Chajms Sicht

Chajms Sicht über talmud.de hinaus

26. Januar 2012 – 2 Shevat 5772
von Chajm
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Das Buch Tanja – Sehr feine Ausgabe

Das Buch Tanja - Umschlag

Das Buch Tanja - Ansicht

Das ist etwas für die bibliophilen Seelen unter uns.
Das kann man getrost behaupten, auch wenn man von dem Buch zuvor niemals etwas gehört hat.

Obwohl in letzter Zeit wieder einige jüdische Bücher (also jüdische jüdische Bücher, nicht Bücher über das Judentum) neu gedruckt werden, so sticht die Ausstattung des Buches »Tanja« doch deutlich heraus. 930 Seiten, Goldschnitt, Leineneinband, Lesebändchen und Schutzumschlag. Im Innenteil wurde ähnlich sorgfältig gearbeitet. Die deutsche Typographie stammt von Professor Ralf de Jong, die hebräische wurde von Dr. Ittai Tamari verantwortet. Bisher habe ich keine derart aufwändige Neuerscheinung eines jüdischen Buches in deutscher Sprache gesehen. Man lernt dadurch etwas wichtiges.
Nämlich: Es wäre theoretisch doch möglich, so etwas (für den Leser) bezahlbar zu machen und überhaupt zu realisieren. Aber möglich ist es natürlich nur dann, wenn Sponsoren oder Spender die Herausgabe unterstützen. Im Ausland wird das bei jüdischen Büchern häufiger gemacht.
Im vorderen oder hinteren Bereich findet man häufig Widmungen dieser Unterstützer. Das setzt natürlich voraus, dass das Werk von einer gewissen Anzahl von Menschen für unterstützenswert gehalten wird.
Vielleicht könnte man das auch als Zeichen für die Zukunft deuten? Man wandelt den vielzitierten Spruch vom Haus, das man baut, weil man bleiben will ein wenig ab und behauptet »wer ein Buch druckt will bleiben«. Meint: Man vertraut darauf, dass das Buch aktuell in Zukunft eine interessierte Schar von Lesern und Lernern hat und haben wird und dass es sich lohnt (in wirtschaftlicher und ideeller Hinsicht) ein solches Projekt durchzuführen.

Bei dem »Buch Tanja« (oder auch »Likkutej Amarim«) handelt es sich um eine Schlüsselschrift (ich denke, das kann man so formulieren) von Chabad und so erklärt sich die Motivation der Unterstützer und die große Wertschätzung dem Inhalt gegenüber (den Inhalt habe ich in aller Kürze in der Rezension für die Jüdische Allgemeine angerissen, siehe hier – in aller Kürze darstellen lässt sich der nicht). So wird dann Goldschnitt wie dieser möglich:

Das Buch Tanja - der Goldschnitt

Goldschnitt

Im Inneren des Buches finden wir den hebräischen Originaltext, sowie die Übersetzung von Rabbiner Levi Sternglanz (die man hier online lesen kann). Ihr Stil ist sehr interessant. Die Übersetzung erinnert stark an klassische Texte. Das hat einen zeitlosen Charakter, schafft aber auch eine gewisse Distanz zum Text:

Die zweite Seele des Juden ist buchstäblich ein Teil G‑ttes von droben, wie es steht: „Und Er blies den Hauch des Lebens in seine Nase“, und „Du hast [die Seele] in mich geblasen“
zitiert nach dem Text auf der Internetseite, hier

Damit folgt der Inhalt der Form. Sie liegt auch irgendwo zwischen klassisch und modern. Klassisch wäre die Verarbeitung und der hebräische Schriftsatz (Drugulin), modern mit Anleihen an hebräische Werke, die einen Kommentar beinhalten, wäre die Aufteilung der Seite und die farbliche Unterscheidung von Inhalt und Kommentar.

Blick in das Buch Tanja

Blick in das Buch Tanja

Auf den äußeren Rändern (die farblich abgesetzt sind) sind viele erklärende Kommentare untergebracht. Sie schaffen eine gewisse Lernatmosphäre. Sicher ist es auch kein Buch, welches man einfach mal herunterlesen kann. Viele Begriffe aus der Welt der Kabbalah begegnen einem. Dafür gibt es natürlich ein leicht aufzufindendes Glossar. Dieser Teil des Buches ist nämlich hinten auf anderem Papier gedruckt.

Buch Tanja - Deutscher Text mit Rand

Buch Tanja - Deutscher Text mit Rand

Lohnt sich das Buch für Nicht-Chabadniks? Wenn man sich auch inhaltlich mit Chabad auseinandersetzen will (im Sinne einer inhaltlichen Beschäftigung), dann sollte man zumindest ungefähr wissen, worum es dort geht und sich auf ein paar Seiten einlassen. Schaden tut es nicht. Der Umfang der zitierten Quellen ist riesig. Viele Themen tun sich auf, die man vielleicht vertiefen oder hinterfragen möchte und schon ist man drin im Buch. Die Quellen liegen nun in Buchform auf dem Tisch. Ein erstaunliches Projekt.

Eine weitere Rezension von mir gibt es in der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen, hier online zu finden. Es handelt sich übrigens um eine einbändige Ausgabe.

Das Buch ist über books&bagels erhältlich.

23. Januar 2012 – 28 Tevet 5772
von Chajm
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Wuppertal hat einen neuen Rabbiner

Bergische Synagoge

Im November hieß es hier, der Wuppertaler Rabbiner ginge nach Düsseldorf. Das tut er tatsächlich auch und hinterlässt so einen freien Platz für einen nachrückenden Kandidaten.
Dieser steht offenbar nun fest.
Es ist Rabbiner Dr. David Vinitz, Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz, der bisher im Landesverband Westfalen-Lippe, unter anderem, die Gemeinden Bochum und Recklinghausen als »Wanderrabbiner« betreut hat. Dr. Vinitz stammt aus Sibirien, hat in Irkutsk zunächst Geschichte studiert und sich dann später in Israel dazu entschlossen Rabbiner zu werden. Für die Organisation Shavei Israel kümmerte er sich zunächst um Subbotniki und kam dann nach Dortmund, um von dort aus die übrigen Gemeinden des Landesverbandes zu versorgen. Mit einem festen Bezugspunkt wird er die Möglichkeit haben, ein wenig mehr Energie in einen konkreten Ort investieren zu können.
Viel Erfolg in Wuppertal!

22. Januar 2012 – 27 Tevet 5772
von Chajm
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Verbindung WordPress zu Facebook

Unter den Lesern dieses Blogs sind nicht wenige, die auch bloggen und darunter sind auch welche, die ein Konto bei Facebook haben.
Recht praktisch ist es für die bloggenden Facebookmitglieder, wenn ihre Blogeiträge aus WordPress (in erster Linie auf der eigenen Domain) direkt im Facebook-Profil erscheinen. Schön wäre es, wenn die Beiträge vielleicht auch ein Bild aus dem aktuellsten Artikel enthalten.
Bisher war ein Mittel der Wahl networkedblogs. Eine Anwendung, die automatisiert und regelmäßig Blogbeiträge abholt und diese unter dem eigenen Namen eingestellt hat. Allerdings nur mit einem Screenshot des Blogs, der irgendwann einmal angelegt wurde. Nicht vom aktuellen Beitrag. Zudem öffnete sich bei einem Klick nicht die Seite, sondern die Seite erschien in einem Rahmen von networkedblogs. Hat funktioniert, war aber nicht überragend.
Eine interessantere Lösung ist die Verbindung des großartigen Werkzeuges ifttt.com mit einem WordPress-Plugin namens WordPress Like Thumbnail. Dieses Plugin sorgt dafür, dass bei Verlinkung aus facebook heraus, nicht irgendein seltsames Bild erscheint, sondern entweder eines aus dem Artikel, oder ein festgelegtes Standardbild. Das Plugin ist hier zu finden.
Bei ifttt habe ich ein entsprechendes Rezept angelegt. Man findet es hier. Es fischt den RSS-Feed ab, entnimmt einen Teil des Textes, stellt den Titel davor und stellt das mit einem Link auf Facebook ein. Das dürfte dann etwa so aussehen:

Blogbeitrag bei Facebook

Blogbeitrag bei Facebook


Natürlich muss man ifttt die entsprechenden Rechte einräumen, aber das ist schnell erledigt und das muss man auch für jede andere Anwendung tun, die man mit facebook interagieren lässt. Nutzer, die ein WordPress Blog von wordpress.com nutzen, können ein entsprechendes Werkzeug von WordPress.com nutzen, oder ifttt ohne das famose Plugin nutzen.

21. Januar 2012 – 26 Tevet 5772
von Chajm
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Wie bedeckt müssen Frauen sein?

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Seit den Vorgängen in Beit Schemesch ist die Stimmung aufgeheizt und so mancher Kommentator im Netz oder der Printpresse sieht in der Orthodoxie generell eine Tendenz zur »Radikalisierung«. Die New York Times hat sich die Mühe gemacht, ein wenig Sachlichkeit in die Debatte einzubringen und einfach mal einen orthodoxen Rabbiner zu Wort kommen lassen. Rabbiner Dov Linzer von der Jeschiwah Chovevei Torah hat deshalb für die New York Ausgabe vom 20. Januar einen kleinen Text dazu verfasst (hier online). Rabbiner Linzer lässt keinen Zweifel an seiner Überzeugung:

This is not a problem unique to Judaism. But the Talmud, the basis for Jewish law, offers a perhaps surprising answer: It places the responsibility for controlling men’s licentious thoughts about women squarely on the men.
Put more plainly, the Talmud says: It’s your problem, sir; not hers.
von hier

Sein Abschluss ist auch eine Art von Aufruf an diejenigen, die sich lautstark einmischen:

Jewish tradition teaches men and women alike that they should be modest in their dress. But modesty is not defined by, or even primarily about, how much of one’s body is covered. It is about comportment and behavior. It is about recognizing that one need not be the center of attention. It is about embodying the prophet Micah’s call for modesty: learning “to walk humbly with your God.” von hier

19. Januar 2012 – 24 Tevet 5772
von Chajm
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Der Megafrosch

Pyxicephalus adspersus, Boston Aquarium

Die »bekanntesten« Abschnitte aus der Torah verleiten vielleicht dazu, sie etwas oberflächlicher als üblich zu lesen. Der Leser meint, er könnte nicht überrascht werden und nicht alle Torahkommentare können alle Bereiche abdecken (leider). Überhaupt fällt irgendwann auf, welche Schwerpunkte die Herausgeber gesetzt haben und welche Sätze aus der Torah überhaupt nicht zur Kenntnis genommen werden. Aber das ist ein anderes Thema.
Was der, oben genannte, Megafrosch ist, erkläre ich in meinem Kommentar zum Torahabschnitt Wa’era in der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Der gesamte Artikel ist hier online. Der Megafrosch wäre jedenfalls eine gute Vorlage für einen Katastrophen-Horror-Film.

17. Januar 2012 – 22 Tevet 5772
von Chajm
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Münster hat einen neuen Rabbiner

Seit letztem Schabbat hat Münster in Westfalen einen neuen Rabbiner und der neue Rabbiner der Stadt kommt aus Münster. Efraim Yehoud-Desel ist jedenfalls bereits so lange in Münster, dass man behaupten kann, er ist nicht neu in der Stadt. Wie die Westfälischen Nachrichten berichteten, kommt Yehoud-Desel zwar ursprünglich aus Rischon Le-Zion, ist aber schon länger für den Religionsunterricht in der Stadt verantwortlich und amtiert dort als Vorbeter. Zudem hat er mit alefbet.de eine Seite zum Jüdischen Religionsunterricht geschaffen.
Wie dem Artikel zu entnehmen war, hat Yehoud-Desel in Amsterdam/Hilversum studiert und von Rabbiner Tzvi Marx seine Ernennungsurkunde erhalten. Rabbiner Tzvi Marx ist für die »Stichting PaRDeS« (früher »Folkertsma Stichting«) tätig und unterrichtet Talmud am Liberalen Levisson Instituut, welches liberale Rabbiner für die Niederlande ausbildet. Rabbiner Marx hat seinerseits eine Smichah der Yeshiva University.

14. Januar 2012 – 19 Tevet 5772
von Chajm
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Vorsicht Kulturkampf!

Anfang Dezember ging es los. In Israel, so hörte man, gibt es Streit zwischen der Orthodoxie und den säkularen Juden. »Kulturkampf!« hieß die Parole (siehe etwa hier und hier) in den Print und Onlinemedien. In der Berichterstattung wird dann alles durcheinander geworfen. Die antizionistische Neturej-Karta ist mal stellvertretend für Israel, dann bauen die plötzlich doch Siedlungen auf Land, das ihnen nicht gehört. Frauenfeindlich sind sowieso alle und hinter dem Mond leben auch alle. Zudem wollen sie den Staat Israel zu einer Theokratie machen. Das kommt heraus, wenn man alle Nachrichten durcheinander mischt und eine Art Zusammenfassung daraus macht.
Weil es um Israel ging, war es sowieso wichtig und so fand das dann auch die entsprechende Beachtung. Ende Dezember forderte ich hier dazu auf, dass man sich zunächst mal informieren solle, bevor man das Spiel mitspielt und einen Konflikt größer macht, als er ist.

Interessanterweise hat Henryk Broder genau das gemacht, was ich mit Zusammenfassung meinte: Alle Bestandteile schön vermischt und in Welt posaunt, die Charedim zerstörten den Judenstaat. Natürlich unter den sachlichen Überschrift »Wie Ultraorthodoxe den Judenstaat zerstören« (siehe hier). Unter der Überschrift versammelt er alle Geschichten, mischt sie schön zusammen und macht ein wenig Stimmung. Interessant und symptomatisch für den gesamten Artikel ist:

Gut, „unsere Taliban“ schicken keine Kinder mit Dynamit-Taschen auf den Weg ins Paradies. Aber: Bevor ein jüdischer Fanatiker Jizchak Rabin ermordete, hatten ein paar exzessiv orthodoxe Rabbiner in einer Art „Fatwa“ den „Verräter“ Rabin zum Abschuss freigegeben. von hier

Dass der Täter Jigal Amir aus der national-religiösen Bewegung kam und die Ermordung auch extremen Kräften dieser Strömungen zuzuordnen ist, scheint hier nur ein störender Fakt zu sein.
Fakten sind aber leider so unhysterisch…

Lonely Man of Faith - Artikelbild

12. Januar 2012 – 17 Tevet 5772
von Chajm
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The Lonely Man of Faith

Für zwei Neuerscheinungen des Koren-Verlages muss ich ein wenig weiter ausholen und ein paar Hintergründe schildern. Nicht allen Lesern dürfte klar sein, welch großartige Neuerscheinungen das sind.

Von Rabbiner Joseph Soloveitchik (1903–1993) »The Rav« haben möglicherweise schon diejenigen gehört, die sich ein wenig mit moderner Orthodoxie beschäftigen. Mir ist der Name ein paar Mal begegnet, ich konnte aber zunächst nicht sehr viel damit anfangen, bis ich eines Tages an einem Schiur zum Thema »Tfillah« teilnahm und Rabbiner Soloveitchiks Sichtweisen ein wenig eingehender dargestellt wurden. Als jemand, der den Existentialismus mit jüdischem Denken vereinigte. Er sähe den Menschen als freies Individuum, das seine Umgebung und sich selber verändern kann und aktiv an der Schöpfung weiterarbeitet. Tatsächlich lehrte Soloveitchik genau das. So heißt es in seinem Buch »Halakhic Man – Isch haHalachah«

»The most fundamental principle of all ist hat man must create himself. It is this idea that Judaism introduced into the world.« (Halakhic Man – Isch haHalachah)

Eine interessante Idee, die noch über das liberale Tikkun Olam hinausgeht und bei mir jedenfalls zu einer intensiveren Beschäftigung mit Soloveitchik geführt hat.
Der Mensch ist jedoch nur »creator«, wenn er sich auch für diesen aktiven Aufbau entscheidet. Solovitchik unterscheidet zwischen der »Spezies Mensch« und den »Mensch G-ttes«, der aktiv in der Welt entscheidet. »Spezies Mensch« entscheidet nichts, erschafft nichts und geht passiv durch die Welt. Weiterlesen →

5. Januar 2012 – 10 Tevet 5772
von Chajm
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Facebook Timeline gut genutzt

Die Facebook Timeline (oder auch Chronik genannt) wird von immer mehr Nutzern übernommen. Theoretisch könnte man dort sein gesamtes Leben dokumentieren und bebildert präsentieren. Die israelische Anti-Drogen Behörde hat das kreative Potential erkannt und nutzt das Prinzip der Timeline, um den virtuellen Adam Barak zwei Leben zugleich präsentieren zu lassen. Ein Leben mit Drogen und eines ohne.

Wer ein Facebook-Konto hat, sollte sich die Seite einmal anschauen:
Anti-Drug Timeline