich völlig unakzeptabel.
> Ja, es gibt genug ähnlichen Aussagen im Talmud
Irgendwo muss er es ja herhaben.
YM
22. November 2008 – 24 Heshvan 5769 um 14:44 Uhr
shabbes-goi
21st November 2008 at 17:34:
@ Baruch: Jeshua ben Jossef
So, jenseits jeder Aufgebrachtheit zurück zu des Pudels Kern:
Jeshua ben Jossef als Jude. Es ist schon witzig, wie man aus dieser Prämisse ganz unterschiedliche Konsequenzen ziehen kann. Dich hat sie, wenn man den Kommentaren hier folgt, an die Grenze des Judentums, aus der Sicht einiger sogar darüber hinausgebracht. Bei mir hat sie dazu geführt, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin und meinen christlichen Glauben abgelegt habe. Für mich war und ist es nicht miteinander zu vereinbaren, dass sich Jeshua ben Jossef einerseits auf die Thora und Adoschem bezieht und gleichzeitig Gottes Sohn sein soll, bzw. der Meschiach. Adoschem ist in der Grunddefinition der, der da ist, der er war, der er sein wird. Als solcher/solches wird er keinen menschlichen Sohn haben. Das passt nicht zusammen. Das ist Griechenland und der Olymp, aber nicht die Thora.
Außerdem kann Jeshua ben Jossef nicht der Meschiach gewesenen sein,
denn dann müßte die Welt nach seinem Auftreten komplett anders ausehen, als sie jetzt aussieht.
An das Erscheinen des Messias sind ja ganz klare Konsequenzen geknüpft und die sind durch das Auftreten Jeshua ben Josefs nicht erfüllt.
Unterm Strich bleibt Jeshua ben Jossef, wenn es ihn denn wirklich gegeben haben sollte,
denn es gibt außer den “Evangelien” keinen einzigen historischen Beleg dafür, was für die Epoche, in der er gelebt und gewirkt haben soll, erstaunlich ist,
also jemand, der das damalige Judentum reformieren wollte
und dabei gescheitert ist. Und zwar grundlegend gescheitert,
denn das dann daraus entstandene Christentum hat mit dem Judentum nichts zu tun,
Adoschem und Gott sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe.
So betrachtet ist das Messianische Judentum auch kein Bestandteil des Judentums, sondern einfach eine christliche Sekte bzw. Konfession.
Aber wie schon weiter oben gesagt, Glauben ist dazu da, den Menschen glücklich zu machen, solange er mit seinem Glauben nicht seine Mitmenschen nicht in´s Unglück stürzt.
In diesem Sinne, viel Masel mit Deinem Messias,
Git shabbes,
shabbes goi
24. November 2008 – 26 Heshvan 5769 um 18:01 Uhr
” Ein Link führt sogar direkt zu einer messianischen Gemeinde.”
Könnte ich den Link mal sehen. Danke.
26. November 2008 – 28 Heshvan 5769 um 11:18 Uhr
***//www.laschoresch.org/pages/rabbinische-ansichten-ueber-rabbi-jeschua-aus-nazareth.php#_ftn3
26. November 2008 – 28 Heshvan 5769 um 13:58 Uhr
Danke!
15. Februar 2009 – 21 Shevat 5769 um 00:05 Uhr
Leider funktioniert das mit dem Trackback nicht, deshalb hier nur der Link auf meinen Beitrag:
Jüdisch-christliches Dienstleistungskombinat
http://juedisches-berlin.myblog.de/juedisches-berlin/art/300214064