Aug 28 2006
Schalom Du Träumer!
Wiedereinmal wäre mir ohne die Judaismus-Gruppe ein rhetorisches Meisterwerk entgangen. In erster Linie nämlich, weil ich nicht zu den Stammsehern der Sendung „Das Wort zum Sonntag” gehöre. Dort sprach am vergangenen Samsta ein gewisser Dr. Burkhard Müller zum Thema „Israel”. Der Wortlaut ist hier nachlesbar
Scham empfinde ich und Zorn über Israels gewalttätiges Wüten. Wäre ich Palästinenser: ich denke, dass ich zur Hamas gehörte.
Wäre ich allerdings Israeli, würde ich bestimmt diese Militäreinsätze befürworten. Denn seit Jahrtausenden wurden die Juden verfolgt.
Wir Deutschen trieben sie in den Holocaust. Die mit knapper Not Entronnenen hofften in Israel eine Heimstatt zu finden: Sie wollten nichts, als endlich in Frieden leben.
Und dann schreien Hamas und Hisbolla: Wir treiben euch Juden ins Meer!
Wieder geht es um Sein und Nichtsein. In solcher Lebensgefahr schlägt man hart zu. Denn diesmal wollen sie sich wehren. Gut gerüstet sind sie ja. Und solange Israel mitten inmitten hassender Feinde lebt, muss es hochgerüstet sein. Doch Jahrzehnte dieser Politik haben Israel nicht mehr Frieden, sondern nur mehr Feindschaft gebracht.
Wie schön, dass noch jemand Propaganda mit Vertauschung des Ursache-Wirkung-Prinzips beherrscht! Er sagt: Die Israelis sind bewaffnet und haben deshalb viele Feinde. Hätte der Staat Israel nicht massiv aufgerüstet, lieber Herr Müller, dann gäbes ihn heute schon nicht mehr! Wieviele Kriege wurden schon gegen Israel geführt?
Wie eine Antwort auf den gesamten Text von Müller liest sich dagegen mein Hinweis auf György Konrád in der Neuen Zürcher Zeitung…
Nach einem pseudotheologischen Diskurs über die Menorah, unterlässt es Müller nicht, auch die deutschen Juden in die Pflicht zu nehmen (wohl damit die Zuschauer nicht vergessen, wem sie am nächsten Tag ihre Meinung über den Krieg sagen können):
Warum gibt es kein jüdisches Hilfswerk, etwa mit dem schönen Namen: “Segen Abrahams”, das anfängt, im Land der Araber Gutes zu tun?
Es könnte auch von deutschen Juden gegründet werden. Viele von uns Christen würden helfen! Denn auch wir Christen fühlen uns Abraham verbunden!
Was bedeutet das? Die Juden sollen es sich erkaufen, nicht mehr gehasst zu werden?? So ähnlich wie ein Schutzbrief?
6 Kommentare






Chajm,
Du hast es wieder einmal “auf den Punkt” gebracht.
Die Anmerkung Schutzbrief ist sehr gelungen. Wo doch Juden so reich sind……
Das ist tatsächlich alles andere als eine rhetorische Meisterleistung.
Hätte der gute Herr Dr. Müller doch einfach gesagt: Des Friedens wegen versorge man die Armen aus den Völkern mitsamt den Armen Israels, und man besuche die Kranken derer aus den Völkern mitsamt den Kranken Israels, und man begrabe die Toten derer aus den Völkern mitsamt den Toten Israels.
(Babylonischer Talmud, Gittin 61a)
Doch das wäre für ein “Wort zum Sonntag”, Israel und die Völker betreffend, vermutlich etwas zu kurz gewesen.
Hätte Dr. Burkhard Müller anstatt: “Wäre ich Palästinenser: ich denke, dass ich zur Hamas gehörte” auch so mir nichts dir nicht folgendes gesagt: “Wäre heute 1933: ich denke, dass ich zur NSDAP gehört hätte?” Vermutlich nicht, obwohl diese beiden Aussagen durchaus vergleichbar sind! Im “Wort zum Sonntag” könnte ich mir allenfalls folgende Formulierung vorstellen: “Wäre heute 1933: ich kann nicht ausschließen, dass ich damals, aus Verblendung, Hass oder Opportunismus, der Verbrecherorganisation NSDAP beigetreten wäre.” Auch noch problematisch, weil tendenziell das Unentschuldbare “entschuldigend”, aber immerhin sich selbst gegenüber ehrlich.
Aber man “bewältig” hierzulande lieber die Vergangenheit, als heutiges Unheil auch nur beim Namen zu nennen.
Es scheint, der gute Mann weiß nicht, wie viel karitative Hilfe Israel (Volk Israel, Staat Israel) leistet, auch in arabischen Ländern. Ich mag gar nicht erst anfangen, aufzuzählen. Aber es ist ja immer so: wenn man auch nichts weiß, eine Meinung hat man doch gern. Besonders über Israel. Ne.
Ich fürchte, er will es nicht wissen. Denn ein Geheimnis ist Israels humanitäres Engagement (das ausdrücklich von “Brot für die Welt” als vorbildlich erwähnt wurde) nun wirklich nicht.
[...] Erst vor wenigen Tagen schrieb ich unter „Schalom Du Träumer” über den Wort am Sonntag Sprecher Dr. Burkhard Müller, der seine fragwürdigen Thesen zum israelisch-libanesischen Krieg zum Besten gab. Offenbar ist er aber ein medialer Allrounder. Tausendsassa passt möglicherweise besser, denn wie man nachlesen kann, wurde „Sa Sa“ wurde als Hetzruf für Hunde verwendet (hier: Tausendsassa). Und ein Rufer ist auch Brukhard Müller. Jetzt ruft er morgens durchs Radio in die Meute der Israelkritiker: Wiederholt sie sich heute im blutigen Streit zwischen den semitischen Brudervölkern, den Juden und Arabern? Die Juden sollen ins Meer getrieben werden. Der Staat Israel soll ausradiert werden von der Landkarte. Arabische Selbstmordattentäter sprengen ganze Busse in die Luft, Raketen werden aus dem Land der Araber auf das israelische Kernland abgeschossen. Ist Kain, der Brudermörder, in den Arabern wieder zu erkennen? Aber wenn ich ihr Land ansehe, meine ich: Das sieht nicht nach Kain aus, sondern so sieht Abels Land aus. Zerstörte Flughäfen, Brücken, Straßen, Häuser, obdachlose Flüchtlinge, traumatisierte Kinder, hungernde Familien. Wie ein ohnmächtiger Abel, der längst am Boden liegt und vom stärkeren Kain wie zum Krüppel geschlagen wird. Hier nachlesen für ganz hartgesottene auch zum hören [...]