Jan 26 2007
Schalter ist kein Schalter
So kurz vor Schabbat macht ein Artikel in der aktuellen Jüdischen Allgemeinen meinen Schabbat viel leichter. In einem Artikel über die letzten Arbeiten vor Einweihung der Gelsenkirchener Synagoge, heißt es nämlich, der Aufzug/Lift im Gemeindehaus sei am Schabbat benutzbar, weil er nicht durch Schalter, sondern über Lichtschranken gesteuert werde… dann werde ich mal langsam beginnen, meine Tastatur mit Lichtschranken zu versehen, dann kann ich den Rechner auch am Schabbes benutzen… Prima!
5 Kommentare






Das spricht Bände, über die Person, die diese Entscheidung getroffen hat….und diejenige, die den Artikel geschrieben hat…weil es natürlich grottenfalsch ist.
Ich denke, der Autor hat nur das aufgeschrieben, was ihm erzählt worden ist. Jedenfalls ist es nicht gerade schön, wenn man behauptet, etwas sei am Schabbat benutzbar, wenn es das nicht ist, nur weil man nicht genau weiß, was man sich darunter vorzustellen hat. Meine Vermutung ist, man hat irgendwo mal gehört, man dürfe kein Feuer anzünden und keinen Funken machen und ging nun davon aus, ein Schalter würde das machen, eine Lichtschranke sei aber „weniger mechanisch”. Ein Schabbesaufzug müsste regelmässig herauf und wieder herunter fahren ohne Lichtschranken etc….
Wahrscheinlich hat der Autor nur das aufgeschrieben, was ihm gesagt wurde. Aber: wer für die Jüdische Allgemeine schreibt, müsste mehr Wissen um Halacha haben!! Das Niveau von “irgendwo mal gehört” ist ja für die Jüdische Allgemeine nicht schmeichelhaft – wenigstens nicht in meinen Augen.
Soweit ich heute weiß, stammt die Arbeit von einem freien Journalisten aus der Stadt. Er schrieb früher für eine Regionalzeitung und durfte nun zwei Artikel über Gelsenkirchen schreiben. Es versteht sich von selbst, dass er keine profunden Kenntnisse in jüdischer Religion mitbringen kann und deshalb das Erzählte auch nicht irgendwie hinterfragen kann. Was an sich ja schade ist und sicherlich ein Lächeln in das Gesicht (observanter) jüdischer Leser zaubert, wenn sie diese seltsame Behauptung lesen…
Es ist schon erstaunlich, welche seltsamen Blüten die Religiosität in Gelsenkirchen manchmal treibt – ich glaube sogar, dass nicht der Autor, sondern auch die Gemeinde der festen Auffassung ist, dass der Aufzug für Schabbes halachisch korrekt ist….was mich mal wieder in der Auffassung bestärkt, dass die allgemeine Unwissenheit die wirkliche Krankheit des heute real existierenden deutschen Judentums ist. Da dürfen wir ja mal gespannt sein, was sich die Gemeinde sonst noch einfallen läßt!