Chajms Sicht

Eine jüdische Sicht auf die Dinge

22. April 2014 – 22 Nisan 5774
von Chajm
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Torah für Kinder

Cover von Erzähl es deinen Kindern

Da wurde eine Lücke geschlossen: Bruno Landthaler und Professorin Hanna Liss legen nach langer Arbeit eine Torah-Ausgabe für Kinder (zwischen 6 und 12) vor. »Endlich« muss man sagen. Jüdische Kinderliteratur ist ja, wegen des kleinen Markts, nicht sonderlich verbreitet.

Liss und Landthaler überarbeiteten die einzelnen Wochenabschnitte kindgerecht und fassten das Ergebnis nun als Buch zusammen. »Erzähl es deinen Kindern« ist der Titel der Reihe. Reihe deshalb, weil es am Ende fünf Bücher sein werden. Also eines zu jedem Buch der Torah.

Zu jedem Wochenabschnitt gibt es eine Einleitung, die sich vermutlich an Eltern oder Vorleser richtet. Dann ein Zitat aus dem hebräischen Originaltext und dann anschließend die entsprechende Erzählung. Mitunter kann es vorkommen, dass nicht jeder Text sich für kleinere Kinder eignet. Dieser Text wurde dann kursiv gesetzt und zeigt so, dass man ihn für kleinere Hörer überspringen kann.

An den Rändern haben die Autoren Hinweise untergebracht. Etwa Erklärungen zu einzelnen Begriffen, oder Hinweise dazu, dass der Abschnitt auch zu bestimmten Gelegenheiten in der Synagoge gelesen wird.
Zwölf Bilder des israelischen Illustrators Darius Gilmont sind jeweils auf Einzelseiten untergebracht.

Die (Vor-)Lesetexte dürften Kindern keine Schwierigkeiten bereiten und sie langsam an die Torah heranführen. Erzählt wird natürlich nicht immer der gesamte Wochenabschnitt, sondern Teile davon. Wie das für, sagen wir mal, vorschriftslastige, Wochenabschnitte gelingt, davon kann man sich schon jetzt ein Bild auf kleinetora.juedische-bibel.de machen.

Im Vorwort wird auf eine weitere kindgerechte Heranführung an das Thema Torah und Tanach Bezug genommen: 1964 hat Dr. Abrascha Stutschinsky seine Bibel für Kinder erzählt im Zürcher Javne Verlag veröffentlicht, später erschien sie auch bei Scriba Verlag Köln. Die Autoren der aktuellen Ausgabe verweisen auch auf das Alter. 50 Jahre sei der Text nun alt. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Texte nicht nach Wochenabschnitten geordnet sind. Dr. Stutschinsky hangelt sich an den Erzählungen des Tanach entlang und verwendet diese als einteilende Abschnitte. Etwa Die Erschaffung der Welt, Der siebente Tag, Der Turm und so weiter. Das sollte jedoch aber nicht heißen, dass die Ausgabe von Dr. Stutschinsky überholt sei. Sie ist noch immer aktuell und folgt auch inhaltlich einer anderen Herangehensweise. Dr. Stutschinsky hat bei seiner Nacherzählung der Geschichten aus der hebräischen Bibel immer wieder Elemente aus dem Midrasch verarbeitet und öffnet kleinen Lesern und Zuhörern ganz selbstverständlich eine Tür zum Textverständnis, welches in der Tradition verankert und ihr verpflichtet ist.

Werfen wir doch einen Blick in beide Texte und stellen sie einander gegenüber. Dies veranschaulicht schon die verschiedenen Hintergründe.
Der Beginn des Wochenabschnitts Bereschit:

Die Bibel für Kinder erzählt von Dr. Abrascha Stutschinsky:

Vor vielen vielen Jahren gab es noch keinen Himmel, keine Sonne, keinen Mond und keine Sterne, keine Erde, keine Menschen und keine Tiere. Es gab nichts. Nur G-tt wohnte ganz hoch oben mit seinen vielen Engeln. Dort oben war es schön und hell von funkelnden Diamanten und Edelsteinen, und es ging sehr fröhlich zu, denn die Engel sangen wunderschön. Aber unten war es dunkel, kalt und still. Alles war mit Wasser bedeckt.
Da sagte G-tt einmal zu seinen Engeln:
»Ich will es auch unten schön machen.«
Und plötzlich hörte man eine Stimme:
»Es werde Licht!«
Das war die Stimme G-ttes.

(Die Bibel für Kinder erzählt, Seite 13)

Erzähl es deinen Kindern von Hanna Liss und Bruno Landthaler:

Ganz zu Anfang, als G’tt Himmel und Erde erschuf, war die Erde ganz leer, und überall herrschte Dunkelheit. Nur der Geist G’ttes schwebte über dem Wasser.
Da sagte G’tt: »Es soll Licht sein.« Und dann war da ein Licht.

(Erzähl es deinen Kindern, Seite 17)

Die Autoren nutzen durchgängig die Schreibung G’tt (mit Apostroph). Um denjenigen entgegen zu kommen, denen das wichtig ist, so heißt es im Vorwort. Im erklärenden Text zu dieser Schreibung wird G-tt jedoch mit ›o‹ geschrieben. Der frühere Düsseldorfer Rabbiner Michael Goldberger (seligen Angedenkens) frug übrigens einmal, warum wir G-tt immer mit einem Apostroph schreiben, und nicht mit einem Ausrufezeichen? Also: G!tt.

Im hebräischen Text wird ebenfalls auf das Tetragrammatons verzichtet. In der Regel heißt es ה’. Auf dem Cover jedoch findet man das ausgeschriebene Tetragrammaton. Der G-ttesname ist, nach Moses Mendelssohn, mit »der Ewige« übertragen. Das ist, leider, die verbreitete Übertragung des Namens und deshalb auch hier zu finden. Zumindest bringt es den Vorleser dazu, zu versuchen, die Sache mit dem Namen G-ttes zu erklären. Redaktionell ist es schwierig, einem Text gerecht zu begegnen. Vor dem Hintergrund, dass zwei Juden drei Meinungen haben, muss man zunächst die Tatsache hervorheben, dass die Autoren Mut zu redaktionellen Entscheidungen hatten und nicht unsicher alle Entscheidungen auf die Leser abladen. Lediglich bei einer Entscheidung geht der Autor dieser Zeilen nicht ganz konform mit den Autoren (in aller Bescheidenheit). So bleibt die Arche Noach hier ein Schiff. Zwar erwähnen die Autoren im Text das hebräische Original (tewah), verschweigen aber, dass es sich dabei eher um einen Kasten handelte. Denn, was bedeutet Arche? Eine Frage, die mir während des Vorlesens des Textes gestellt wurde. Kasten, antwortete ich. Noachs Kasten ist aber auch nicht sonderlich charmant.

Das Layout des Textes ist robust (ebenso wie das Papier – bei Kinderbüchern ja auch ein Thema). Bei der Schrift scheint es sich um die Atma Serif zu handeln. Wie bereits erwähnt, ist zusätzlicher Text kursiv gedruckt. Das Vorwort ist jedoch in der gleichen Schrift dargestellt. Hier muss der Leser, der mehr als eine Paraschah am Stück vorlesen möchte, sich also inhaltlich erst einmal ein wenig orientieren und schauen, wo er wieder einsetzt.
An einigen Stellen setzt das hebräische Zitat am Seitenende an und wird dann in der deutschen Übertragung erst auf der nächsten Seite fortgeführt (siehe unten auf der rechten Seite auf dem Foto). Hier wurde eine inhaltliche Einheit voneinander getrennt.

Innenansicht

Der erste Band Bereschit hat 128 Seiten und kostet 24,80 Euro und das ist ein Punkt, den man kritisieren muss. Natürlich ist die Produktion eines Kinderbuchs nicht besonders günstig und der Zentralrat hat dankenswerterweise schon Geld zugeschossen, zumal die Auflage nicht sonderlich hoch sein dürfte. Allerdings bedeuten 24,80 Euro pro Band, dass man am Ende für die gesamte Torah 124 Euro bezahlt. Das ist ein recht hoher Preis und deutet vielleicht darauf hin, dass eher jüdische Einrichtungen und Gemeinden zur hauptsächlichen Zielgruppe gehören. Wer engagiert ist und das notwendige Geld in die Hand nehmen möchte, erhält eine Torah für Kinder, die sicher auch die Eltern animieren wird, sich Gedanken über den Text zu machen.

27. März 2014 – 25 Adar B 5774
von Chajm
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Wieder Neues aus Berlin

Am 27. Januar 2014 konnte über die neue Gemeinde Kahal Adass Jisroel berichtet werden. Diese ist unabhängig von der Einheitsgemeinde. Nur zwei Monate später gibt es eine weitere unabhängige Gemeinde. Die »Unabhängige Synagogengemeinde Berlin – Bet Haskala«, die sich ganz klar im Reformjudentum positioniert. Damit wären zwei große Pole des Judentums abgedeckt. Die Orthodoxie und das Reformjudentum.
Wenngleich es Reformangebote unter dem Dach der Einheitsgemeinde gibt, ist wohl der Kurs der Einheitsgemeinde ursächlich für die zweite Neugründung in diesem Jahr. Nun ist sogar der ehemalige Vorsitzende der Einheitsgemeinde Albert Meyer ausgetreten. Der Vorsitzende der neuen Gemeinde ist Benno Simoni.

Auf der Facebookseite der Initiative wird dies auch deutlich formuliert:

Facebook-Seite der Unabhängigen Synagogengemeinde

Facebook-Seite der Unabhängigen Synagogengemeinde

»Unabhängig von der Willkür übergeordneter Organe, Synagogengemeinde auch über den Schabbat hinaus, Berlin als Ursprung des Reformjudentums- unser Auftrag!« (siehe hier)

Die Frage ist offen, ob die neue Gemeinde dynamisch gewachsen ist, oder ob sie eine Struktur schaffen will für einen Inhalt, der erst noch hineingefüllt werden soll. Aber es ist ein starkes Symptom dafür, dass sich diejenigen, die aktiv sein wollen, nicht mit den Strukturen auseinandersetzen wollen, sondern sich andere Wege suchen. Für eine Gemeinde natürlich keine günstige Entwicklung.

20. März 2014 – 18 Adar B 5774
von Chajm
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Weiter weniger Mitglieder

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden; Zahlen von der ZWST

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden; Zahlen von der ZWST

Die jährliche Mitgliederstatistik der Jüdischen Gemeinden ist da! Leider ist diese nicht besonders vielversprechend. Der Trend ist weiter negativ. Die Anzahl der Gemeindemitglieder geht weiter zurück.

Kurz gesagt: Von 102.135 auf 101.338 sank die Anzahl der Mitglieder. Das sind 797 Mitglieder weniger. Im Vorjahr waren 662 Mitglieder weniger. Es sind also wieder mehr weniger Mitglieder – um das einmal kompliziert zu formulieren. Weiter kratzen die Mitgliederzahlen also von oben an der Grenze von 100.000 Mitgliedern.

Die harten Fakten für 2013:

  • 250 Geburten und 1244 Todesfälle
  • 70 Übertritte und 418 Austritte
  • 444 Zuwanderer und 150 Auswanderer

Einer Geburt stehen also (leider) etwa fünf Todesfälle gegenüber. Übertritte sind natürlich kein Werkzeug, um die weitere Schrumpfung aufzuhalten. Eine Maßnahme wäre vielleicht eine Verminderung der Austritte.
Helfen, ohne etwas auf die Entwicklung auszuwirken, dürfte eine Anpassung der Infrastrukturen an kleinere Gemeinden sein. Viele wurden eingerichtet mit dem Blick auf die steigenden Mitgliederzahlen zwischen 1999 und 2004. Kleine Infrastrukturen dürften einfacher in ihrem Erhalt sein.
Kleine bis mittlere Gemeinden werden das vermutlich nicht durchhalten und jüdisches Leben wird sich auf bestimmte Zentren in Deutschland und Europa konzentrieren. Weniger auf viele kleine Gemeinden.

Die Altersstruktur spricht nicht für den Umkehr des gegenwärtigen Trends:
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14. März 2014 – 12 Adar B 5774
von Chajm
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Alkohol an Purim

Koscherer Wodka

Koscherer Wodka

Purim und Alkohol, für einige das faszinierendste Element des Feiertages – kommt vielleicht darauf an, wie ernst man die Feiertage im Allgemeinen sieht. Wieviel soll man trinken? »Ad lo jada – bis man nicht mehr weiß…«. Kontrollverlust?!
Zwei Rabbiner aus dem Talmud, Rabba und Sei’ra waren jedenfalls sehr gewissenhaft und haben kräftig zugelangt. Da stellt sich Frage – was soll das bedeuten »Ad lo jada – bis man nicht mehr weiß…«? Den ganzen Artikel gibt es auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen, hier.

11. März 2014 – 9 Adar B 5774
von Chajm
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Majn Alef Bejs

Majn Alef Bejs

Abbildung aus »Majn Alef Bejs« – © Riva Kaminsky Danzig, Marc Kaminsky, Urszula Palusińska

Vielleicht eines der bestgestalteten jüdischen/jiddischen Kinderbücher der letzten Zeit:
»Majn Alef Bejs« von Jehoszue Kaminski und Illustrationen von Urszula Palusińska. Ein Buch mit dem Alef-Bejt und kurzen Texten dazu – in jiddischer Sprache und polnischer Übersetzung. Die Illustrationen sind zeitlos und erinnern vielleicht ein wenig an Zeichnungen aus den 50er Jahren. Sie kommen ohne Kitsch aus und verzichten auf pseudomoderne Elemente. Die Gedichte sind eingängig und dürften, mit jiddischen Grundkenntnissen, für deutschsprachige Leser zu bewältigen sein.
Herausgegeben wurde das Buch von der Czulent Jewish Association in Krakau.
Und für die potentiellen Leser nicht so schlecht: Man kann es auf der Seite von Czulent herunterladen.
Schon seit 2012 gibt es das Buch, es verwundert, dass man nicht schon damals überall darauf hingewiesen wurde. Auf einer Kinderbuchmesse in Bologna hat es nun den »Bologna Ragazzi Preis« erhalten. Vielleicht wird dies das Buch nun noch mehr Aufmerksamkeit erhalen – die ihm auch zusteht.

Aber nicht nur das! Czulent veröffentlichte auch das Buch »Jontew Lider«, aus dem die folgende Abbildung stammt:

Abbildung aus »Jontew lider«

Abbildung aus »Jontew lieder« © Sheva Csesler, Irving Massey, Urszula Palusińska

Mit Gedichten von Ida Maze und Szmuel Cesler. Auch hier wieder mit Illustrationen von Urszula Palusińska. Wirklich beeindruckend sind die Abbildungen und der Text für דעם טאג צו געדענקען »Der tog cu gedenkn«. Dieses Buch kann man ebenfalls bei Czulent herunterladen.

Misha Beletsky war so freundlich, darauf hinzuweisen.

4. März 2014 – 2 Adar B 5774
von Chajm
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Megillat Esther für Kinder

megille_titel
Die Megillah bietet eine Menge Stoff:
Intrigen, Sex, Macht und Tod. Das ganze klassische Material. An Menschen die ums Leben kommen, mangelt es nicht.
Es gibt also ein paar Dinge, mit denen man jüngere Kinder vielleicht nicht direkt konfrontieren möchte. Aus diesem Grund entstand nun eine kurze Nacherzählung der Megillat Esther. Mit einer entsprechenden Portion künstlerischer Freiheit natürlich – aber mit Textnähe.

Die Geschichte kann man online hier auf talmud.de, lesen.

Eine pdf-Datei gibt es hier: Megillat Esther als pdf

Die PDF lässt sich ganz gut mit Klebeband zu einer kleinen Rolle zusammenrollen – die pdf wurde entsprechend angelegt:

Megillah als Rolle

Megillah als Rolle

23. Februar 2014 – 23 Adar A 5774
von Chajm
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Kreuze und Zeichen

Die gefeierte Intelligenz der Massen! Die deutschsprachige Wikipedia ist so erfolgreich wie ihre anderssprachigen Schwesterprojekte, aber in vielerlei Hinsicht unterbindet die Schwarmintelligenz nicht, dass man nicht zu unvernünftigen Ergebnissen kommt und sich verhält wie der Mainstream in der Offline-Welt.
So haben Muhammad/Mohammed, Regina Jonas und Ariel Scharon in der Wikipedia eine Gemeinsamkeit: Ihr Sterbedatum wurde mit einem genealogischen Zeichen versehen, welches den Todestag einer Person markiert. Dummerweise ist dieses Symbol ein Kreuz.
wikipedia_muhamm
wikipedia_rabjonas
wikipedia_scharon
Immer wieder sind einzelne Nutzer der deutschsprachigen Wikipedia dagegen Sturm gelaufen (siehe hier oder hier). Gefüllte Bildschirmkilometer. Der Ausgang und der Tenor waren aber klar:
»Stellt Euch nicht so an. Mag sein, dass ihr das nicht mögt, euer Problem« Zuletzt kam es zu diesen Auseinandersetzungen wohl zum Tod von Ariel Scharon. Auch sein Sterbedatum wurde mit dem Symbol des Kreuzes versehen. Also einem, dass für Juden nicht gerade unbelastet ist. So ist es ja nicht nur das Symbol des Christentums, also einer anderen Religion, sondern steht auch für Zwangstaufen und Verfolgungsdruck. Es ist also reichlich perfide, genau so ein Zeichen den Personendaten verstorbener Juden (oder Muslime) hinzuzufügen.

Der Mob argumentiert formalistisch: Es sähe zwar aus, wie ein Kreuz, das genealogische Zeichen (†) sei aber gar kein Kreuz und damit sei (und ist) die Diskussion zu Ende.
In anderen Sprachvarianten der Wikipedia ist das kein Thema, hier hat man die Symbole vermieden.
Besonders dumm ist aber das Argument derjenigen, die lediglich ihre kulturelle Hegemonialität zeigen wollen und sich hinter Formalien verstecken, wenn man einen Blick in den Wikipedia-Artikel (der Griff der Axt kommt aus dem Wald) Genealogische Zeichen wirft. Dort werden auch entsprechende Symbole für Juden, Muslime und Buddhisten gelistet.

2012 hat das eine evangelische Theologin ebenfalls schon beobachtet (siehe hier). Seitdem ist nicht viel passiert. Aber wir haben gelernt, dass 100 Ignoranten nicht notwendigerweise zu weiseren Entscheidungen kommen, als 1 Ignorant.

19. Februar 2014 – 19 Adar A 5774
von Chajm
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Der Schaden ist irreparabel

Edathy: Dazu wurde schon viel gesagt.
Unangenehm ist die Berichterstattung darüber, weil die Kollateralschäden irreparabel sind. Seitdem der ehemalige Innenminister Friedrich von seinem aktuellen Ministerposten zurücktreten musste, wurde darüber diskutiert, ob auch die SPD ein Opfer bringen sollte. Die CSU habe einen Mann verloren, also solle auch die SPD einen gehen lassen. Ob das politisch sinnhaft ist, soll hier gar nicht hinterfragt werden, vielmehr die Reaktion darauf, die antijüdische Polemik verwendet, um ihre Leser zu informieren. Das »Auge um Auge« Motiv:
Berliner Morgenpost – »Auge um Auge, Zahn um Zahn«
Cicero – Der maximale Schaden ist schon da
n-tv Auge um Auge, Rücktritt um Rücktritt?
Rp-Online – Auch Angela Merkel gerät in die Kritik
Thomas Maron von der Stuttgarter Zeitung sieht gar alttestamentarische Härte am Werk.
Frankfurter Neue Presse: »Auge um Auge, Zahn um Zahn – so sind die Rituale in der Politik und offenbar auch in der großen Koalition.«
Die Welt: Auge um Auge, Zahn um Zahn?
General Anzeiger, Bonn Hier ist direkt das Wort Rache mit eingestreut. Der Fall Edathy und die Folgen – Merkel-Dämmerung: »[…] jetzt ist Rache angesagt. Auge um Auge, Zahn um Zahn.«
Ein Blogger, stellvertretend für viele: etwa hier.
Das sind stellvertretende Beispiele. Viele aus dem Radion und dem TV könnten hinzukommen. Eine wahre Inflation dieser antijüdischen Redewendung.

Politiker stehen da nicht hinten an: SPD-Mann Thorsten Schäfer-Gümbel wird mit dem Satz zitiert und von der CSU heißt es:

Rücktrittsforderungen, wie sie aus den Reihen der CSU-Landesgruppe erhoben worden waren, übernahmen Hasselfeldt und Grosse-Brömer nicht. „Unsere Linie ist nicht: Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sagte Hasselfeldt.
faz.net

Zur Erinnerung: All diese Publikationen und diejenigen, die den Satz verwenden, sagen damit aus
Im Judentum geht um Vergeltung oder das Recht des Stärkeren. Das ist archaisch, so wie das Judentum. Wir sind heute weiter.

Das hat auch jemand erkannt, der 1939 eine Rede hielt und die Phrase ins kollektive Gedächtnis schrieb.
Der Schaden, der durch diese unverantwortliche Verwendung der antijüdischen Phrase entsteht, ist nicht reparabel. Wer heute noch von »alttestamentarischen« Verhaltensweisen schreibt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, er setze ein Vorurteil mit Absicht ein. 2014 sollten die meisten Menschen, die für und in der Öffentlichkeit sprechen, grundsätzlich über ein Mindestmaß politischer Bildung verfügen.

10. Februar 2014 – 10 Adar A 5774
von Naomi
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Es ist wieder soweit!

early-bird-2014

Auch dieses Jahr findet wieder das einzigartige, lebendige, intensive, fröhliche Limmud Festival statt: 29.5.-1.6.2014 am Werbellinsee bei Berlin.

Seit Monaten organisiert, diskutiert und trifft sich das Team, plant, textet, verwaltet, rauft sich die Haare, verhandelt, emailt, und freut sich darauf, dass ihr euch anmeldet!
Denn Limmud lebt vom Mitmachen, alle Teilnehmer sind herzlich eingeladen, selbst Sessions anzubieten. Auch aus eigener Erfahrung als Teilnehmerin und Referentin weiß ich, daß man Limmud so seine eigenen Note verleihen und zum ‘eigenen’ Festival machen kann.

Zu wenig orthodox? Kein Problem! Bietet orthodoxe Inhalte an. Zu wenig liberal? Kein Problem, bietet liberale Inhalte an! Nichts ist unmöglich. Einen ersten Eindruck zum Programm kann man schon mal hier auf dem Limmud-Blog bekommen.

Zwischen dem, und rund um das Programm ist immer genug Zeit und Gelegenheit, sich mit anderen Teilnehmern auszutauschen, einen Spaziergang zum See zu machen, oder einfach mit einem Kaffee draußen in der (hoffentlich!) Sonne zu sitzen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Ganz nebenbei kann man erleben, wie sich „jüdisches“ Leben anfühlt. Was ist eigentlich koscheres Essen? Na, das, was jeden Tag serviert wird! Was ist eigentlich ein Eruv? Na, das was am Freitag aufgebaut wird, fragt das Team und helft beim Aufbau!
Was ihr mit den Kindern machen sollt? Mitbringen! Es gibt ein tolles Kinderprogramm für Alle von ganz klein bis ganz groß (und Kinderermäßigung bis 17 Jahre).
Auch der Schabbat lebt vom Mitmachen, was zu einem großen Spektrum an Möglichkeiten führt. Die Gottesdienste werden von den Teilnehmern organisiert, also bringt mit, was man braucht, genug Räumlichkeiten gibt es.

Die Early-Bird-Anmeldung geht nur noch bis zum 15.2.!