Chajms Sicht

Eine jüdische Sicht auf die Dinge

27. März 2015 – 7 Nisan 5775
von Chajm
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»Keine Synagoge muss leer sein. Wo Leute die Initiative ergreifen, sich nicht bremsen lassen, dranbleiben, auch wenn es schwierig wird, da bewegen sie auch etwas. Und das spornt dann wieder andere an«, so Jonathan Marcus. Das sei der Schlüssel für ein lebendiges Gemeindeleben: aktiv sein von unten und nicht institutionalisiert von oben.

Jonathan Marcus zur Belebung der Synagoge Fraenkelufer in der Jüdischen Allgemeinen(hier)

25. März 2015 – 5 Nisan 5775
von Chajm
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Ein unsichtbarer Rabbiner

ZEIT vom 18.03.2015

ZEIT vom 18.03.2015


Die Zeit vom 18.03.2015 brachte endlich einmal einen Beitrag aus einer kleinen Gemeinde. Das ist eine Abwechslung, denn Judentum passiert ja nicht nur in Berlin oder München.
Eine Dame aus Gelsenkirchen und ein Mädchen aus der gleichen Stadt sprechen, mutig und mit Foto, über ihre jüdische Identität und wie man damit im Alltag umgeht. Das Mädchen macht einen recht toughen Eindruck, sagt wo es in der Schule Probleme geben könnte und in welchem Ausmaß man zuhause jüdisch lebt. Beeindruckend. Die Dame die ebenfalls porträtiert wird, macht sich Sorgen um ihr Kind und denkt laut über dessen Zukunft nach. Beide Artikel sind eine gute Momentaufnahme aus einer kleinen Gemeinde. Das sind sehr persönliche Äußerungen und auch Entscheidungen. Schließlich muss jede und jeder für sich selbst entscheiden, wie er oder sie sein jüdisches Leben ausgestaltet.

Die beiden Artikel werden begleitet von einer Textbox mit der Überschrift »Mail des Rabbiners« (welcher Gemeinde wird nicht mitgeteilt), eher in einem persönlichen Ton gehalten, in dem eine Person um Verständnis darum bittet, nicht in der ZEIT erscheinen zu müssen. Er publiziere weniger als früher und trete nicht in der Öffentlichkeit auf. Seine Tochter hätte schon die Schule gewechselt und die Familie sei nicht besonders erpicht darauf, dass jemand über ihre Identität Bescheid weiß. Mit anderen Worten: Der Rabbiner würde lieber unsichtbar bleiben.
Das ist zu einem Teil eine private Entscheidung, zum anderen Teil eine öffentliche, denn in Deutschland sind Rabbiner ja weit mehr als nur halachische Ratgeber. Sie sind Aufbauhelfer und im gewissen Sinne auch Rollenvorbilder für die Gemeindemitglieder. Es ist heute Teil ihres Berufs, auch ein wenig öffentlicher Repräsentant zu sein. Wenn schon der Rabbiner nicht mehr als Jude in die Öffentlichkeit gehen möchte, dann ist das ein schlechtes Signal an die Gemeinde – vielleicht sogar ein sehr fatales. In der Öffentlichkeit wäre er unsichtbar und könnte für seine Gemeinde nicht Stimme erheben. Er müsste ein unsichtbares Leben führen, ein unauffälliges, vielleicht assimiliertes Leben, zumindest aber in Unfreiheit.
Damit ist viel gesagt über den aktuellen Zustand.

23. März 2015 – 3 Nisan 5775
von Chajm
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Haggadah online

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Eine kleines Projekt, in dem schon ein paar Stunden Aufwand stecken: Eine Haggadah online. Diese gibt es nun eine vollständig (hoffentlich) online und in deutscher Sprache. Was eigentlich ein Novum sein sollte; wenn man über eine Haggadah mit hebräischem Text und einigen Illustrationen spricht.
Der eigentliche Beginn der Seite lag in ein paar Basisinformationen zur Haggadah und der Präsentation der Bilder aus einer Haggadah, die im 15. Jahrhundert entstanden ist. Aber dann kamen aber immer mehr Textabschnitte hinzu und schließlich machte es keinen Sinn mehr, den einen Text mit einer Übertragung vorzustellen, aber einen anderen nicht. Das Ergebnis ist also hier zu betrachten.
Schließlich wurde der Text auch unter eine Creative Commons Lizenz (Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz) gestellt. Vielleicht verwenden ja deutschsprachige Nutzer den Text als Startpunkt für eine eigene Haggadah und teilen diese ebenfalls (was sie tun müssten, laut Lizenz). Mal schauen, ob das jemand tut.

18. März 2015 – 27 Adar 5775
von Chajm
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Die Wahlen und ihr Ausgang

Wahlplakat der Zionistischen Vereinigung »Wir oder er« - von Ranbar (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Wahlplakat der Zionistischen Vereinigung »Das sind Wir oder Er« – von Ranbar (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Mit dem Ausgang der Wahlen ändert sich scheinbar wenig, weil es so ausschaut, als bleibe Netanjahu an der Macht. Das ist die oberflächliche Betrachtung des Wahlausgangs. Tatsächlich hat die Zionistische Vereinigug (HaMachane HaZioni) durch ihr gemeinsames Auftreten kein schlechtes Ergebnis erzielt, auch wenn es nicht für eine Regierungsbeteiligung reichen dürfte. Dies zeigt recht gut, dass die Bevölkerung sehr verschiedene Interessensschwerpunkte hat. Einigen ist Sicherheit wichtig, anderen soziale Gerechtigkeit und die Aussicht, von eigener Arbeit auch (gut) leben zu können. Für die Juden der Diaspora dürften beide Themen nicht so sehr uninteressant sein – natürlich nur dann, wenn man sich über eine Auswanderung Gedanken macht.
Es hat der Mann gewonnen, der in den Augen der Öffentlichkeit hier in Europa, nicht gerade Wunschkandidat war – um das mal euphemistisch zu umschreiben. Fast schon egal, wer statt Netanjahu die Wahl gewinnt. Es dürfte seiner Popularität nicht gerade genutzt haben, in den letzten Stunden noch vor den arabischen Wählern zu warnen – was weder weise, noch akzeptabel war. Er hat sich schon zuvor mit Richter Salim Joubran angelegt, der aus einer arabischen Familie stammt und die Wahlen beaufsichtigt.
Das gute Abschneiden der arabischen Sammelpartei ist interessant und in gewisser Weise bedeutsam. Es zeigt nämlich zwei Dinge: Zum einen, dass Israel genau kein Apartheidstaat ist, in dem nichtjüdische Israelis keinerlei Rechte hätten und zum anderen, dass viele arabische Wähler sich irgendwie doch nicht in den anderen Parteien aufgehoben fühlen – wenngleich HaMachane HaZioni Zouheir Bahloul aufgestellt hat und Jisrael Beitejnu Hamad Amar (einen Drusen). Bei einer großen Koalition wäre übrigens der Spitzenkandidat der Vereinigten Arabischen Liste, Ayman Odeh, offizieller Oppositionsführer geworden.

Das israelische Fernsehen tweetete ein Bild von Ja’akow Herzog und Tzipi Livni vom Frühstück am Strand am Morgen nach der Wahl:


Da war schon klar, dass die Regierungsbeteiligung vermutlich vom Tisch ist. Aber auch für Netanjahu wird es kein Spaziergang. Er muss nun die potentiellen Koalitionspartner unter einen Hut bringen und eine Perspektive für eine Zusammenarbeit formulieren. Bei den vielen kleinen Interessen keine leichte Aufgabe.
Eine Präsidentschaft Netanjahus bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Friedensprozess endgültig begraben wurde, hoffentlich jedenfalls. Entgegen der Aussage, es werde mit ihm keine zwei Staaten geben, muss Netanjahu eine sichere Alternative vorstellen oder von seiner Aussage abrücken und es irgendwie in einen »Ja-Ja-das-war-vor-der-Wahl« Kontext bringen. Auf der anderen Seite war diese Lösung zunächst nur mehr eine schöne illusorische Idee, die aber immer unerreichbarer wurde. Nicht nur aus israelisch-innenpolitischer Sicht.

Langfristig wird große Rhetorik hier keine Lösung bringen und seine Position nicht absichern. Die sozialen Probleme wird seine Regierung angehen müssen. Tatsächlich ist vieles nicht so zementiert, wie es momentan ausschauen könnte.

Abschließend muss man erwähnen, dass ein anderer Wahlausgang bezüglich des Irans keine Änderung gebracht hätte. Es ist Konsens, dass eine iranische Regierung mit Atomwaffen für den Staat Israel eine Bedrohung darstellt.

Noch etwas zur »Rezeption« der Wahlen in den deutschsprachigen Blogs und Facebook-Accounts:
Genausoviel, wie die Europäer wollten, dass Benjamin Netanjahu unter allen Umständen nicht gewählt wird, wollten einige populistische Blogger, dass Benjamin Netanjahu unbedingt wieder gewählt wird.
Warum?
Nicht aus der Erkenntnis heraus, dass Netanjahu dieses oder jenes bewegt hätte, oder weil man vergessen hätte, wie lange er vor einer Antwort auf den Raketenbeschuss aus Gaza im Sommer 2014 gezögert hat. Nein.
Offenbar nur, damit man nun sagen kann: »Bäh, bäh, Bäh – Israel kann selber bestimmen, wer gewählt wird.«
Das wird aber dem Wahlergebnis nicht gerecht und der Komplexität der Situation auch nicht.

7. März 2015 – 16 Adar 5775
von Chajm
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Judas

Buchcover Amos Oz: Judas

Buchcover Amos Oz: Judas

Es ist Winter in Jerusalem.
Ein nasser, kalter, unfreundlicher Winter zwischen den Jahren 1959-1960.
Jerusalem ist von drei Seiten umschlossen von Feindesland.
Hin und wieder fallen Schüsse.
Schmuel Asch, ein bärtiger, sozialistischer, zionistischer, asthmatischer und etwas nachlässiger Student wird direkt zu Beginn des Buches seiner Umgebung entrissen. Einige Sätze reichen, um dem jungen Mann auf ein leeres Spielbrett zu stellen.
Seine Freundin heiratet einen anderen, seine Eltern verlieren ihr Geschäft und können so das Studium von Schmuel nicht mehr bezahlen. Seine Arbeit zum Thema »Jesus in der Perspektive der Juden« kann er nicht mehr fertigstellen.
Die Geschichte führt ihn aber dann in das »Haus Abrabanel« Bejt Abrabanel. Weiterlesen →

5. März 2015 – 14 Adar 5775
von Chajm
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Die Schöpfung des Menschen – in Kassel

Adam im Chumasch

Adam im Chumasch

Am 10. März (2015) wird in Kassel eine Veranstaltung stattfinden, in der ein jüdischer Autor und ein evangelischer Pfarrer über die Schöpfung des Menschen in der Torah zu sprechen:
Ist der Text heute überhaupt noch interessant?
Was sagt er unserer Generation?
Hat sich diese Geschichte nicht durch die Evolutionstheorie und geologisches Wissen nicht überholt?

Der Leser mag es ahnen, der eine Part wird vom Ba’al haBlog übernommen.
Offiziell kann man also vermelden:
Pfarrer Sven Pernak und Chajm Guski werfen einen Blick auf die zwei Berichte über die Schöpfung des Menschen. Damit sich das Ganze ein wenig so anhört, wie ein Witz (treffen sich ein evangelischer Pfarrer, ein Rabbi/Jude und ein Priester), wird das moderiert von Martin Nitsche – Katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel e.V. Hoffentlich wird es kurzweilig, aber sicher auch interessant.
Wer also in Kassel oder Umgebung lebt, fühle sich eingeladen:

Dienstag, 10. März
19:30 Uhr im
Haus der Kirche
Wilhelmshöher Allee 330, 34131 Kassel

(Organisator ist die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel e.V.)

21. Februar 2015 – 2 Adar 5775
von Chajm
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Die geschenkten Juden

Geschenk Schmulik meinte, es sei grundsätzlich ein Fehler, irgendeinen Artikel zu irgendeinem jüdischen Thema in einer deutschen Zeitung zu lesen. Das sei schlecht für den Gemütszustand. Aber manchmal locken ihn die Redaktionen mit Schlüsselwörtern wie »Geschenk«. Also musste er den Artikel lesen: »Jüdisches Leben ist ein Geschenk« stand über dem Artikel. Schmulik wollte natürlich wissen, wer das als Geschenk empfand.
Er lernte, dass der Sprecher der Bundesregierung gesagt hatte, dass die Tatsache, dass Juden in Deutschland lebten, »ein Geschenk« seien.
Ein Geschenk? Naja, passt irgendwie, dachte Schmulik. Und das, obwohl Geschenke und Überraschungen nicht so sehr sein Fall waren. Letzte Woche erst hatte Anastasia ihn angerufen, als er gerade die Wohnungstür hinter sich geschlossen hatte. Anastasia betont man übrigens auf der letzten Silbe, nicht auf der ersten. Jedenfalls hatte sie zu Schmulik gesagt »Wenn ich gleich zu dir komme, dann habe ich ein ganz besonderes Geschenk für dich«.
Was das bedeuten solte, war ihm klar, also duschte er sich schnell und warf nur einen Bademantel über. Weiterlesen →

16. Februar 2015 – 27 Shevat 5775
von Chajm
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Mehr Juden nach Wien!

Der Stadttempel von Wien. Foto von Gryffindor (Eigenes Werk) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 oder CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

Der Stadttempel von Wien.
Foto von Gryffindor (Eigenes Werk) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 oder CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

Einwanderung in eine funktionierende jüdische Infrastruktur gefällig?
Wien scheint den allgemeinen Trend des Mitgliederschwunds aktiv abwenden zu wollen.
Offensichtlich gibt es ein Programm der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, mehr Gemeindemitglieder aus dem Ausland zu gewinnen. Jedenfalls kann man dies einem Interview mit Oskar Deutsch (dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde), Ronald Lauder mit dem österreichischen Heute entnehmen. Tatsächlich scheinen auch schon ein paar Juden aus Deutschland und Österreich gekommen zu sein:

“Heute”: Herr Deutsch, Sie wollten jüdische Einwanderung forcieren. Haben Sie die Pläne verworfen?
Deutsch: 2014 wanderten rund 100 Juden ein, die meisten aus Deutschland und Ungarn.
[…]
10.000 in zehn bis 15 Jahren sind nach wie vor ein Ziel. Unsere kleine Gemeinde (rund 8.000 Mitglieder, Anm,) braucht Zuzug um zu überleben. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass 1938 mehr als 200.000 Juden in Österreich gelebt haben.
von hier

Beim Wort genommen!
Ein Problem scheint zu sein, dass die Werbung für dieses Unternehmen eher im Verborgenen ablaufen muss, denn bisher konnte ich auf den Internetseiten der Gemeinde keinen Hinweis dazu finden. Wien wäre nicht die unattraktivste Stadt in Europa.

9. Februar 2015 – 20 Shevat 5775
von Chajm
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The Angriest Man in Brooklyn

Filmposter: The Angriest Man in Brooklyn

Filmposter: The Angriest Man in Brooklyn

Der letzte Film mit Robin Williams in der Hauptrolle! Da überdeckt die Emotion über den Verlust des Künstlers schnell den Blick auf den Film.
Dabei oszilliert dieser Film, der eigentlich ein Remake eines israelischen Spielfilms ist, zwischen »ganz gut« und »oj«. Erzählt wird eigentlich die Tragik eines jiddischen Witzes:
»Herr Doktor, sagen sie mir die Wahrheit. Wie steht es um mich? Haben Sie die Ergebnisse?«
Der Doktor nickt. »Ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht für sie. Zuerst die gute Nachricht: Sie haben noch 24 Stunden zu leben.«
»Was?! Und die schlechte Nachricht?«
»Der Bericht ist von gestern Abend.«

In unserem Film ist es Henry Altmann (Robin Williams also) der äußerst entnervt in einem Krankenhaus in Brooklyn eintrifft, wo ihn, statt seines Arztes, die junge Ärztin Sharon Gill (Mila Kunis) behandlen muss. Weiterlesen →

28. Januar 2015 – 8 Shevat 5775
von Chajm
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Frag den Rabbiner bei facebook

Es läuft ein interessantes Projekt bei facebook. In der Gruppe »Frag den Rabbiner« können alle Mitglieder (also theoretisch jeder Facebook-Nutzer) Fragen posten und dann darauf warten, dass ein Rabbiner, der Mitglied dieser Gruppe ist, diese Frage beantwortet. Dabei sind keine Leichtgewichte, sondern tatsächlich Rabbiner der Orthodoxen Rabbinerkonferenz, wie etwa Rabbiner Portnoy oder Rabbiner Folger.
Im Prinzip läuft es folgendermaßen ab: Der Fragende postet einen Text mit dem Wort »Frage« vorangestellt und wartet auf Antwort. Irgendwann findet sich ein Rabbiner, der etwas dazu zu sagen hat und antwortet mit – richtig – »Antwort« und einem kurzen Text.
Um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, findet man hier keine Abbildung einer solchen Konversation.
Die Macher der Gruppe sind engagiert und haben hier vielen Nutzern einen großen Dienst erwiesen und man kann ohne Untertreibung behaupten, dass es eine große Mitzwah war. Die steigenden Mitgliedszahlen der Facebook-Gruppe zeigen das große Interesse.

Der Draht zum Rabbiner ist kurz und tatsächlich wird recht schnell geantwortet. Eine Hürde, sei sie emotional oder technisch, an den Rabbiner heranzutreten, gibt es fast nicht und da kommen wir zu der Frage, ob ein solches Projekt in den sozialen Netzwerken funktionieren kann.
Die Antwort lautet: Vielleicht eingeschränkt.

Die Einschränkungen liegen im »Wesen« von Facebook:

  • Es gibt keine Suche. Woher soll ein Nutzer wissen, ob die Frage nicht eventuell schon vorhanden ist, ohne kilometerlang zu scrollen? Frustrierend ist, wenn ein Rabbiner schreibt. Diese Fragen haben wir doch schon vor drei Monaten beantwortet. Update: Tatsächlich gibt es in der Webversion von facebook in den Gruppen eine Suchfunktion. In den Apps jedoch nicht.
  • Andere Nutzer sind schneller. Andere Nutzer beantworten die Frage aus ihrer Sicht, diese muss allerdings keine fundierte sein, sondern vielmehr eine Meinung. Oft gut gemeint, aber nicht produktiv, wenn man auf eine Antwort wartet. Hier könnte nur durch permanente Moderation geholfen werden. Das wiederum könnte Nutzer frustrieren. Sie schreiben Antworten und diese werden dann gelöscht.
  • Andere Nutzer sind nicht immer freundlich. Zuweilen kann es passieren, dass Nutzer die Frage etwas herablassend beantworten und sie einfach finden. Wenn etwa eine Dame fragt, ob sie beim Sport Hosen tragen dürfte und ein Nutzer direkt antwortet »Für Männer ist das Pflicht«, dann ist das vielleicht ein Brüller, für die Fragende allerdings vielleicht nicht so nett.
  • Die Antworten sind auf den Punkt. Die Antworten sind verständlich und kurz. Allerdings fehlt manchmal ein wenig Quelle, so dass man das Thema bei Interesse vertiefen könnte. Dass die Rabbiner sich überhaupt damit beschäftigen, ist aber schon allein eine großartige Sache.
  • Diskussionen explodieren Manchmal hat man vielleicht eine Gegenfrage, aber andere schreiben ebenfalls Kommentare unter den eigentliche Beitrag. Facebook informiert einen fleißig weiterhin darüber. Man will das eigentlich nicht alles lesen müssen und will irgendwann nicht mehr über die Einzelheiten informiert werden.

Auswege?

  • Konsequente Moderation – wie schon gesagt/geschrieben, könnte das schnell den Spaß verderben
  • Dokumentation der bisherigen Beiträge in einer Art Tagwolke. Wer sollte sich eine derartige Arbeit machen?
  • Ein anderes Medium nutzen: Rabbiner Folger nutzt sein Blog (siehe hier sein Erst-Posting zu diesem Thema), um die Beiträge für die breite Öffentlichkeit zu bewahren und auffindbar zu machen. Vielleicht wäre ein Blog tatsächlich das bessere Medium. Man könnte Beiträge mit Tags versehen und so schauen, welche Themen schon behandelt worden sind, bzw. danach suchen.

Hoffen wir, dass das »Wesen von facebook« nicht den Erfolg dieses Projekts schmälert.

Update: Es gibt offenbar Bestrebungen, auch Blogtexte einer Exegese zu unterziehen. Die Nennung der Rabbiner bedeutet nicht, dass es nicht auch andere Schwergewichte gäbe. Präziser gesagt: Da sitzen keine unbeschäftigen Studenten, sondern Gemeinderabbiner vor den Bildschirmen.