Feiertage & so

Im Monat Kislew liegt das Fest, dessen Name schon Mysterium ist: Chanukkah! Oder Channukkah? Oder Chanukah? Oder Channuka? Das scheint eines der Chanukkah-Geheimnisse zu sein, denn Transliterationen findet man vielfältige im Internet und in der Literatur (es gibt doch auch wissenschaftliche Regeln zur Transliteration?) – ich könnte natürlich auch schreiben: Lichterfest – das hören Nichtjuden so gerne, weil es so viele Parallelen zu Weihnachten zulässt (obwohl die nicht zutreffen) – OK Ok, ein wenig ist die moderne Chanukkah-Observanz doch von Weihnachten inspiriert und das vor allem in der Diaspora. Dabei transportiert das Fest selber eine gegenläufige Botschaft (die heute nicht mehr so gerne gehört wird); es beschreibt ja nicht nur einen Kampf gegen eine fremde Macht, sondern vor allem auch einen Bürgerkrieg derjenigen die sich nicht assimilieren wollten, gegen das assimilierte (hellenistisch assimiliert) Bürgertum und vielleicht sogar Land (Makkabäer) gegen Stadt (das hellenistische Bürgertum). Das ist vielleicht ein Kampf (ein sehr starkes Wort), den das Judentum in jeder Generation zu schlagen hat. Carolin geht in ihrem sehr ausführlichem Text auf talmud.de darauf ein:

Man kann die Einwände aber zerstreuen, wenn man darüber nachdenkt, was wir an Channuka feiern. Obwohl nur noch eine winzige Menge reinen Öls für den Tempelleuchter aufzufinden war, kam trotz der intensiven Assimilation an die griechische Kultur, die das jüdische Volk vorher hatte durchlaufen müssen, offenbar niemand auf die Idee, unreines Öl hierfür zu verwenden, und sei es nur für einen Übergang. Wir feiern nicht so sehr, dass der Leuchter acht Tage lang brannte, sondern dass die, die ihn wieder entzündeten, lieber bescheidenere, aber den Geboten entsprechende Mittel verwendeten als den äußerlichen Effekt mit unreinem Öl herbeizuschummeln. Sie räumten dem Gesetz Vorrang vor der Ästhetik ein. Und hatten damit die Hellenisierung der Israeliten beendet.

Das ist nicht nur eine Auseinandersetzung mit der jüdischen Umwelt, sondern leider manchmal auch Gemeindeintern. Dazu scheint auch eine Eigenwerbung in der aktuellen (Dezember-) Ausgabe der Jüdischen Zeitung zu passen:

Machen Sie Ihren Freunden eine Freude, schenken Sie ihnen ein Abo der Jüdischen Zeitung zu Weihnachten!

Erfolgreich sind dagegen die Kerzenzünd-Aktionen von Chabad in vielen Städten (es ist gut, dass soetwas gemacht wird, aber warum lässt man sie ein Monopol daraus machen?), auch in Deutschland. Im vergangenen Jahr berichtete ich ja hier aus Düsseldorf. Das Chabad damit Erfolg hat, liegt natürlich auch an der charmanten Präsentation:

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Zum Spannungsfeld Juden und Weihnachten habe ich da noch einen musikalischen Beitrag von (der unglaublichen) Sarah Silverman:

[youtube]KYn6l__tZNU[/youtube]

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon. Sein Buch »Tzipporim: Judentum und Social Media« behandelt den jüdischen Umgang mit den sozialen Medien. || Um per Mail über neue Beiträge informiert zu werden, bitte hier klicken

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die besten Satiren schreibt das Leben: “Machen Sie Ihren Freunden eine Freude, schenken Sie ihnen ein Abo der Jüdischen Zeitung zu Weihnachten!”

    Ich war ausgesprochen verwundert, als ich vor einige Tagen an der alten Lübecker Synagoge in der St. Annen-Straße vorbeikam – und diese unverkennbar im “adventlichen” Stil geschmückt war. (Selbstgebastelte beleuchtete Sternchen in den Fenstern usw..)

    Mir ist – als Nichtjude und Nichtchrist – irgendwie rätselhaft, wo es den überhaupt Parallelen zwischen Weihnachten und Chanukkah gibt – außer der ungefähren Lage im Jahr und der Tatsache, das Lichter angezündet werden.

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  2. Da die jüdische Zeitung hauptsächlich Artikel von Nichtjuden über jüdische Themen enthält und damit deren Perspektive eine sehr starke ist, finde ich den Appell für ein Abo als Weihnachtsgeschenk durchaus verständlich. Sie heißt ja auch “Zeitung über zeitgenössisches Judentum”. Vielleicht ändert sich das mit dem neuen Beirat.

    Und wie das mit Chanukka und Weihnachten so läuft – und der konstruierten Verwandtschaft der beiden Feste – dafür ist der Chanukka-Markt des jüdischen Museums in Berlin ein hervorragendes Beispiel.

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  3. Pingback: www.plastikstuhl.de » Weihnachten + Chanukka = Weihnukka

  4. Pingback: Chajms Sicht » Chag Chanukkah Sameach!

  5. Ultra-orthodoxer Senf zu Infra-orthodoxen Fragestellungen:

    (1) Dass das Öl „rein” (im Sinne von „nicht mit Tod und Co. in Berührung gekommen”) sein muss, ist keine halachische Norm. Ich muss zugeben, dass ich die Quellen nicht erschöpfend studiert habe, aber in Menachot bzw. Mischne Tora (Gesetze über die täglichen und zusätzlichen Opfer; genauere Quelle auf Nachfrage, weil ich wieder faul bin) wird nur besprochen, dass das Öl „rein” im Sinne von besonders klar und sauber sein muss. Es ist noch ein weiterer Haken dabei: Ob Flüssigkeiten (nach dem Tora-Gesetz) überhaupt Unreinheit aufnehmen können, ist ein bereits talmudischer Disput, der bis heute nicht entschieden ist (und der auch in der Praxis recht irrelevant sein dürfte, wie ich vermute).

    (2) Manche betrachten das öffentliche Zünden als problematisch. Dass niemand das Gebot dadurch erfüllt (das talmudische Motto, Quelle: zweiter Perek Schabbat, für Chanuka lautet: „Chanuka — jedermanns Haus eine Kerze”, d. h., man zündet dort, wo jemand wohnungsähnliche Aktivitäten vollführt), ist gar nicht das Problem: Es ist völlig in Ordnung, in einer Synagoge oder in sonstigem öffentlichen Rahmen mit Beracha zu zünden, obwohl niemand das Gebot dadurch erfüllt, noch nicht einmal derjenige, der zündet. Vielmehr müssen die übrigen Rahmenbedingungen erfüllt sein. Etwa wenn die Kerze zu hoch (oder eventuell auch zu nah am Boden) aufgestellt ist, darf man die Beracha nicht sagen. Bei denjenigen Chabad-Zündungen, denen ich beiwohnte, war dies nicht gegeben, und geschickterweise hätte man wenigstens von den Berachot abgesehen und darauf hingewiesen, dass dies nicht in Ordnung war. Bei dieser er Bemerkung handelt es sich auch nicht um infra-ultra-chumristisch-ajatolistische Mindermeinungen, sondern Regelungen, die konsequent von der Gemara bis hin zum (Kitzur und vollständigen) Schulchan Aruch aufgenommen wurden und somit als herrschende Meinung anzusehen sind. Chabad wird sich höchstwahrscheinlich darauf berufen, dass es eine Art Lehrform ist, bei der sie vorführen, wie man zu zünden und die Berachot zu sagen (und Sufganiot zu essen etc.) hat. Ich persönlich will mich auf so etwas nicht verlassen, kann aber die Argumentation nicht von der Hand weisen.

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