Chajms Sicht

Chajms Sicht über talmud.de hinaus

Rabbi werden mit Skype

| 17 Kommentare

So einfach ist die Welt – da soll jemand sagen, die liberalen und konservativen Juden würden es sich einfach machen.
Wie die JTA meldete, haben drei Studenten aus Deutschland ihre Internetausbildung beendet und wurden nun in Jeruschalajim mit einer Smichah ausgestattet, mit der sie nun zurückkehrten nach Deutschland. Die Smichah scheint durch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz anerkannt zu sein, sind doch mindestens zwei ihrer Vertreter auch auf dem Bild zu sehen:

Germany has three new rabbis thanks to a virtual yeshiva.
Benzion Dov Kaplan, Donnell Reed and Yitzhak Mendel Wagner received their ordination Jan. 2 from the Jerusalem-based Shulchan Aruch Learning Program of Pirchei Shoshanim. The Orthodox smicha ceremony, which also included several other candidates, took place at the Western Wall in Jerusalem.
But since Kaplan, Reed and Wagner couldn’t leave Germany to study in Israel, the program enabled them to complete their training via Skype, the Internet telephone service, and other Internet sites, Reed said. von hier

Ist das nicht ein beliebtes KO-Argument gegen die Smichah anderer Rabbiner, wenn diese ihre durch ein „Fernstudium” erhalten haben?
Wenn man Jonah Metzger glauben darf, ist es das nicht mehr:

Though it may seem somewhat unorthodox to learn over the Internet, Reed said several noted rabbis have endorsed the idea. Israel’s Ashkenazi chief rabbi, Yona Metzger, once told him that since Jews are urged to learn “while you sit in your home and while you walk on the way,” they ought to take advantage of modern technology to do so, Reed said. auch von hier

Autor: Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der „Jüdischen Zeitung” und in der „Jüdischen Allgemeinen”. Über die Kontakt-Seite kann man Chajm eine Nachricht senden.

17 Kommentare

  1. Schaut so aus in diesem Fall. Aber auch die Jewish Renewal Leute haben solche Programme. Ich halte nicht viel davon. Ich denke schon, daß man über das Internet sich Inhalte erarbeiten kann, aber Rabbiner sein heißt auch, mit Menschen umgehen zu können. Und für alle Berufe, die mit dem Umgang von Menschen zu tun haben, finde ich eine virtuelle Ausbildung nicht angemessen. Ich kann das nicht wirklich ernst nehmen.

  2. Einspruch:

    es gilt zu unterscheiden, was in Deutschland im Allgemeinen unter Smicha verstanden wird, und was tatsächlich eine Smicha ist.

    In Deutschland wird unter Rabbiner immer “Gemeinderabbiner” mit allen seelsorgerischen Aufgaben verstanden.

    Aber eigentlich ist Rabbiner und Gemeinderabbiner nicht kongruent.

    Jeder, der ein gewisses Pensum gelernt hat, bekommt in der Orthodoxie eine Smicha über dieses Thema (Bassar we’Chalav, Taharat HaMishpacha, Gerut u.a.). Diese Smicha berechtigt zum Unterricht über dieses Thema. In Israel allein finden sich hunderttausende von Ravs.
    Viele Leute, die einen säkularen Beruf erwerben, haben eine Smicha, die sie berechtigt, sich auch “Rav” zu nennen. Das allein bedeutet aber nicht, dass sie alle Aufgaben übernehmen wollen oder können – es kommt ganz darauf an, welche Themen sie gelernt haben.
    Einer der Kandidaten, Benzion Kaplan, arbeitet laut Bericht in Düsseldorf als rabbinischer Assistent. Er ist also noch kein (Gemeinde-)Rabbiner,sondern übernimmt Teilaufgaben, wie es ein normaler Religionslehrer (ob mit oder ohne Ausbildung ;-) ).

    Ein anderer Kandidat, Donnell Reed, hat offensichtlich auch nicht vor, eine Gemeinde als Rabbiner zu leiten. Er hat etwas gelernt, darin einen Abschluß bekommen und er und seine Mitlernenden “plan to continue their Internet studies together, and are hoping to find Russian-speaking men in Germany to join them”.

    Das Programm Shoreshim ist bekannt, es ist ein Programm auf hohem Niveau. Die Kandidaten fliegen wären ihres Lernens mehrmals nach Israel, um Prüfungen über Teilabschnitte abzulegen. Über das Internet zu lernen, heißt generell nicht, daß man ganz alleine, also ohne Ansprechpartner, lernt, sondern man lernt mit seinem chevruse, seinem Studienpartner das Thema, an dem man gerade dran ist. Ich denke, das ist durchaus legitim, und wird in der Zukunft häufig der Fall sein – ebenso an säkularen Unis etc.
    Wichtig ist, dass die Studenten ein Feedback durch einen Rabbiner vor Ort haben, und das ist ja bei allen drei Kandidaten der Fall:

    Wie schon erwähnt, arbeitet Kaplan in einer Gemeinde als Assistent, d.h. er lernt vor Ort im Kontakt mit einem Rabbiner.
    Donnell Reed lernt mit einem Rabbiner von Chabad.
    Yitzchak Wagner arbeitet seit Jahren in der Gemeinde und wird das Erwachsenenbildungsprogramm leiten. Das bedeutet: auch er hat lebendigen Kontakt mit Menschen, und sicher auch einen spirituellen Mentor aus Fleisch und Blut. Er lebt in der gleichen Stadt wie Kaplan, und unter dem gleichen Rabbinat.

    Wir können hier also nicht von einer “virtuellen Ausbildung” sprechen. Die Theorie wird virtuell erworben, aber auf dem Hintergrund von Gemeindearbeit und Backing durch einen “real existierenden” Rabbiner.

  3. PS Pirchei Shoshanim, Kostja, ist kein Chabad-Programm
    (sorry, ich schrieb oben “Shoreshim”, es muß natürlich Shoshanim heißen):
    http://www.shemayisrael.com/smicha/#rabbinical

  4. PPS
    Die drei Kandidaten haben nicht ihre Internetausbildung “beendet”, wie Chajm schreibt. Sie haben vermutlich einen Abschnitt (ich denke Isser we’Heter) abgeschlossen, und darauf eine Smicha bekommen. Ansonsten gäbe es keinen Grund “weiterzulernen” (s.h. auf die nächste Smicha zuzuarbeiten), wie Reed sagt (abgesehen davon, daß wir immer lernen sollen).
    Ich vermute, die Journalistin hat hier etwas falsch verstanden.

  5. Für mich bezog sich das auf andere Studenten, bzw. neue, die diesen Weg auch gehen sollen…

  6. Nein, das glaube ich nicht. Ich kenne jemanden, der das Programm auch absolviert hat. Die machen dort eine Smicha nach der anderen. Für jedes Thema gibt es eine Smicha.

  7. @ matronit

    zumindest einer von den 3 Kandidaten ist bei Chabad!

  8. @Kostja

    Ja, aber selbst wenn? Was gibt es daran auszusetzen? Jeder soll dahin gehen, wo es ihm gefällt, finde ich.

  9. Kennt hier einer Torah-On-The-Phone? Man wird von einem Rabbiner angerufen und lernt mit ihm Torah am Telefon. Ich finde das ist eine tolle Idee.

    Vergleichbares gibt es auch für den Talmud: http://www.solutix.de/content/view/481/1/

    Allerdings ist das hier nur in Russisch und bei Torah darf man sich die Sprache aussuchen.

  10. Nein, das kenne ich nicht. Aber wo es keine andere Möglichkeit zum lernen gibt, ist eine solche Möglichkeit eben DIE Möglichkeit… Ansonsten ist natürlich das Lernen mit “real existierenden Menschen” ;-) vorzuziehen.

  11. Ich denke das die meisten garnicht wissen was es bedeutet zuhause für eine Smicha zu studieren. Das ist harte und zeitintensive Arbeit und nicht “mal eben über Skype” ein paar Gespräche führen.

    Für die meisten scheitert es schon daran das sie nichtmal einen RAbbiner finden der ihnen ein torahtreues Leben (100% Kashrut, 100% Shomer Shabbat, 100% Tarahat Mishpacha) bescheinigt. Dieser Rabbiner darf auch kein Reformrabbiner sein!
    Kann sich ja jeder selber ausrechnen wie weit er da kommt.

    Man studiert auch i.d. R. nicht um dann einen Rabbinerposten zu erhalten sondern um des Lernens willen. Einige belegen entweder gleich zwei Studiengänge oder machen im Anschluss an eine Smicha direkt noch eine.

    “Ist das nicht ein beliebtes KO-Argument gegen die Smichah anderer Rabbiner, wenn diese ihre durch ein „Fernstudium” erhalten haben?”

    Nein, weil das Programm 100% anerkannt ist.

  12. @rabbi_x: soll ich das Programm meinem Sonn empfelen?

  13. > Kennt hier einer Torah-On-The-Phone?

    Wird geleitet von einem guten Bekannten
    (und Nachbarn) von mir.
    Ich bin teil davon.
    Die Leute, von denen man angerufen wird,
    sind nicht unbedingt Rabbiner. Ich bin keiner.
    Gibts für alle Niveaus, angefangen von Aleph-Beth
    bis fortgeschrittenes Gemarah- und Halachah-Lernen.
    Sehr empfehlenswert, sehr erfolgreich.
    Über hundert solche Chevrusos gibt es.

    YM

  14. Man muss doch auchmal festhalten das Leute wie Chaim niemals in so ein Programm aufgenommen würden.

    Welcher Rabbiner bescheinigt ihm denn das er Shomer Shabbat, Shomer Mishpachat Taharah und Shomer Kashrut ist?

    Selbst ein “Reformrabbiner” würde das nicht tun. Soll er mal zu Herrn Brandt gehen und sich da mal was bestätigen lassen.
    Freies Zitat aus einer Rede von ihm am Shabbat: “Als ich heute mit dem Auto zur Gemeinde gefahren bin … ”

    Klar, dann kommt unterschellig Neid auf weil diese Leute eben so leben wie ein Jude eben leben müsste. Die Reaktion ist dann Neid und Ablehnung. Allein der Begriff Skype-Rabbiner ist abwertend.

    Aber gut, sowas belächelt man bestenfalls, andernsfall ignoriert man es.

  15. Man sollte auch mal festhalten, dass diese Leute wie Herr Chajm das vielleicht gar nicht wollen.

    Aber gut, sowas belächelt man bestenfalls, andernsfall ignoriert man es.
    Ignorieren? Das hat ja gut funktioniert. Der Kommentar sieht mir nicht danach aus als habe der Kommentator das milde belächelt und ignoriert.

  16. @ Lone:
    Also ich persönlich bin ja ein absoluter Fan von Blogkommentaren,
    die mit “Man muss doch auch mal festhalten…”, “Es muß hier ja mal gesagt werden …” oder “Man darf aber auch nicht vergessen…” beginnen.
    Diese Einleitungen sind das Web-Äquivalent zur Clownsfanfare im Circus.
    Immer wenn ich diese Einleitungen lese, spannt sich mein Zwerchfell in freudiger Erwartung,dass jetzt einer ein Fettnäpfchen in den Blog schiebt, größer als er selbst, und dann einen doppelten Salto rückwärts mitten rein macht. Und meistens geht diese Erwartung voll in Erfüllung.

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