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Auschwitz am Strand

Documenta13
By Cindybeau (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Franco Berardi (Jahrgang 1949) hat anscheinend ein Gedicht über Europa, diejenigen die über das Mittelmeer nach Europa kommen möchten und die Gesellschaft geschrieben.
Das Thema ist tragisch und extrem komplex. Täglich sterben Menschen, weil sie versuchen, das Mittelmeer mit Schlauchbooten zu überqueren. Die Boote, von Schleppern gestellt, sind überladen — es ist schon Abfahrt klar, dass die Menschen es nicht schaffen werden und trotzdem versuchen sie es.
Ist das Mut? Verzweiflung? Wahnsinn? Rücksichtslosigkeit?
Nicht alle kommen aus Ländern in denen Krieg oder Gesetzlosigkeit herrscht, aber Verzweiflung und Armut.
Und während wir nach einer Haltung dazu suchen, ertrinken jeden Tag Menschen und wir wissen davon. Das ist tragisch und muss gesellschaftlich diskutiert werden.
Was man aber auch sagen muss: Das Mittelmeer haben die Europäer nicht gegraben und mit Salzwasser gefüllt.
Fabio Stefano Berardi und Dim Sampaio greifen die Textarbeit von Franco Berardi auf und schreiben (hier):

Auf ihren eigenen Territorien errichten die Europäer Konzentrationslager und bezahlen ihre Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen, wo Salzwasser mittlerweile das Zyklon B ersetzt hat.
von hier documenta14

Kunst muss schmerzhaft sein und auf Finger, vielleicht sogar eine ganze Faust, in Wunden legen – aber Kunst darf nicht dumm sein.
Erinnern wir uns – und es ist lächerlich, dass man das überhaupt formulieren muss – wofür Auschwitz steht: Für die industrielle Vernichtung von Menschenleben von Nordafrika bis Norwegen. Für einen komplexen Prozess, der geschaffen wurde, um Menschen aus ihren Herkunftsorten und ihren Herkunftsländern zu holen. Nur um sie dann effizient zu ermorden.
Das ist das, was auf dem Mittelmeer passiert?
Auf der documenta14 scheint man genau das behaupten zu wollen.
Einfach nur für den Schockeffekt?
Sieht so aus.

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Wie krank ist krank?

Ernst Ludwig Kirchner – Selbstbildnis als Kranker [GFDL, CC-BY-SA-3.0, FAL oder Public domain], via Wikimedia Commons

Wie krank ist krank? Natürlich klingt die Frage seltsam. Aber hier geht es vielmehr um eine Definition.
In vielen aschkenasischen Synagogen wird am Schabbat ein Gebet (ein Mischeberach nach der Lesung der Torah) gesprochen. Speziell für die »Kranken« der Gemeinde. Das ist eigentlich eine gute Einrichtung. Zunächst, weil man natürlich für eine schnelle Genesung betet und manchmal metaphysischer Beistand nicht schaden kann. Zum anderen, weil die Gemeinde nun davon weiß, dass jemand krank ist und die Person vielleicht Hilfe benötigt. Es gibt aber auch Strömungen, in denen das nicht üblich ist, am Schabbat ein solches Gebet zu sagen.
Dann gibt es aber auch die Fälle – und von denen spreche ich – die man in einigen Gemeinden mitsprechen kann. Namen, die seit Jahren auf der Liste der Kranken stehen. Der Zettel mit den Namen ist vielleicht schon ganz abgegriffen – oder sogar noch mit Schreibmaschine geschrieben. (Sollen all diese Menschen gesund bleiben und werden und lange leben!)

Nun interessierte mich aber, ab wann man auf der Liste der Kranken stehen sollte?
Mit einer Erkältung?
Mit einer chronischen Erkrankung?

Interessanterweise ist das weder bei Artscroll, noch bei Koren erklärt. Vielleicht gibt es ja Siddurim, in denen das erklärt wird?

Mein erster Anlaufpunkt war die Gruppe »Frag den Rabbiner« bei facebook. Bevor der Beitrag gelöscht werden konnte, antworteten zwei Rabbiner. Der eine wies darauf hin, dass man dieses Gebet ausschließlich dann sprechen solle, wenn befürchtet werden muss, die genannte Person werde den entsprechenden Schabbat nicht überleben. Der andere Rabbiner verwies darauf, dass man dementsprechend auch Tzedakah geben solle – ein Mischeberach sei ja kein Zauberspruch. Das sind beides Aspekte, die heute wohl etwas untergehen.
Dann wurde der Beitrag entfernt, ich hätte gerne mehr über Quellen dazu erfahren. Grundsätzlich werden meine Beiträge bei »Frag den Rabbiner« übrigens immer gelöscht. Offenbar spielt der Nasenfaktor doch eine Rolle.

Aber zurück zu den Kranken:
Rabbiner Ja’akow Emden (1697–1776) hat sich in den Sche’eilot Ja’awetz (64) dazu geäußert und meint, man solle nur dann beten, wenn die Situation des Kranken sich verschlechtert habe. Das Prinzip dahinter wird Tircha leTzibur genannt – »Belastung für die Gemeinde« – damit nicht genau das passiert, was heute so üblich ist: Ein langes ritualisiertes Verlesen von Namen von einer Liste. Wenn das schon in mittleren Gemeinden lange dauert, was passiert dann in großen Gemeinden?

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Eine Schwarze Liste mit Rabbinern

Israels Oberrabbiner David Lau
Wini [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Oberrabbinat des Staates Israel – man kann es nicht oft genug sagen: Es ist das Rabbinat des Staates Israel. Es ist nicht das Oberrabbinat der Welt und diese Konstruktion wäre dem Judentum auch fremd. Jedenfalls hat dieses Oberrabbinat (s)eine schwarze Liste (Trejfe-Liste?) veröffentlicht. Auf ihr stehen Rabbiner, die in Sachen »jüdische Identität« – nach Ansicht des israelischen Oberrabbinats – nichts zu entscheiden haben und deren Schützlinge (Konvertiten oder Personen, deren Status geklärt werden musste) deshalb in Israel nicht jüdisch heiraten können. Wie das Rabbinat über einen Brief später mitteilte (siehe hier), ohne das Wissen von Oberrabbiner David Lau. In dem zitierten Brief heißt es, Angestellte des Rabbinats dürften solche Entscheidungen nicht allein treffen.

Auf der Liste stehen charedische Rabbiner, Rabbiner von Chabad (etwa Baruch Goodman) andere orthodoxe Rabbiner, konservative und Reform-Rabbiner. Es sind auch Schüler von Rabbi Mosche Feinstein auf der Liste – der steht nicht gerade in Verdacht, ein Reformer zu sein. Außerdem Rabbiner, die an der Yeshiva University unterrichten. Ebenfalls kein Hort der radikalen Reformer.
Ha’aretz hat sie in englischer Sprache veröffentlicht (siehe hier).

Wenn man sieht, wie viele Rabbiner in Deutschland arbeiten, dann ist die Liste recht kurz (6 Namen werden genannt). Es könnte natürlich bedeuten, die genannten Rabbiner wären zumindest als Rabbiner (durch das Oberrabbinat des Staates Israel) anerkannt und das wäre bereits eine große Sache. !Mazal Tov!
Dass Rabbiner auf der Liste stehen, die keine Vertreter des orthodoxen Judentums sind, das ist natürlich klar und keine Überraschung. Genannt werden etwa Rabbiner Sievers, Rabbiner Walter Rothschild und ein Rabbiner Neuman (gemeint ist vermutlich der frühere Ost-Berliner Rabbiner Jitzchak Neumann). Überraschend vielleicht, wer alles nicht auf der Liste steht? Man weiß es nicht.

Aber es gibt auch eine Überraschung. Rabbiner Dov Levi Barzilay – immerhin Mitglied der orthodoxen Rabbinerkonferenz – wird genannt.

Rabbiner Jonathan Sacks, der frühere Oberrabbiner Großbritanniens, steht hingegen nicht auf der Liste. Das zeigt wohl Großmut. Rabbi Sacks hat nämlich derartige Entscheidungen des (israelischen) sefardischen Oberrabbiners wiederum nicht anerkannt.

Die Veröffentlichung der Liste ist ein Indikator dafür, dass die Konflikte zwischen den Gemeinden außerhalb Israels und dem Rabbinat zunehmen werden. Das wird letztendlich kein Problem des Rabbinats sein, sondern ein Problem der israelischen Regierung. Eine zunehmende Entfremdung der Diaspora vom Land Israel wäre eine katastrophale Entwicklung.

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Talmudisches: Von Räubern und Dieben

Jeder kennt das Wort »Ganove«. Es kommt vom hebräischen »Ganav« und ist über das Jiddische ins Deutsche gelangt. Der Ganove ist ein Dieb oder jemand, dem man nicht trauen kann.

Auch im Talmud, etwa im Traktat Bawa Kamma (79ab), begegnen wir dem »Ganav«. Wie so oft im Talmud wird auch dieser Begriff ganz genau definiert, und wir sehen, dass es, verglichen mit dem heutigen Sprachgebrauch, mitunter Abweichungen gibt. Das zeigt wieder einmal, dass die Verwendung unkommentierter Übersetzungen eine heikle Sache ist.

Den gesamten Text findet man auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen, hier.

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Nach der Nicht-Antisemitismus-Debatte in der ARD

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Den Plot kennt man aus einigen Filmen. Der Held wacht irgendwo auf und kann sich an nichts erinnern. Oder: Der Held kommt in seine Wohnung und überall ist Blut.
In beiden Fällen hat irgendjemand hat der Dame des Hauses die Lichter ausgepustet. Vielleicht hat er seinen Schlüssel fallen lassen und sich dann mit Blut vollgeschmiert, oder eine andere unbekannte Person liegt irgendwo tot herum. Die Indizien sprechen gegen unseren Helden, jedenfalls für die Strafverfolger. Wir Zuschauer wissen natürlich: Der ist doch unschuldig. Man müsste doch nur dies und das beachten. Wir verzweifeln mit unserem Helden. Er muss nun seine Unschuld beweisen, obwohl wir alle wissen, dass er das eigentlich gar nicht müsste. Meist hilft ihm irgendwann eine einzige Person, man kommt sich näher und dann… aber ich schweife ab. Wir als Zuschauer verzweifeln mit. Es ist alles soooooo klar.

So ähnlich fühlen sich diejenigen, die vom Antisemitismus betroffen sind und die öffentliche Diskussion darüber verfolgen. Ein Skandal, dass Kinder in Schulen für ihr Judesein gemobbt werden, die Schule verlassen müssen und sich dann anschließend die Eltern der Schule zu Wort melden und sich über die Rufschädigung beschweren. Verbunden mit einem Verweis auf den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis.
In Essen wurde schon vor längerer Zeit versucht, die Alte Synagoge anzuzünden – während einer Demonstration gegen den Staat Israel. In Frankreich gab es gar Tote.

Und dann setzen sich Leute zusammen und beschließen: »Ausrutscher« oder »nicht antisemitisch motiviert«, ja vielmehr sei all das eine Kritik am Staat Israel. Bevor man fragen kann, ob dies all das legitimiere, präsentiert man auch einen »Zeugen« (wir wechseln wieder in die Film-Metapher) aus der eigenen Familie. Der sollte eigentlich als Fürsprecher auftreten, doch er sagt: »Anderen ist schlimmeres passiert.« Hier wäre es Rolf Verleger, der mit einem Verweis auf Muslimhass antwortet, wenn er nach Antisemitismus gefragt wird.
Oder ein älterer Herr erklärt freundlich, warum gerade er als Deutscher den Staat Israel kritisieren darf, wenn er nach Antisemitismus gefragt wird.

Der Film mit unserem Helden wird ein Happy End haben. Er wird den Fall selber aufklären und die wahren Verbrecher überführen. Wie wird es mit unserem Thema sein?
Der Held soll kein Held sein. Er hat es versucht. Seinen Staat aufgebaut. Sich bemüht und wird dafür gehasst.
Und in Deutschland? Schwierig. Die Gemeinden schrumpfen ohnehin. Eine mündliche Solidaritätsbekundung der Regierung fängt keine Schläge ab und der Gegenwind wird stärker.

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ARD strahlt Antisemitismus-Doku aus

Die Bildzeitung zur Antisemitismus-Doku

Jetzt läuft sie doch, die Antisemitismus-Dokumentation für arte und WDR »Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa« – die zunächst zurückgehalten wurde, um dann von der BILD geleakt zu werden. Übrigens zog arte zwischenzeitlich den Nutzungsvertrag zurück, so dass nur noch der WDR übrig ist. Auf bild.de konnte man sich die Doku 24 Stunden lang anschauen – zudem berichtete die Zeitung, für ihre Verhältnisse, ausführlich über den Inhalt der Doku.
Die BILD wird sich das sehr genau überlegt haben. Nicht aus Gründen der Courage, sonder viel mehr aus juristischen Gründen. Aber offenbar konnte sich die BILD das durchaus leisten. Die Aufmerksamkeit war riesig und zwischendurch wurde die Redaktion der Zeitung regelrecht gefeiert. Teilweise von den gleichen Leuten, die sie zuvor angegriffen hatten, weil die BILD einen Polizisten ehrte, der nebenbei noch Kriegsverbrecher war. Die Realität ist eine komplexe Angelegenheit.

Die Sendung wird nun also am 21.6.2017 (22:15 Uhr) gezeigt werden. Gefolgt von der Sendung »Maischberger« in der über den Film gesprochen werden wird. Vielleicht genauso, wie über den Film bei facebook und twitter gesprochen wurde:
Über seine Art und Weise zu erzählen. Darüber, dass der Film polemisch sei, mitunter sarkastisch – viel zu wenig faktisch. Ja – und das scheint skandalös zu sein – geradezu »Nicht-Anti-Israelisch« und vielleicht sogar »proisraelisch«. Was dementsprechend wenig Beachtung fand und findet, ist die Tatsache, dass dort etwas über den Antisemitismus in Europa erzählt wird und wie er sich heute auf den »Nahost-Konflikt« bezieht, aber dort nicht seine Wurzeln hat. Geradezu sprachlos macht der Film, wenn Bewohner Gazas recht abgeklärt in die Kamera sagen, dass sie ihre Situation der Hamas zu verdanken haben – während man in Europa vor Wut schäumend die Israelis dafür zur Verantwortung zieht.
Es konnte so weit kommen, dass ein jüdischen Junge aus Berlin-Friedenau, der von Mitschülern in gemobbt wurde, die Schule verlassen musste. Und wer war Schuld an dieser Situation? Natürlich der Staat Israel. In einem offenen Brief wandten sich die Eltern der Schule an die Öffentlichkeit. Es ging ihnen um den Ruf der Schule. Die Ausrede: Die Stadt »kann vor den Auswüchsen internationaler Konflikte, wie des Nahostkonflikts, nicht verschont bleiben«. Die Eltern des Jungen kamen übrigens aus Großbritannien und die Unterzeichner des Briefs haben übrigens offensichtlich keinen Migrationshintergrund. Dies nur der Vollständigkeit halber.
Und an anderer Stelle schrieb ich es bereits: Solange sich Juden in Deutschland nicht offen auf der Straße als solche zu erkennen geben können, hat dieses Land ein massives Problem. Der Film zeigt das und darauf sollte man seinen Blick lenken. Die Diskussion um die Erzählweise kann man führen, aber das sollten keine Nebelkerzen werden.

Und die Diskussion? Was dürfen wir erwarten?
Vielleicht wird man Volker Beck einladen, der Grünen-Politiker ist überall da, wo über Antisemitismus gesprochen wird, eingeladen und darf etwas dazu sagen. Ich persönlich bin mir unsicher, ob er von sich in dieser Rolle mittlerweile nicht etwas zu selbstüberzeugt ist.

Vielleicht wird man auch Mirna Funk einladen, die sich schon im Vorfeld gegen die Doku in Stellung gebracht hat, natürlich nicht, ohne ausführlich über sich selbst zu sprechen und ein wenig über Antisemitismus dennoch bleibt nach ihrem Text lediglich hängen: Israelische Propaganda sei der Film.

Wen erwarten wir noch? Shahak Shapira. Der kann dann etwas freches zum Thema sagen und auf Stellen warten, an denen er seine Pointen rausfeuern kann.

Vielleicht wird man die Chuzpe haben, einen »Nahostexperten« einzuladen, weil das alles ja irgendwie etwas mit dem »Nahen Osten« zu tun hat. Etwa Michael Lüders?

Man könnte Michel Friedman eingeladen – auch wenn das den Mob draußen zum Kochen bringen würde. Er ist eloquent und durchschaut die rhetorischen Strategien seines Gegenübers. Mein Wunschkandidat wäre Serdar Somuncu, der einen guten Blick auch für antisemitische Diskurse und keine Furcht hat, etwas dazu zu sagen.

Aber vielleicht wird es auch alles viel viel schlimmer…

Update 20. Juni 2017; 21:00

Die tatsächliche Gästeliste wurde nun veröffentlicht – der Titel der Sendung lautet übrigens »Gibt es einen neuen Antisemitismus?« und die verspricht keinen Abend bei dem man gebannt vor dem Fernseher sitzt. Wer statt dessen etwas spannenderes machen will, schaut einer Aspirin-Tablette dabei zu, wie sie sich langsam im Wasser auflöst.

  • Michael Wolffsohn Ist oft und gern im Fernsehen. Ein JmFP, ein Jude mit Fernsehpräsenz. Ein anderer JmFP ist Henryk M. Broder, aber seine Präsenz hat abgenommen. Michael Wolffsohn ist kalkulierbarer. Hat bei Maischberger schon zu Trump und zu Putin diskutiert.
  • Norbert Blüm Der frühere Arbeitsminister könnte eigentlich seine sichere Rente genießen (die Punchline bot sich an,
    Leute über 30 werden sie verstehen), aber hat bei Youtube dadurch Bekanntheit erlangt, dass Antizionisten ein Video von ihm mit einem Ausschnitt aus der Sendung hart aber fair gepostet haben. Das Zitat ist ein »gerade wir Deutsche« Klassiker: »Gerade weil wir Deutschen ebenjene Verbrechen begangen haben, müssten wir umso klarer anprangern, wie die Palästinenser heute von Israel schikaniert, gequält und gedemütigt werden.« Ansonsten wird seine Präsenz es nicht gerade einfacher machen, am späten Mittwochabend wach zu bleiben.
  • Ahmad Mansour Hätte sich eigentlich am Film beteiligen sollen und war wohl beratend tätig. Er soll offenbar für den Teil muslimisch/arabischer Antisemitismus den Kopf hinhalten und erklären.
  • Gemma Pörzgen Tatsächlich! Hier haben wir eine Vertreterin mit klarer Fokussierung auf den »Nahost-Konflikt« – zudem jemanden, der den Film als proisraelische Propaganda sieht. Siehe hier ein entsprechendes Interview mit dem Deutschlandfunk
  • Rolf Verleger Er arbeitet sich an der »Okkupation« ab. Wir können nicht erwarten, dass er speziell auf einen Antisemitismus eingeht, der sich zwar auf die Existenz des Staates Israel bezieht, aber nicht aufhört zu existieren, wenn der Staat aufhört zu existieren. Er wird vermutlich über die Politik des Staates Israel sprechen wollen.
  • Jörg Schönenborn Der Fernsehdirektor des WDR. Er hat jetzt den Ärger, weil das Thema die sozialen Netzwerke verlassen hat und in den großen Zeitungen diskutiert wurde. Es ist nicht zu vermuten, dass er die eigene Herangehensweise kritisch beleuchten wird. Vielmehr wird er die Linie des Senders verteidigen.
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Nur weil einer keine Juden mag?

Nur weil einer keine Juden mag? Ein Kommentar für die Jüdische Allgemeine über jemanden, der sehr darauf bedacht ist, nicht als Antisemitismus bezeichnet zu werden und deshalb gerne klagt. Der Artikel ist hier verfügbar.

Hier folgen ein paar Service-Links zu den Zitaten im Text:

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Jalta

Das Scheinwerferlicht der deutschen Öffentlichkeit ist ein kleiner Lichtkegel wenn es um das Thema »Juden« und »Judentum« geht. Das Interesse ist groß, aber das Problem des kleinen Lichtkegels ist, dass nicht alle gleichzeitig in ihm Platz finden. Egal wer da gerade angestrahlt wird, diejenigen, die im Dunklen stehen, sind der Meinung, die anderen gehörten nicht ins Licht. Auf dem Rand des Lichtkegels kann man sich nun hervorragend damit beschäftigen, warum man selber hinein gehört, wer nicht dazugehört und warum sich andere disqualifizieren. Oft fällt es leichter zu definieren, wer nicht hinein gehört und das macht natürlich auch mehr Spaß.

Die Frage lautet also – wer darf|muss|soll heute das Judentum, die Juden, jüdische Menschen in Deutschland repräsentieren? Nach Meinung einiger sieht die Antwort so aus:
Der heutige (gegenwärtige) Repräsentant des Judentums beschäftigt sich nicht ständig mit dem Thema »Schoah«.
Der heutige Repräsentant steht nicht für »Israel« und der heutige Repräsentant spricht nicht über »Antisemitismus«.
Schon gar nicht will er sich nicht vom Publikum erzählen lassen, wie man im Licht (der Öffentlichkeit) zu agieren habe.
Das beschreibt, natürlich sehr verkürzt, die Mission von »Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart«.
Mitherausgeberin Hannah Peaceman formuliert es so:

»Die Deutungshoheit zu Fragen, die Jüdinnen und Juden betreffen, wird in Deutschland allzu oft nicht-jüdischen oder aber konservativen jüdischen Stimmen überlassen. Nur einzelne Gegenstimmen zu dieser Marginalisierung und politischer Vereinnahmung werden im medialen Diskurs aufgegriffen.«
Jalta, Ausgabe 1, Seite 169

Die Deutungshoheit gegenüber wem? Der Öffentlichkeit gegenüber? Warum?
Das wäre doch ein hervorragendes Thema für diejenigen, die ohnehin im Schatten stehen. Sie werden nicht vom Publikum gesehen und können in Ruhe ihren Geschäften nachgehen, unanständige Sachen tun, schmutzige Texte schreiben, sich mit Kultur auseinandersetzen, Konventionen brechen wie noch nie jemand zuvor Konventionen gebrochen hat, sich mit anderen hinter den Kulissen zusammentun und Spaß haben.
Das hätte sich zu einer Zeitschrift, einem Magazin, verdichtet, wie es im deutschsprachigen Raum gebraucht wird. Ohne Rücksicht auf politische Korrektheit, mit den Themen, die heute bewegen.
Aber »Jalta« ist kein Magazin für diejenigen geworden, die einfach mal ganz unbeobachtet und ohne Filter mit denen kommunizieren wollen, die auch hinten sind. »Jalta« hat einen anderen Ansatz gewählt.
Man schreibt aus dem vermeintlichen Off für den Zuschauer und erklärt, wie es im Lichtkegel aussehen sollte.

Das, jetzt fast schon überstrapazierte, Bild des Scheinwerferlichts ist nicht ganz zufällig gewählt. »Jalta« kann man nämlich als Fortführung des »Desintegrationskongresses« im Berliner Gorki-Theater lesen. Dort diskutierte 2016 eine Gruppe von Leuten über die Themen »postmigrantische Gesellschaft«, »Selbstbestimmung« und »Emanzipation«. Man wollte hier wegkommen von den üblichen Allgemeinplätzen wie »Schoah«, »Antisemitismus« und »Israel«. Nebenbei wurde die Verbrennung einer wissenschaftlichen Ausgabe von »Mein Kampf« zelebriert. Wir sehen also: Der Willen zum Bruch von Konventionen war da.
Die Themen der Konferenz ziehen sich nun auch durch »Jalta«. Mehrfach ist die Rede von der »postmigrantischen Gesellschaft«, einem Begriff der in Berlin mit »postmigrantischem Theater« geprägt wurde und dort in den Kreisen zirkuliert, die sich künstlerisch damit beschäftigen. Die Macher der Zeitschrift halten den Begriff für bekannt.
Das Netzwerk der Konferenz hat zunächst einen Artikel in der ZEIT hervorgebracht. In diesem stellt Mirna Funk einen Kreis junger Juden als Kulturschaffende vor(»Wir lebenden Juden«) und hebt nebenbei ihre eigene Bedeutsamkeit und die ihrer Freunde (eben jener vorgestellten Menschen aus dem Artikel) hervor.
Kongress und Zeitschrift thematisieren Selbstbestimmung und die Emanzipation von einem Verständnis jüdischer Identität, das Juden in Deutschland eine feste gesellschaftliche Rolle zuweist – so sagten jedenfalls die Aktivisten und schreiben darüber viel in Jalta. Sehr viel. Eigentlich drehen sich viele Texte um das Zurückweisen von Zuschreibungen. Das ist etwa so, als würden deutschsprachige jüdische Blogger ausschließlich darüber schreiben, wie es ist, ein jüdischer Blogger in Deutschland zu sein und inhaltlich sonst nichts liefern.

Mitherausgeber Max Czollek schreibt in seinem Artikel »Desintegration« (der zwischendurch richtig Fahrt aufnimmt) über die Sicht der nichtjüdischen Deutschen (»Dominanzkultur«) auf sich und ihr Land zwischen Mahnmalen und Deutschlandfahnen.

Und wir Juden leisten einen wesentlichen Beitrag, dieses post-nationalsozialistische, deutsche Selbstverständnis zu stabilisieren. Indem wir all die born-again Deutschen ihrer eigenen Läuterung versichern, gibt es uns heute vor allem als Juden für Deutsche.
Jalta, Ausgabe 1, Seite 121

Dann fordert er, »sich nicht gebrauchen zu lassen« und definiert »Desintegration« als Befreiungsschlag von dieser Umklammerung des jüdischen durch die deutsche Öffentlichkeit. Es folgt eine Aufzählung von Dingen, die man tun muss, um sich zu befreien.
Über die Fahne Deutschlands soll man etwa wütend sein, weil die »scheiß Fahne« seit 2006 auf »jedem scheiß Produkt« zu finden sei:
»Unsere Rache sorgt dafür, dass die Tätergemeinschaft nicht zur Ruhe kommen kann. Keine Vergangenheitsbewältigung. Keine Juden für Deutsche.« Vielleicht ist das der Grund, warum die Kulturstiftung des Bundes sowohl »Jalta« mitfinanziert, als auch den nächsten Kongress im November 2017 (Radikale Jüdische Kulturtage).
Engagiert und theatralisch, aber wer Maxim Biller lesen will, liest dann Maxim Biller.

Der konkrete Gegenentwurf zu dem, was man ablehnt, bleibt vage und sehr theoretisch. Wir erfahren, die jüdische Gegenwart sei feministisch, queer und migrantisch. Also alles heiße Themen aus der Berlin-Blase, in politisch korrekter Gender-Schreibweise mit hartnäckigem Anhängen des Suffixes »innen« an (männliche) Substantive mit Sternchen, Bindestrich oder Unterstrich. Auch das Wort »Juden« wird pflichtschuldig mit dem Hinweis versehen, man meine natürlich alle Genderausformungen damit.
Wir lesen etwas über einen lesbisch-feministischen Schabbeskreis, über ein europäisches Netzwerk feministischer Jüdinnen, über Schäferhunde und Hundehaltung in Israel (womit wir doch wieder das Thema Schoah behandelt sehen und ein Israel-Thema), über die Women of the Wall, über einen Empowerment-Raum für queere, jüdische Menschen, über Heidegger und Antisemitismus, aber auch einen Artikel über Fritz Benscher. Interessant ist ein (extrem formaler) Artikel über »Organisationen und Initiativen junger Erwachsener in Deutschland« von Anastassia Pletoukina, der anscheinend aus einer wissenschaftlichen Arbeit ausgekoppelt ist.
Auch ein Aufsatz von Rabbinerin Elisa Klapheck über das Wort kadosch zeigt was möglich wäre, wenn man einfach mal einen Artikel schreibt, statt zunächst Abgrenzungen und theoretische Distanzierungen vorzunehmen. Ein wenig Lyrik und Kunst gibt es zwischendurch ebenfalls.
Der Verdacht liegt nahe, dass man also doch zum Publikum spricht und nicht zu den anderen Akteuren auf der Bühne. Das ist schade, denn so ein Format wird auf dem deutschsprachigen Markt dringend benötigt: Ein Leitmedium für Jüdinnen und Juden, die sich irgendwie für jüdische Themen interessieren. Darauf warten wir noch.

Enden wir mit Floskeln: Man merkt, das Format hat mich nicht abgeholt, aber es wird seine Berechtigung haben.

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Gabriel, Netanjahu und der Rix-Index

Kaum zu ertragen. Unangenehm, ein wenig eklig und vielleicht auch unnötig.
Ob ich den Vorfall zwischen Außenminister Gabriel und Benjamin Netanjahu meine?
Natürlich nicht!
Ich meine die Reaktion darauf und nicht nur das übliche »was ich den Juden schon immer mal sagen wollte und jetzt haben die sogar einen ganzen Staat voller Juden«-Entlastungsgeschreibe. Das war zu erwarten.
Ein Minister, dessen Aktivitäten in Deutschland sonst niemanden interessieren, fliegt ausgerechnet nach Israel und erfährt dort nicht die Liebe, die man erwartet. Gabriel, der ansonsten als personifiziertes Versprechen der Sozialdemokraten, dass sie in nächster Zeit keinerlei Ambitionen auf das Kanzleramt haben, wahrgenommen wurde, stand und steht nicht gerade im Fokus der Öffentlichkeit mit seinem Wirken.
Deshalb blieb auch unbeobachtet, dass Gabriel sich selbst als Anwalt der Palästinenser ins Game eingebracht hat, als Freund von Abass und eben nicht als unbeteiligte vermittelnde Kraft. Unvergessen dürfte auch sein Auftritt sein, bei dem er Israels Präsenz in Hebron »Apartheid« nannte. Während das in Deutschland unbeobachtet blieb, hat man das in Israel sehr wohl wahrgenommen und der Besuch bei »Schowrim Schtika – das Schweigen brechen« wurde deshalb anders betrachtet, als ein spontanes Treffen mit irgendeiner zufälligen NGO. In einem Staat, in dem jedes Kind zur Armee geht, jeder bei der Armee war und dessen Armee eine bessere Lebensversicherung ist als »nie wieder« Sprüchlein aus Europa, schaut man besonders kritisch auf diejenigen, die am Fundament dieser Armee sägen und dafür von Dritten bezahlt werden. War es bei Gabriel und seinem Stab – niemand glaubt doch ernsthaft, dass Gabriel alle Reisen selber plant – besonders taktlos und eine Provokation nach der Vorgeschichte, so war es bei Benjamin Netanjahu ein Elfmeter ohne Torwart. Leicht verdiente Punkte ohne großen Nachteil. Die Halbwertszeit von Gabriel als Minister und Player auf der politischen Weltbühne ist sehr überschaubar und die tatsächliche Politik bestimmt die Kanzlerin. Weiterlesen

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Mitgliederstatistik überrascht nicht

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden 1955 – 2016

Nach Pessach veröffentlicht die ZWST traditionell die Mitgliederstatistik der Jüdischen Gemeinden für das Vorjahr. Wie viele Mitglieder haben die Gemeinden insgesamt? Wie viele hatten sie im Vorjahr? In der Gesamtbetrachtung kann man daraus eine Entwicklung ablesen. Und diese ist seit 2007 rückläufig. Seit diesem Jahr verlieren die Jüdischen Gemeinden Mitglieder. 2006 also hatten die Gemeinden mit 107.794 Personen die höchste Anzahl von Mitgliedern seit 1949. 2015 sank die Zahl erstmals unter die Grenze von 100.000. 2016 nun liegt die Zahl der Gemeindemitglieder bei 98.594.

Woran das liegt, ist offensichtlich. Die Anzahl der »Abgänge« übersteigt die Anzahl der »Zugänge«. Oder weniger euphemistisch formuliert: Es sterben mehr Menschen, als Kinder geboren werden. Es fehlen mindestens 1244 Babys um das aufzufangen.
Zunächst die wichtigsten Eckdaten in der Übersicht:

2013 2014 2015 2016
Geburten 250 243 277 265
Sterbefälle 1244 1335 1476 1498
Übertritte 70 68 59 98
Austritte 418 528 422 412
Einwanderer 444 652 674 409
Auswanderer 150 169 142 187

Wo wir schon bei Babys sind: 1989 gab es in Deutschland 807 Kinder im Alter zwischen 0 und 3.

2016 waren es 1.051. Kling unspektakulär?
Dann formulieren wir das anders. 2016 hatten die Gemeinden mehr als als dreieinhalb mal soviel Mitglieder als 1989 (98.594 gegen 27.711). Wir könnten also 2.800 Kinder in diesem Alter erwarten…

Betrachten wir die Zu- und Abgänge im Detail für das Jahr 2016:

Zugänge versus Abgänge 2016

Und nun noch die Entwicklung der Zu- und Abänge: Hier wird leider eine Tendenz deutlich – bei einer kleiner werdenden Gesamtzahl – steigt die Zahl der Todesfälle.

Entwicklung der Zugänge und Abgänge

Für 2016 kann man festhalten, dass diese Entwicklung nahezu jede Gemeinde erfasst hat. Warum nahezu? Bevor diese Frage beantwortet wird, zunächst ein Blick auf »Gewinne und Verluste« auf Ebene der Landesverbände:

Landesverband 2015 2016 Differenz zum Vorjahr
Baden 5457 5383 -74
Bayern 8753 8709 -44
Berlin 9865 9735 -130
Brandenburg 1091 1224 133
Bremen 940 907 -33
Frankfurt/M. 6604 6503 -101
Hamburg 2445 2447 2
Hessen 4758 4676 -82
Köln 4077 4026 -51
Mecklenburg-Vorpommern 1412 1342 -70
München 9507 9485 -22
Niedersachsen 6843 6724 -119
Niedersachsen (liberale) 1233 1222 -11
Nordrhein 16311 16200 -111
Potsdam 416 414 -2
Rheinland-Pfalz 3181 3145 -36
Saar 918 894 -24
Sachsen 2560 2533 -27
Sachsen-Anhalt 1355 1340 -15
Schleswig-Holstein 1210 1161 -49
Schleswig-Holstein 748 698 -50
Thüringen 739 710 -29
Westfalen 6356 6251 -105
Württemberg 2916 2865 -51

Warum also nahezu? Weil es zwei Ausnahmen gibt: Eine davon ist Hamburg. Hamburg konnte seine Anzahl der Mitglieder von 2.445 in 2015 auf 2.447 im Jahr 2016 steigern. Zwei Personen kamen hinzu. Wenn man sieht, dass die Gemeinde Frankfurt am Main genau 100 Mitglieder verloren hat, dann mag man nicht mehr über einen Zuwachs von 2 schmunzeln. Eine weitere Ausnahme ist Brandenburg. Hier kamen 133 Mitglieder hinzu. Besonders Oranienburg hat Mitglieder hinzugewonnen. Potsdam hingegen massiv verloren. Hatte die Gemeinde 2010 noch 393 Mitglieder, so waren es 2016 nur noch 210. Es scheint, als müsste man bei der Planung der neuen Synagoge berücksichtigen, dass man die Infrastruktur für eine kleine Gemeinde anlegt.
Im Landesverband Nordrhein dürfte die Gemeinde Düsseldorf den größten Verlust von Mitgliedern erleiden. Waren es 2010 noch 7.080, so waren es 2016 noch 6.713. Und das obwohl Düsseldorf als Stadt eigentlich immer mehr Menschen anzieht.

Israelis und Berlin

Berlin liegt im Fokus wenn es um Israelis geht. Wie viele mag es dort geben? Die Jüdische Gemeinde Berlins (135 Mitglieder weniger als im Vorjahr) scheint nicht von dem Boom, sofern es einen gibt, zu profitieren. Da sie dementsprechend nicht bei der Gemeinde angemeldet sind, gehen sie auch nicht in die Statistik ein.

In Berlin waren am 31.12.2016 4.680 Personen mit israelischer Staatsangehörigkeit gemeldet. Israelis, die mit deutscher Staatsbürgerschaft in Berlin leben, dürften damit nicht erfasst sein (rein technisch sind sie ja auch keine Israelis mehr). Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg hat eine smarte Schnittstelle für Datensammler. Die folgenden Daten entstammen dem Einwohnerregister Berlins:

Bezirk Personen
01 Mitte 685
02 Friedrichshain-Kreuzberg 678
03 Pankow 566
04 Charlottenburg-Wilmersdorf 1319
05 Spandau 79
06 Steglitz-Zehlendorf 314
07 Tempelhof-Schöneberg 434
08 Neukölln 375
09 Treptow-Köpenick 54
10 Marzahn-Hellersdorf 32
11 Lichtenberg 70
12 Reinickendorf 74
Berlin insgesamt 4680

Sind sie alle Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Berlin? Natürlich nicht.
Wir machen die Gegenprobe. Für den 31.12.2014 hielt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg fest, dass 3.991 Personen mit israelischer Staatsangehörigkeit lebten. Die Zahl hat sich also in zwei Jahren um 689 erhöht. Das müsste dann bedeuten, die Gemeinde hätte in zwei Jahren etwa 680 neue Mitglieder haben können. 2016 meldeten sich 215 Einwanderer (aus welchem Land sie kamen ist unbekannt) bei der Gemeinde an, 2015 waren es überhaupt keine. Also tatsächlich: Diese Gruppe kommt in der Gemeinde nicht an. Aber man stelle sich das vor?! Berlin hat 9.735 Mitglieder. Die Israelis könnten eine große Gruppe innerhalb der Gemeinde bilden und den Kurs erheblich beeinflussen.

Daten

Alle Daten kann man bei der ZWST nachlesen.