Chajms Sicht

Eine jüdische Sicht auf die Dinge

Komm her – geh weg

| 143 Kommentare

Die größte jüdische Gemeinde im Landesverband Westfalen-Lippe ist die Gemeinde in Dortmund mit fast 3500 Mitgliedern so etwas wie ein jüdisches Zentrum im Ruhrgebiet. Unter anderem natürlich auch, weil Dortmund lange Zeit Sitz des Landesrabbinates war. Ein Amt das 9 Jahre lang Rabbiner Dr. Henry Brandt inne hatte und die Besucher aus den Nachbargemeinden fühlten sich fast nie oder selten deplatziert und wurden freundlich aufgenommen. Nach dem Weggang von Rabbiner Dr. Brandt, der auch Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz ist, ersetzte die Gemeinde seinen Posten durch ein Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz. Hier fiel er mir besonders als Macher auf, jemand der aktiv wird und mit zahlreichen Ideen und Aktionen Judentum vorantreiben will und so hat sich dort einiges getan und die Gemeinde ist aktiv. Das äußert sich auch konkret darain, dass eine neue Torahrolle angeschafft wurde, sich nun auch jemand traut, ein koscheres Geschäft zu eröffnen und junge Leute zumindest ansatzweise gute innerjüdische Öffentlichkeitsarbeit an den Start gebracht haben – eine Einheitsgemeinde mit einem E-Mail Verteiler ist ja noch immer eine Seltenheit aber hier hat man es realisiert. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass der Rabbiner nun nicht mehr für alle 10 (?) Mitgliedsgemeinden des Landesverbandes verantwortlich ist. Meiner Meinung nach alles prima, nun trübt der Erlebnisbericht eines Freundes das Gesamtbild der nunmehr orthodoxen Einheitsgemeinde ein wenig und hinterlässt eine gewisse Ratlosigkeit:
Nennen wir ihn Schimon, Schimon ist Mitglied einer anderen Landesverbandsgemeinde und ging am 7. Tag Pessach zum Schacharit nach Dortmund, weil nicht in allen Gemeinden an allen Tagen Schacharit ist. In Dortmund werden Aufrufe, wie in zahlreichen anderen Gemeinden, zuvor mit kleinen Holztäfelchen verteilt. Auch Schimon erhielt eine (was ein positiver Bonus für dies Gemeinde ist, dass man nämlich Gäste durch eine Alijah ehrt). Der Rabbiner nahm sie ihm wenig später aber wieder ab, nahm ihm also die Alijah weg! Er kam zu ihm, gab ihm freundlich die Hand und frug nach seinem jüdischen Namen. Als er ihn nannte, frug er, ob Schimon zum Judentum übergetreten sei und dann nach dem Beth-Din. Abschließend zog er die Alijah ein und sagte, dass es dann Schwierigkeiten mit dem Aufruf zur Torah für die Gemeinde geben würde.
Interessanter Auftritt bisher – man kann das Verhalten durchaus als nicht angemessen betrachten und nicht viele lassen soetwas gerne auf sich sitzen, so konnte Schimon es sich nicht verkneifen, den Rebben nach dem G-ttesdienst zu fragen, wie denn die Personen, die in Dortmund bei Rabbiner Brandt ins Judentum eingetreten sind, damit umgehen, dass sie nach dem Rabbinerwechsel nicht mehr als vollwertige Juden/Jüdinnen angesehen werden – zumindest durch den Rabbiner. Seine -weiterhin vollkommen freundliche Antwort: Von denen ist keiner mehr da. So kann man das Prinzip der Einheitsgemeinde natürlich auch ausgestalten. Die Leute einfach öffentlich beschämen und dann stellen sie kein Problem mehr dar, weil sie einfach weg sind.

Autor: Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontakt-Seite kann man Chajm eine Nachricht senden.

143 Kommentare

  1. @Yoni

    Ja, Größe ist nicht alles. Wenn Du Dich in Israel umgesehen hast, dann wirst Du festgestellt haben, daß der Großteil der Shtiblech und Synagogen orthodox ist, und in der Regel von bescheidenerem bis ganz bescheidenen Ausmaßen. Nicht selten finden sich Minyanim in Garagen und Baracken. Sicher, das (orthodoxe) Hechal Shlomo in Jerusalem ist beeindruckend, noch beeindruckender ist aber der neue riesige Campus der HUC an der King George Street oder die Reformsynagoge von Kehilat Kol HaNeshama in Baka.
    Grundsätzlich war das orthodoxe Judentum (bis zur Haskalah war das Judentum “orthodoxes”, sich im Rahmen der traditionellen Halacha bewegendes Judentum) meistens in der Defensive – zunächst in der nichtjüdischen, zumeist antisemitischen Umwelt, dann in der Konfrontation mit der Haskalah und dann durch durch die Vernichtung seiner geistigen Zentren und eines Großteils seiner Menschen in der Shoah.
    In der Nachkriegszeit war durch die verheerenden Verluste der Shoah die Orthodoxie sowohl geistig als auch von der puren Anzahl seiner Menschen so geschwächt, daß die Staatsgründer beispielsweise meinten, es besonders “schützen” zu müssen. Das “Monopol in wichtigen Angelegenheiten” war daher keine “Fehlentwicklung” (also auch keine Entwicklung), sondern bewußte Entscheidung, um die zentralen Inhalte und Werte dieser am Boden liegenden Orthodoxie bzw. des toratreuen Judentums zu schützen. Damals hätte sich niemand vorstellen können, daß die Orthodoxie sich wieder so – nicht zuletzt durch die Baalei-Tshuva-Bewegung der 70er und 80er Jahre – zu Kräften entwickeln würde, wie sie es dann tat. Nach dem Krieg begannen ja die meisten Yeshivot durch die einsame Arbeit einzelner Überlebender oder Überlebendengruppen, Yeshivot, die heute riesig sind, und mit einer Handvoll Menschen begannen. Oder einzelne chassidische Grüpplein, die heute ein Vielfaches an Mitgliedern zählen. Das hat mehrere Generationen gedauert, das darf man nicht vergessen.
    Ich denke, es ist eine reduzierte Sicht auf die Dinge den Konflikt zwischen Orthodoxie und Reform auf die politischen Entscheidungen des Staates Israel zurückzuführen.

  2. Zu bedenken gilt auch, daß selbst in haskalischen Häusern in Litauen und anderswo *im* Haus die Menschen sich allermeistens immer noch streng an die halachischen Vorgaben hielten – auch wenn sie ansonsten nicht mehr das fromme Leben ihrer Eltern führten. Diese Haltung ist sicher auch noch 1948 zu finden und mag zu der Entscheidung beigetragen haben, halachische Entscheidungen in die Hände der Orthodoxie zu geben.

  3. @ matronit

    “…daß der Großteil der Shtiblech und Synagogen orthodox ist, und in der Regel von bescheidenerem bis ganz bescheidenen Ausmaßen…noch beeindruckender ist aber der neue riesige Campus der HUC an der King George Street oder die Reformsynagoge von Kehilat Kol HaNeshama in Baka.”

    Du vergisst was ganz wichtiges zu erwähnen, die orthodoxen Synagogen und die orthodoxen Rabbiner werden in Israel größten Teils von dem Staat finanziert, da der israelische Staat permanent pleite ist, kann er auch auf Staatskosten keine Prunkbauten errichten und die armen, unterdrückten und benachteiligten Orthodoxen müssen sich mit einer kleinen Synagoge zufrieden geben. Die Reformer bauen alles aus eigenem und mit SPenden gesammelten Geld, auch der “riesige” Campus des HUC (du meinst wohl eher Beit Schmuel) wurde mit privaten Geldern errichtet und nicht auf Staatskosten. Aber jeder sieht die Wahrheit etwas anders…

  4. Zum Zeitpunkt der Staatsgründung gab es in IL keine andere religiöse Strömung als die Orthodoxie. Und Ben Gurion (sekulär) ging übrigens davon aus, dass diese innerhalb einer Generation verschwindet.
    Und mit dieser Einschätzung war er nicht allein.

    Orthodoxes Wachstum kommt nicht nur durch Baalei Teschuwah, sondern vor allem durch hohe Geburtenraten.
    Die orthodoxe Gemeinschaft wächst mit etwa 4% pro Jahr, das entspricht einer Verdopplung alle 18 Jahre. In der westlichen Welt liegt die Geburtenrate bekanntlich unterhalb der Ersetzung.

    Es kommt nicht darauf an, wie prachtvoll eine Synagoge ist, sondern wieviel jüdisches Leben sich darin abspielt. In meiner Nachbarschaft gibt es zwei bis drei Dutzend Gebetsräume; nur wenige in Gebäuden, die als Synagogen konstruiert wurden, die meisten in umfunktionierten Wohnhäusern. Baulich viel bescheidener als Deutschland, aber mit viel mehr jüdischem Leben. Alles ohne finanzielle Unterstützung vom Staat.

    Gut Woch

    YM

  5. Die Diskussion ist zwar schon älter – deswegen aber nicht weniger aktuell.
    Adi schrieb Ende 2007 “in wie weit sich in deutschland die situation durch die batei din der rabbinerkonferenzen ändert, müssen wir abwarten, aber chajm wird sicher ein offenes ohr in diese richtung haben.”
    Es hat sich offenbar bisher nichts geändert. Rabbiner der ORD erkennen Gijurim der ARK nicht an. Auch wenn das Beit Din der ARK (in dem Falle zusammengesetzt aus den Herren Rabinern Wolff, Brandt und Sievers) explizit sagt “Sie treten dem Judentum als solchem bei und nicht einer bestimmten Denomination.”, interessiert das ORD-Rabinner noch lange nicht. Soviel zum Thema Einheitsgemeinde unter dem Dache des Zentralrats.
    Bleibt man also in seiner Schublade. Daß sämtliche Schubladen in ein und derselben großen Kommode Judentum stecken, ist vielleicht noch nicht überall angekommen, aber vielleicht tut es das irgendwann doch noch.
    Schade finde ich das für Leute, die aus geographischen Gründen auf die Einheitsgemeinde angewiesen sind. Da sollte nämlich die Einheitsgemeinde die Gesamtkommode für alle Schubladen sein… – ich befürchte jedoch, das wird noch ein Weilchen ein frommer Wunsch bleiben…

  6. @Chaja:
    Wenn Du wissen möchtest, warum orthodoxe Rabbiner grundsätzlich nicht in der Lage sind, die “Entscheidungen” eines nichtorthodoxen “Beis Din” anzuerkennen, guckst Du hier:
    http://www.beingjewish.com/conversion/non-orthodox.html

    YM

  7. @Yankel Moishe: das ist mir bekannt, danke ;-)
    Ich sehe auch nicht direkt das Problem in der Nichtanerkennung der einen durch die anderen; sondern mehr in der in D vorhandenen Struktur der Einheitsgemeinden. Ich bin nicht orthodox und will auch ganz sicherlich keiner orthodoxen Gemeinde beitreten. Und ich bin in der glücklichen Situation, einer liberalen Gemeinde anzugehören. Wie ich oben schrieb: das Problem haben Leute, die aus geographischen Gründen auf die Einheitsgemeinde angewiesen sind. Ist die örtliche Einheitsgemeinde orthodox geführt (auch wenn es ab und an einen liberalen Minyan gibt), ist ihnen oft genug die Tür verschlossen – sie können nichtmal für den liberalen Minyan in der Einheitsgemeinde Gemeindemitglied werden, weil der orthodoxe Rabbiner “den Daumen drauf” hat.
    Das meinte ich mit dem Kommodenvergleich. Ich fühle mich in meiner Schublade wohl und gut ist, ich will in keine andere Schublade umziehen. Idealerweise wäre eine Einheitsgemeinde “der Kommodenrahmen” für die diversen Schubladen, die gleichberechtigt nebeneinanderher existieren könnten. Man teilt sich bis zu einem gewissen Maße die Infrastruktur, kennt und achtet die Differenzen, und geht dort getrennte Wege, wo es notwendig ist.
    Das funktioniert in D bisher meines Wissens in Berlin und in FFM; in den meisten anderen Orten ist die Einheitsgemeinde aber entweder orthodox oder liberal dominiert, und damit von “einer Schublade” beherrscht, was die anderen nicht glücklich werden bzw. gar nicht erst herein läßt. DAS finde ich bedauerlich.

  8. @Chaja Vielleicht schrieb ich das schon weiter oben (ist ja schon eine Weile her). Die Idee der Einheitsgemeinde ist an sich ja nicht die schlechteste. Man bündelt alle Juden eines geographischen Raumes und bietet eine zentrale Anlaufstelle. Politisch gesehen ist das OK. Wenn es um Fragen des Ritus etc. geht, funktioniert dieses Modell nicht, sobald diese Fragen durch eine Fraktion geregelt werden.

  9. @Chaim: genau da liegt ja der Hase im Pfeffer. Die Kommode funktioniert nicht, wenn eine Schublade meint, den obersten Kommodenhüter geben zu müssen. Die Kommode nicht denominational (heißt das auf Deutsch so?) und jede Schublade mit ihrem Ritus, ihren Anforderungen etc. gleichberechtigt neben den anderen Schubladen – das wäre mein Wunsch(traum).
    Ich habe den Eindruck, Du und ich meinen im Grunde das gleiche.

  10. Da die ORD und dir ARK allerdings unter dem Dach der Deutschen Rabbinerkonferenz zusammengefasst sind, gibt es durchaus Absprachen untereinander.
    Rabbiner Wolff erzählte mir beispielsweise, dass er sehr gute Beziehungen zu Rabbiner Ehrenberg pflegt und dass er früher viel mit Teitelbaum verhandelt und besprochen hat. Gute und freundschaftliche Beziehungen werden also auf jeden Fall gepflegt.

  11. @Ron Yitzchak: Absprachen vielleicht, aber Einigkeit nicht. Rabbiner Engelmayer z.B. erkennt die Entscheidungen seiner Kollegen Wolff, Brandt und Sievers nicht an (wozu ihn ja auch niemand zwingen kann) und verweigert Gerim mit einer Teudah der ARK die Gemeindemitgliedschaft in der orthodox geführten Einheitsgemeinde, da kann das Dach “Deutsche Rabbinerkonferenz” heißen, wie es will. (Womit wir wieder beim Kommodenproblem wären)

  12. Wenn sich die Gemeinde in der Satzung als Einheitsgemeinde definiert, kann man sich zur Not “einklagen”. Die Mitgliedschaft darf er nicht verweigern, aber es steht ihm natürlich frei, betroffene Personen zum Minjan zu zählen oder eben nicht.

    Ich persönlich kann die ORD gar nicht für voll nehmen.
    Die stehen viel zu sehr unter der israelischen Fittiche.

  13. @Chaja:
    Offenbar habe ich den “BeingJewish” link bereits vor 2 Jahren in diesem Thread benutzt, siehe Nr. 90.
    Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet wohl zum Berg: Im Sinne von Pirke Awot 4:18

    ??? ?????? ????, ??? ???? ????? ????, ??? ???? ???? ???? ?????–?????? ??????? ????, “??? ?????, ?? ?????” (???? ?,?

    würde ich davon ausgehen, dass diejenigen, denen es wirklich wichtig ist, zu einer Gemeinde umziehen, die nach in ihrem Sinne ist. Damit würde die Einheitsgemeinde obsolet.

    @RY:
    Ist es nicht umgekehrt? Um wenigstens etwas Flankenschutz und internationale Anerkennung für ihre Entscheidungen zu bekommen, sucht die ORD die Kooperation mit dem israelischen Oberrabbinat?

    Man sollte bedenken, dass in der Regel nicht-orthodoxe die Entscheidungen von Orthodoxen anerkennen können, umgekehrt jedoch nicht. Obendrein sind erhebliche Teile der Orthodoxie von der “Austritts”-Philosophie von RSRH beeinflusst, was es ihnen unmöglich macht, in nichtorthodoxem Judentum einfach eine weitere legitime “Strömung” zu sehen.

    Um das ganze mal im historischen Kontext zu sehen. Es gab schon früher Gruppen (Zaddukim, Karaim), die andere Auffassungen vom halachischen Prozess hatten. Es hat ein paar Generationen gedauert, aber letztlich sind sie auf dem Abstellgleis der Geschichte gelandet. Und ich sehe nicht, warum es diesmal anders sein sollte.

    YM

  14. Ich meinte nur, dass die ORD ziemlich unselbstständig wirkt, blind Vorgaben aus Israel befolgt und insgesamt, zumindest auf mich, einen mafiösen Eindruck macht(ich sage nur: Ehrenberg und der Hescher).
    Das soll aber bitte in keinem Zusammenhang zu meiner Beziehung zur Orthodoxie stehen, denn die habe ich in meinem Blog schon einmal beleuchtet und sie kam dabei besser weg als das Reformjudentum ;)
    Ich habe lediglich gelernt, nicht nur in schwarz-weiß Schubladen zu denken. Einfach aus dem Umstand heraus, dass ich bemüht bin, möglichst observant, oder nenne es mal orthodox, zu leben und dennoch größten Respekt für meinen Reformrabbiner(William Wolff) habe und in ihm fast schon eine Vaterfigur sehe. Wegen seiner persönlichen Art und wegen seines Engagements für die Gemeinde.

  15. Könnte man Namen mit Mafiaanspielungen nicht weg lassen? Ich finde das etwas grenzwertig.

  16. Ich denke, dass eigentlich klar sein sollte, in welchem Kontext das Wort “mafiös” steht. Eigentlich wollte ich nur sagen, dass mir die ORD medial(!) immer etwas gruselig erscheint.
    Um mal frei zu zitieren: “Wir achten das Grundgesetz…solange es nicht der Halacha widerspricht.”
    Zumindest ist mir(mit Ausnahme von Rav Zinvirt) bisher kein ORD-Rabbiner durch ein besonders herzliches Auftreten aufgefallen. Chabad und Lauder sind da schon einladender.

  17. Noch eine kleine Anmerkung zu dem Zitat:
    Ich finde diese Stellungnahme so unmöglich, da sie vollkommen undifferenziert und alles andere als intellektuell wirkt.

  18. Ich denke, dass ist sehr subjektiv. Ehrenberg erlebe ich ebenfalls immer als herzlich. Und bei Chabad bekomme ich immer das Gefühl, dort sind nur Familien willkommen und deswegen gehe ich dort nicht mehr hin.

  19. Das mag stimmen. Jeder hat einen anderen Eindruck(zumal ich Ehrenberg noch nie persönlich begegnet bin).
    Aber wir wissen ja…zwei Juden…. ;)

  20. Wir achten das Grundgesetzsolange es nicht der Halacha widerspricht.

    das sollten vielleicht die Kommunen, Landes und Bundesbehörden gut merken,damit sie beim nächsten Geldreinpumpen es eben an die geben, die das Grundgesetzt achten und schätzen ganz egal wie es mit der halacha steht. und all denjenigen denen es nicht passt sei ein guter ratschlag gegeben, one way ticket nach israel löst alle probleme, dort werden sie mit offenen armen aufgenommen und bringen stimmen für ein halacha staat.

  21. @ yael

    warum denn keine namen nennen, wenn es der wahrheit entspricht, hat die gemeinschaft das recht zu erfahren, was die so frumen rabojnim für unfug treiben und was für strukturen sie aufgebaut haben.

    als auf dem juko 2009 den orthodoxen vertreterndie frage gestellt wurde warum sie so israelhörig sind und warum sie keine deutsche neeman kommision bilden wollen war die antwort – schweigen!!!

  22. @Yankel

    Um das ganze mal im historischen Kontext zu sehen. Es gab schon früher Gruppen (Zaddukim, Karaim), die andere Auffassungen vom halachischen Prozess hatten. Es hat ein paar Generationen gedauert, aber letztlich sind sie auf dem Abstellgleis der Geschichte gelandet. Und ich sehe nicht, warum es diesmal anders sein sollte.

    Na, da gehst Du aber hart mit der Orthodoxie ins Gericht ;-)

  23. @RY:
    Wir achten das Grundgesetzsolange es nicht der Halacha widerspricht.
    Jetzt mal Butter bei die Fische: Wer achtet wo welchen Artikel des GG nicht?

    @Konstantin:
    Ich bin verwirrt. Gibt es denn jemanden, der die Neeman Komission in EY für einen Erfolg in irgendeinem Sinne hält?

    @Chajm:
    So so. ;-)
    Möchtest Du mir also erzählen, dass eine Gruppe, die sich selbst als “Reform” idie andere Seite als “altgläubig” bezeichnet, gleichzeitig in Anspruch nimmt, der legitime Nachfolger des verachteten alten Glaubens zu sein? Selbst Mendelssohn oder Geiger sahen das eher nicht so…

  24. @Yankel Altgläubig? Woher stammt denn dieser Begriff? Den finde ich interessant. Du meinst, weil sich einige das Label modernes Judentum anheften, wird damit suggeriert, alle anderen wären alt? Mir ist kein Zeitpunkt bekannt, an dem alle Juden die gleichen Dinge praktiziert oder angenommen hätten, deshalb sehe ich die Aufteilung in verschiedene Strömungen nicht so sehr tragisch. Es heute doch so, dass nahezu alle Strömungen in Bewegung sind. Die amerikanische Reform bewegt sich auf die Tradition zurück, einige Masortigemeinden in Richtung Moderne Orthodoxie, die Charidim werden immer strikter etc. etc.

  25. Ich glaube schwerlich, daß man konfessionelle Kontroversen durch derartige Diskussionen aus der Welt schaffen kann. Die Statustfragen sind augenscheinlich die Droge, nach der eine orthodoxe Position nachgerade süchtig ist, denn süchtig sein muß, um sich dem Wahn erhöhter (oer gar ausschließlicher) Authentizität hingeben zu können. Daher die fehlende Bereitschaft für eine Generallösung (also einen Kompromiß).

  26. Mit Vielfalt an sich habe ich keine Probleme, siehe auch hier.

    In der Tat, allgemeinen gesellschaftlichen Trends folgend, bewegt sich auch das Judentum über verschiedene Gruppen hinweg gegenwärtig nach “rechts”. Bin schon gespannt, wie und wann das Pendel zurückschwingt…

  27. “Altgläubig” habe ich bisher nur von Nachama gehört und finde den Begriff auch vollkommen deplatziert.

    “Jetzt mal Butter bei die Fische: Wer achtet wo welchen Artikel des GG nicht?”

    Praktisch ist man bisher tatsächlich noch nicht auf Probleme gestoßen, aber gerade deswegen frage ich mich, was einen zu solch einem Statement treibt, welches im Kern ja vollkommen stimmig ist(siehe Beschneidung in Skandinavien), in der geäußerten Form aber ein bisschen an Scharia-Mentalität erinnert – eben undifferenziert und nicht sonderlich intellektuell.

  28. Die ganze Diskussion hier ist ja komplett von der eigentlichen Frage abgedrifftet (vielleicht machen das die Jahre!?).
    Wir sind jetzt schon bei “Scharia-Mentalitaet” angekommen!…der naechste Schritt wird nun sein was ein moslemischer Geistlicher zu diesem Thema denken wird, oder was?
    Freunde, es gibt (leider) keinen Ausweg aus dieser ganzen Debatte “wer erkennt wen an und wer haelt was, warum fuer richtig” (oder ich sehe nur das Licht am Ende des Tunnels nicht)!
    Liberale belaecheln die strikte Haltung der Orthodoxie und umgekehrt akzeptiert die Orthodoxie oft nicht wie man es sich wagen kann ueber die eine oder andere “Vorschrift” nachzudenken oder eine (noch so befremdliche) Haltungen einiger Rabbiner anzweifeln kann. – Das lese ich zumindest aus dieser Diskussion!
    Sorry dass ich Euch in der so weit fortgeschrittenen Diskussion jetzt nochmal um Jahre zurueckwerfen muss. Aber sollten wir uns nicht Gedanken machen was unser Freund Shimon gefuehlt haben muss als er von dem Rabbiner, trotz freundlich laechelnd, das Schild weggenommen bekam, sich wahrscheinlich wiedermal (wenn ueberhaut) als Ger und nicht als Jude fuehlen musste.
    Sollte er nicht mit offenen Armen empfangen werden und nicht mehr das Gefuehl haben nicht Jude zu sein…in welcher Stroemung auch immer? Ist das nicht das Problem?
    Immer wieder das gleiche…sind Juden die einen Giur gemacht haben nun Juden oder nicht, duerfen sie in Israel einwandern oder nicht (siehe aktuelle Diskussion in Israel)?…traurig…kann man Jude nicht Jude sein lassen woher sein Ursprung auch immer ist…ist es nicht wichtig zu sehen dass diese Person alles getan hat um dabei zu sein, den Pakt vom Sinai mitangenommen hat und sein Leben gibt damit das Judentum weiter ueber die Jahrhunderte kommt??
    Ich selbst mache gerade meinen Giur in einer liberal / konservativen Gemeinde in Brasilien, koennte man als Art Einheitsgemeinde bezeichnen. Im G-ttesdienst gibt es 3 Moeglichkeiten sich zu setzen, die Familie zusammen sowie Frauen und Maenner getrennt (wenn man es so will), der Sprachanteil mehr hebraeisch aber mit Uebersetzung im Sidur, Bewahrung der Traditionen aber mit Blick auf das jetzt und, vor Allem, wird gelehrt auch offen gegenueber anderen Auslegungsmustern des Judentums zu sein. Unser Rabbiner hat einmal gesagt dass Nichts das Recht uebervorteilen kann…auch nicht die Theologie..und das Recht kommt von G-tt!

  29. Du hast die ganze Problematik nicht verstanden.

  30. @ Ron Yitzchak
    Du bezeichnest die Aussage von Yael zuvor als nicht besonders intellektuell, ich verstehe die Problematik nicht…kann es sein das sich hier jemand als Paechter der Wahrheit sieht und andere Meinungen so gar nicht akzeptieren kann?
    Du sagtest einmal dass Du die Orthodoxie beleuchtet haettest und sie besser weggekommen waere als die Reformisten..wer oder was gibt Dir das Recht eine solche Bewertung vorzunehmen?

  31. @Alon Meiner Meinung nach, hat Charly schon einen ganz passablen Deutungsansatz geschrieben und damit die Probelmatik erfasst. Es kann helfen, den eigenen Standpunkt zu untermauern, wenn man alle anderen abqualifiziert und sie für ungültig erklärt. Daran werden auch Diskussionen nichts ändern; sondern nur ein selbstsicherer Haltung der anderen Strömungen bei unsachlichen Vorwürfen.

  32. @Chajm
    …Du hast alles gesagt!

  33. @Alon:
    Lies bitte gewissenhaft. Ich habe nicht Yaels Beitrag als wenig intellektuell bezeichnet, sondern eine Stellungnahme eines Rabbiners der ORD zum Thema Halacha.
    Er sagte, um frei zu zitieren: “Wir achten das Grundgesetz – solange es nicht der Halacha widerspricht.”
    Wenn wir uns die Kontroverse um die Brit Milah in den skandinavischen Ländern anschauen, ist eine solche Stellungnahme berechtigt, bezogen auf die gegenwärtige Situation in Deutschland jedoch vollkommen überflüssig und einfach zu absolut, also nicht differenziert genug.

    Und ich habe sehr wohl das Recht, Orthodoxie und Reform nach meinen persönlichen Maßstäben zu bewerten und mir ein Urteil darüber zu erlauben, was meinen Vorstellungen eher entspricht. So erhält die Orthodoxie bei mir in wesentlichen Glaubensgrundsätzen den Vorzug, muss aber auch viel Kritik in wesentlichen Praktiken einstecken. Hättest du meinen Beitrag in meinem Blog gelesen, hättest du das auch verstanden und dein Kommentar hätte sich damit erübrigt.
    Und hättest du die Diskussion auch tatsächlich gewissenhaft verfolgt, wäre dir aufgefallen, dass ich Schubladendenken ablehne. Ich betonte daher meine Zuneigung zur Orthodoxie, aber auch meine Bewunderung für meinen liberalen Landesrabbiner.
    Ich warf dir vor, das Thema nicht verstanden zu haben, weil du nur Dinge erläutert hast, die schon längst geklärt sind. Die Diskussion dreht sich nicht mehr darum, ob etwas anerkannt wird oder nicht, denn daran werden wir nichts ändern können, sondern mit welcher Berechtigung etwas abgelehnt wird.
    Und somit kamen wir auf die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Rabbinerkonferenzen zu sprechen.

  34. Das passt zum Thema. Vielleicht liest Yosef ja hier mit ;-)

    ?????: ??? ???? ?????? ?? ??? ?????? ???? ????? ??????????

    http://www.haaretz.co.il/hasite/spages/1155059.html

  35. @Charlie:
    Du meinst, es gehe bei der Kontroverse um “Authentizität”? Im Sinne einer Verbindungmit der jüdischen Vergangenheit? Das vielleicht auch. Aber mir scheint, die entscheidende Frage ist die nach einer Verbindung mit jüdischer Zukunft. Und ich bezweifle auf Basis der Erfahrungen der jüngeren Geschichte sehr, das Dünnbrettbohrertum, egal unter welcher Flagge, geeignet ist, jüdische Zukunft zu sichern.

  36. @Yankel Moishe

    Ich glaube, ganz was anderes ausgesprochen zu haben. Der Orthodoxie (welch ein genuin jüdischer Begriff!), also der Orthodoxie geht es vielmehr um die Droge der erhöhten Authentizität, der Authentizität der Erhabenheit (statt Halacha betreibt sie halachisch verbrämte Konfessionspolitik, die Tarnung braucht nicht einmal effektiv zu sein, die Droge der Erhabenheit, des Bewußtseins um die eigene Vornehmlichkeit tut schon den Rest von selbst). Das ist in der Tat “Dünnbrettbohrertum”, oder was, wenn ich mich des gleichen rhetorischen Mittels, namlich der Mißdeutung der Worte von Menschen, die anderer Meinung sind als ich, mit derselben Geschicklichkeit bedienen darf, wie Du. (Das nennte ich dann mit Erlaub und heuristisch rhetorische Tolpätscherei.)

    Wie gesagt, es gibt Diskussionen, die le Schem Schamajim geführt werden. Dies hier gehört nicht dazu. Wir fahren uns gegenseitig fest und obendrein versanden auch die jeweils vertretenen Ansichten.

  37. “Er sagte, um frei zu zitieren: Wir achten das Grundgesetz solange es nicht der Halacha widerspricht.

    @ron

    fragt sich halt, wie er sich das denkt. Als Bürger ist man an das GG gebunden, ob es jemanden gefällt oder nicht. Ich frage mich, wie er sich das konkret denkt. Irgendwas muss er sich gedacht haben.

  38. Ich nehme an, dass er dabei auch an Probleme wie die Brit Milah und das Schächten dachte, doch das hätte er doch deutlicher formulieren solllen. Solche Zusätze, die nur in Nebensätzen angedeutet werden, zitiert man nämlich in aller Regel nicht und so steht dann eine äußerst fragwürdige Stellungnahme im Raum.

  39. Und bezogen auf die jüdischen Probleme in Deutschland finde ich dieses Statement sowieso vollkommen überflüssig.

  40. @ Ron Yitzchak
    “Ich habe nicht Yaels Beitrag als wenig intellektuell bezeichnet, sondern eine Stellungnahme eines Rabbiners der ORD zum Thema Halacha”
    Ich kann nicht eine falsche Aussage von mir einfach so stehen lassen und gebe Dir Recht mit Deinem statement das Du Dich nicht auf Yael bezogen hast. Ein sorry muss auch mal sein!

  41. @Alon
    Wir sind jetzt schon bei Scharia-Mentalitaet angekommen!der naechste Schritt wird nun sein was ein moslemischer Geistlicher zu diesem Thema denken wird, oder was?

    Nun so abwegig ist die Verbindung zur Scharia doch gar nicht. Ähnliche Debatten gibt es auch im islamischen Kontext. So verschieden sind die Konzepte zwischen Islam und Judentum auch wieder nicht, wenn es um Gesetze und Regeln geht. Zwangsläufig entstehen ähnliche Debatten. Oft sind Halacha und Scharia fast identisch, wenn ich das mal so pointiert schreiben darf.

  42. Bleiben wir doch alle was wir sind.Ich liebe an euch das ihr wirklich alles ausdiskutiert.
    Bei uns Protestanten läuft alles gegen die Katholiken.Mir gefällt das ihr eure Orthodoxen so achtet.Denn so gehört es sich.
    in jeder Religion.Münze umdrehen un umdrehen.Aber die Münze enthält immer beide Seiten.
    Wieso mann als Christ konvertieren möchte nachdem mann in der Kirche als religionsmündiger Mensch seinen Glauben bekannt hat verstehe ich nicht.
    Da würde ich als Rabbi erst mal den zuständigen Priester oder Pfarrer bitten sich um sein verlorenes Schaf zu kümmern.

  43. schmunzel Deutschland jüdische Gemeinden usw. Bestenfalls sind es Ansammlungen von Menschen die teilweise das wahre Judentum und teilweise abenteuerliche Auslegungen vertreten. “Wahre” Juden schauen sich sowas bestenfalls an, schmunzeln bestenfalls und bleiben solchen Ansammlungen fern. In Israel würden solche Ansammlungen kaum Fuß fassen was weiter den Fakt beweist das diese Ansammlungen eher in Deutschland oder anderen Ländern anzufinden sind weil man da ja Glauben nach allen Regeln der “Freiheit” vergewaltigen kann und selbst die absurdeste Sache als Glaube und Judentum auslegen kann. Aber wie die “Zahlen der Mitglieder” beweisen, immer weniger menschen falschen auf die “falschen Propheten und ihre Gemeinden” herein.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.


5 + = 11